Ralph Müller-Wagner

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Presseartikel & Rezensionen

Hier findet ihr Artikel und Beiträge, die über mich in der Presse veröffentlicht wurden; und Rezensionen meiner Bücher und Veröffentlichungen.

Presseartikel

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Rezensionen

Eine Rezension (von lateinisch recensio, Musterung) ist eine kritische Bewertung von kulturellen oder wissenschaftlichen Schöpfungen wie Büchern, Filmen, Kunstwerken oder Konzerten.
Sie kann in verschiedenen Medien veröffentlicht werden: in Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk oder auch (wie hier) im Internet.

Definition

Hexengruft - Abenteuer im Moorland
Kurzrezension von W. Karbach
ISBN-10: 39548822
ISBN-13: 978-3954882212

Ein Fantasy-Abenteuer

Eine spannende Geschichte. Aber nicht für Kinder von 10 Jahren. Denn: Der Stil ist veraltet. Da ich beruflich mit der Entstehung von Literatur zu tun habe, kam mir sofort das Schreiben aus dem Ende des vorletzten Jahrhunderts in den Sinn. Diese Geschichte in der »Gartenlaube« veröffentlicht, das wär's gewesen. Alles erinnert stark an Marlitt. Die Geschichte selbst ist spannend. Aber ich kenne kein Kind im Alter von 10 Jahren, was Mädel, Buben und Gefährten sagt. Es ist sehr viel Sachverstand im Detail vorhanden. Es macht den Eindruck eines Erbauungsbuches aus vergangenen Zeiten. Eine flotte Schreibe und das Ding würde zum Bestseller. Substanz ist genügend vorhanden, auch das Fachwissen. Für Erwachsene und belesene Heranwachsende die sich in die Tiefen der Literatur begeben wollen eine schöne Sache.

 

Die Wege der tausend Erinnerungen
Rezension von Tanja Schröder
cover ISBN 3-8311-3520-7
141 Seiten, Hardcover

Worin liegt die Schönheit unserer Welt, die der Autor dieses Buches auf so ganz eigene Art betrachtet? Im Kleinen liegt sie, im Unscheinbaren. Denn dort harrt das wahrhaft Kostbare darauf, entdeckt zu werden.
Dort tun sich dem Leser, der die Welt durch Ralph Müllers Augen betrachtet, ganz neue Ansichten auf. Jede Geschichte ist eine Blüte, die sich dem Leser zutraulich und einladend öffnet. Er muss sie nur betrachten und in ihrer Einzigartigkeit verstehen wollen. Oft fürchten wir uns vor dem Neuen und verkriechen uns in der Stube unserer Gewohnheiten. Doch Ralph Müllers Geschichten ermutigen, hinauszugehen und die Umwelt eingehender in Augenschein zu nehmen.
Die Sicht in neue Bahnen gelenkt und den Schleier der Gewohnheit von den Augen gewischt, gewinnt zuvor als Schattenriss Wahrgenommenes nach Lektüre dieser in einem Band vereinten 15 Erzählungen an Klarheit und besonderer Bedeutung. Auf einmalige Art und Weise stehen in den Geschichten Menschen, Natur, Erinnerung mit Gegenwart im Dialog mit- und zueinander.
Der Autor bedient sich dabei einer von Klischees unbelasteten Sprache, um Phantastisches in Worte zu fassen und Alltägliches in ein verzaubertes Prachtgewand zu kleiden und um tiefgründig Philosophisches leicht verständlich auszumalen.
Übersinnliches findet sich - oder ist es nur allzu sinnlich? Wahrgenommen von Sinnen, die verschüttet sind und nur darauf warten, geweckt zu werden? - in beinahe jeder Geschichte. Elfen, Lichtgestalten, Visionen: Helfer, die verdeutlichen, erklären und trösten. Ihr Auftreten bekräftigt den Grundton dieses Buches, nämlich die verborgene Schönheit, das Wesen, das Herz und die wahrhaftige Qualität des Augenblicks und der Natur zu entdecken. Um es frei nach Antoine de Saint-Exupery zu sagen: Man sieht nur mit dem Herzen gut!

Zum Beispiel in der märchenhaften Erzählung "Elfenreigen", in der die Erlebnisse des jungen Sebastian zutiefst berühren. Hier verliert der Tod seinen Schrecken. Aber was ist mit dem Leben, das noch viel beängstigender sein kann? Ralph Müller zeigt auf, wie man gestärkt auch die schwierigsten Windungen des Lebenspfades meistern kann.
Als roter Faden zieht sich die Betrachtung der Natur durch die Geschichten. Erinnerungen, wie schon der Titel des Buches verrät, sind der Quell aus dem die Betrachtungen der Charaktere in den Geschichten schöpft. Erinnerungen an die Großmutter, die der Natur noch so stark verbunden war, Erinnerung an die Kindheit, Erinnerungen aller Art und wie wir sie vielleicht alle kennen entfalten sich wie ein Bilderreigen. Nicht nur entfernte, verblassende Blitzlichterinnerung, sondern intensiv gefärbtes Gedenken.
Vergänglichkeit mischt sich mit hoffnungsvollem Erblühen, das an die Kraft der Erde gemahnt, die im Übermaß um uns herum zu finden ist und nur allzu oft unbeachtet bleibt, weil wir sie in aller Eile und vor lauter Vernunft zu missachten gelernt haben.
Halten wir aber inne und lernen neu, eben jene Energien zu respektieren und zu nutzen, uns also als Teil dieses einmalig fein abgestimmten Kreislaufes zu erkennen, gewinnen wir auch das zurück, wozu das Leben geschaffen ist: Freude und zärtliche Dankbarkeit.
Wunderbares Beispiel dafür ist "Novembererinnerung", wo ein Schriftsteller geplagt von der Schreibblockade hinausgeht in die kühle, feuchte Herbstlandschaft, welche ihm Inspiration schenkt und der er freudig als Instrument dient: Er dachte an die weißen Blätter zu Hause, aus denen er eine Geschichte herauszaubern wollte und lächelte. Lächelte wissend um die Geschichte auf der Microkassette, die ihm der Novembermorgen diktiert hatte.
"Die Wege der tausend Erinnerungen" ist ein starkes Erstlingswerk in dem Ralph Müller die Hürden, welche jeder Autor nehmen muss, mit Bravour meistert. Seine Sprache ist bildhaft ohne selbstverliebt oder Adjektiv überladen zu sein, die Charaktere überzeugen durch gefühlvolle Ausarbeitung und geschickt angewandte Metaphern und Aphorismen prägen seinen Stil.

Die Titelgeschichte zum Beispiel beginnt mit der Begegnung zweier Menschen, einem alten und einem jungen Mann, die rein oberflächlich kaum Gemeinsamkeiten aufweisen, doch ist jeder zu seiner Zeit ein Neuankömmling wie die Schwäne auf dem See, an dem die zwei Männer zusammentreffen.
Im Gespräch tauschen sie Erfahrungen aus und erkennen wie vieles doch oft unter dem Augenscheinlichen verborgen liegt.
Eine besonders eindrucksvolle Passage ist für mich: "Ich weiß jetzt, was Sie in Ihrem begnadeten Leben immer weiter trieb (...) Es sind die Wege der tausend Erinnerungen, die wir in der Zeit unserer unzähligen Leben gehen. Die wir ahnungslos mit guten und schlechten Taten pflastern. Um sie irgendwann noch einmal aufmerksam zu beschreiten. Da am Ende des Weges der große Preis auf uns wartet. Die Vollkommenheit. Das Ebenbild Gottes."

Nicht den großen, ausschweifenden oder gar Action geladenen Begebenheiten widmet sich dieses Buch, sondern sanfter, leiser Betrachtung auf 141 Seiten, die nie langweilig werden, zu neuen Gedankengängen anregen und Lebensfreude aus dem Winterschlaf wecken.
"Die Wege der tausend Erinnerungen" ist ein wunderbares Buch für einen Schmökernachmittag, dem mit Sicherheit noch weitere folgen werden, weil das Buch dazu verführt, es immer wieder zur Hand zu nehmen, darin zu lesen und Kraft zu tanken.

 

Rezension von Jürgen Ritschel, Schriftsteller, Lektor, künstlerischer Leiter mehrerer Literaturzentren

Die Erzählungen werden von angenehmer innerer Spannung getragen und entwickeln sich so, dass der Leser Entdeckungen macht. Fast märchenhaft und dennoch real zeichnest du die alte Frau in "Wege" in einem Kontext von Menschlichkeit. Eine sehr bewegende Geschichte, die vor allem wichtige Menschheitsfragen in der Figur der eigentlich unscheinbaren alten Frau sichtbar werden lässt. Der Schüler ist zum Meister geworden. Sei also willkommen in der Schriftstellergilde lieber Ralph, mit all ihren Höhen und Tiefen.

 

Lesermeinung

Das Buch "Die Wege der tausend Erinnerungen" ist voller feinfühliger, tiefsinniger Geschichten über das Leben und über das Leben hinaus.

Das Leben im Einklang mit der Natur, die von uns oftmals so wenig wahrgenommen wird und doch so viele Geheimnisse und Kräfte birgt. Die Möglichkeit auf den Wogen der Natur ganz andere Sicht-weisen auf das Leben zu erhalten, das erlebt man mit diesen Geschichten.

Personen in den verschiedensten Lebenssituationen erleben die Stärke der Natur, sei es um Lebensenergie zu tanken, sich die Sorgen von der Seele zu schreien, das letzte Mal träumen zu dürfen, sich auf den Weg in ein lebenswerteres Leben begeben zu können, wieder Hoffnung zu schöpfen obwohl alles so ausweglos scheint oder endlich, wie der verzweifelte Dichter, eine zündende Idee für eine neue Geschichte zu bekommen.

Manche Geschichten erzählen von Schicksalen die noch nie offenbart wurden und nun durch einen simplen Anlass, wie das Aufeinandertreffen zweier Personen die sich zuvor noch nie begegnet sind, deren Seelen sich aber ohne Worte verständigen, ans Tageslicht fließen dürfen.

Die lebenserfahrenen Alten werden mit wissbegierigen, neugierigen jungen Menschen zusammen geführt. Lebensanschauungen treffen aufeinander, werden ausgetauscht und manchmal gegen einander abgewogen.

Diese Geschichten geben Anlass, über sein eigenes Leben nachzudenken, den Wert des eigenen Lebens einzuschätzen, seine Schönheit, auch in verfahrenen Situationen, zu erkennen.

Kathrin Weidner, Juni 2010

 

Offener Brief von Karin Jäckel, Schriftstellerin
Lieber Ralph,
Dein Buch "Die Wege der tausend Erinnerungen" habe ich mit großer Freude erhalten und auch sofort gelesen.

Es ist eine Sammlung tiefsinniger Geschichten über Leben und Sterben, Diesseits und Jenseits, Reales und Irreales, Jugend und Alter, Lieben und Leiden und all das ineinander verwoben zu einem kunstvollen Wortegespinst, das Emotionen zum Klingen bringt. Ich habe beim Lesen Dich als Wanderer der Romantik visualisiert, der sein Lebensschiff durch die Irrungen und Wirrungen der geträumten Wirklichkeit steuert, um die "blaue Blume" zu suchen, die er auf dem Wiesengrund der eigenen Gedankenwelt neu erfindet.
Ich kann Dir, lieber Ralph, nur wünschen, dass Du Dir das zauberische Element Deiner Phantasie erhalten und weiterhin solche zwischen den Welten schwebende Geschichten hervorbringen wirst. Der Mut zu Texten wie Deinen ist selten geworden.

Karin Jäckel,
Autorin, Kunsthistorikerin, Germanistin, Journalistin
Zwischen Anpassung und Widerstand
Rezension von Tanja Schröder
cover ISBN 3-902400-14-5
168 Seiten, Softcover

Ich denke, jeder kennt das Gefühl, unterdrückt zu werden. Den latenten Missmut, der sich mit der Zeit in aufbäumenden Zorn wandelt, welcher sich schließlich in Rebellion entlädt oder in fatalistischer Apathie endet.

Im Großen sehen wir das in den Medien - ganze Völker begehren auf. Die Rebellion als Gewaltakt, den entweder die eine oder die andere Seite erfolgreich besteht.
Doch im Kleinen? Den Weg des Widerstandes zu gehen ist niemals leicht und ihn allein zu gehen erfordert viel Mut. Viel Mut und Kraft aber braucht es auch, sich anzupassen. Zu entscheiden, wann was von beidem angebracht ist und den Mittelweg zwischen beidem zu finden, das ist die Kunst und jeder muss diese Entscheidung für sich treffen. Und darum geht es in den Geschichten der drei Autoren vom "Literatenkreis Grüner Juni", die sich zusammenfanden, um ihre Gedanken zum Thema Anpassung und Widerstand zu beschreiben.
Die Geschichten aller drei Autoren zeichnen sich durch einen ausgesprochen flüssigen und poetischen Erzählstil aus. Weisheit, Ermutigung, Respekt unter anderem im Sinne von: Meide Lebensgefahr! Gehe soweit wie möglich, halte dich zurück wie nötig! Überlebe! sprechen aus ihren Texten.
Ralph Müller, Michael Oestreicher, Ursula Heumann - sie alle haben sich feinfühlig dieses schwierigen Themas angenommen und ein Buch geschrieben, das dem Leser das Rückgrad gerade rückt. In ihren Geschichten erzählen sie von Aufbegehren und Mahnung und der Hoffnung, Gehör zu finden. Auch ist dieses Buch keine gewaltige Revolution, kein mächtiger Volksaufstand oder gar der Aufruf zu einem solchen. Es ist die Dokumentation, der Appell zum Widerstand im Kleinen, im persönlichen Umfeld und letztlich auch in uns selbst.
Deutlich wird das in Michael Oestreicher Geschichte "Myysuas Traum", in der eine junge Frau aus Südamerika die phantastische Reise zu ihrem Selbst erlebt. Sie muss zunächst lernen, Kraft aus ihrer Abstammung zu ziehen, für die sie sich bislang geschämt hat. Im Laufe der Erzählung wandelt sich ihre Scham und ihre Angst in Stolz und Selbstachtung, die sie schließlich wahren lernt.
Myysua ist wie viele von uns - ein scheinbarer, ihr eingeredeter Makel lässt sie sich selbst geringschätzen und den eigenen Wert verleugnen. Sie glaubt sogar, kein Recht darauf zu haben, sich gegen Demütigungen zu wehren. "Myysuas Traum" ist eine "Frauengeschichte". Sie spürt dem Herzschlag der Erde nach, dem Zyklus der Erneuerung und erinnert daran, dass wir dieses Leben genießen und mit wachem Verstand auf unsere inner Stimme hören sollen. Und wir sollen aufrecht gehen, denn dafür sind wir schließlich geschaffen.

Gekonnt philosophisch geht Ralph Müller den Gedanken des Buches in seiner Geschichte "Spuren hinterlassen", worin er die Frage nach dem Sinn des Lebens(kampfes) stellt, an. Greifbarer, doch nicht weniger nachdenklich, wird er in "Erwartungen", in der Roland Otto, der junge Brigadier einer kleinen Industrieschmiede in der damaligen DDR beinahe ohnmächtig versucht, seinen Platz im Leben zu finden. Gefangen zwischen geradezu paranoiden Zweifeln, versucht Roland Otto zu entscheiden, was er will und schöpft schließlich Hoffnung, dass eine Selbstveränderung auch eine Veränderung der Umwelt bewirken kann und, dass nicht immer der andere der Feind ist, sondern man sich oftmals selber im Weg steht. Und letztlich ist "Erwartungen" eine Arbeitergeschichte, ein Stück Zeitdokument. Ganz nah an jenen Menschen, die seit jeher entscheidende Veränderungen innerhalb verknöcherter, nicht zuletzt feudaler, Gesellschaftsformen herbeiführten.
Ralph Müller vermittelt seine tiefen Gedankengänge mit einer seltenen und unverwechselbaren Leichtigkeit durch die er es schafft, eine Art "Aha!-Effekt" zu erzeugen: Dass es nicht immer der große Auftritt und nicht immer mit dem Kopf durch die Wand sein muss. Manchmal verändert allein unsere Existenz das Lebensuniversum einer anderen Existenz - wir dürfen uns nur nicht festfahren und müssen Willens sein, Veränderungen zu akzeptieren und auch zu bewirken.

Ein chinesisches Sprichwort sagt: Besser ein Licht anzünden, als auf die Dunkelheit schimpfen... oder gar nach deren Ursprung zu suchen.
In Ursula Heumanns Geschichte "Sanftmut und Krallen" erscheint aber gerade diese Suche notwendig, damit sich die Ich-Erzählerin dem anhaltenden Widerstand ihrer neuen "Mitbewohnerin" anpassen kann. Da passiert es, dass eine zugelaufene Katze Kompromisse fordert, ja, zwischen der Erzählerin und dem Tier entspinnt sich ein regelrechter Kompromiss-Dialog, der schließlich dazu führt, dass die Frau der Herkunft ihrer neuen Gefährtin nachgeht und auf ein schreckliches Geheimnis stößt, welches praktisch zwingend Widerstand als Anpassung verlangte.

Und da schließt sich auf gewisse Weise der Kreis zu Ralph Müllers "Spuren hinterlassen". Denn was wäre eine Welt ohne Konflikte? Ohne den ständigen Kampf, zwischen Anpassung und Widerstand das Überleben zu erlangen? Die Welt wäre zum Stillstand verdammt und Stillstand bedeutet Sterben und Tod. Indessen man sich während des harten Balanceaktes zwischen Erdulden und Auflehnung wahrhaft lebendig fühlt.
Das sind wir, das ist Leben. Das sind die grünen Zweiglein, die aus dem verdorrten Ast eines scheinbar toten Baumes sprießen. Angesichts dieses Beispiels erkennen wir, dass Anpassung und Widerstand nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinander stehen müssen. So wie der Baum sich akklimatisiert an trockenen Boden oder Lichtmangel und trotz allem erblüht, können auch wir erblühen in unwirtlicher Umgebung, die wir Stück für Stück akzeptieren und zugleich umformen. Manchmal ist passiver Widerstand durch An-passung an bestimmte, widrige Lebensumstände wirkungsvoller als aggressives Aufbegehren.

"Zwischen Anpassung und Widerstand" ist ein wunderschönes, kraftvolles Buch und ich hoffe, dass der Literatenkreis "Grüner Juni" noch weitere solch fabelhafte Triebe hervorbringt.

Laura Langbein und die Reise zum Elfenschloss
Rezension von Marianne Falkner-Schrick, Krabbelstube Falkner, Dipl-Psychologin und Kindertherapeutin
cover ISBN 0-972-74325-1
268 Seiten, Softcover

Laura Langbein hat sich in mein Herz geschlichen. Als ich dieses Buch zur Hand nahm, war es für mich ein Leichtes, mich entführen zu lassen in die Welt des Königreichs Ghondor, wo die kleine Heldin Laura Langbein lebt. Und als ich es meiner kleinen Tochter vorlas, konnte ich den kindlichen Schimmer der Begeisterung in ihren Augen sehen. Was gibt es Schöneres für eine Mutter?

Ralph Mueller-Wagner versteht es den Leser - ob gross oder klein - in seine Fantasywelt zu entführen. Sehr einfühlsam und interessant nimmt er uns an der Hand und zeigt uns die versteckten Wunder dieser Welt. Bringt mit spielerischer Leichtigkeit, die nur einem versierten Schriftsteller gegeben ist, innere Werte den jungen Lesern seines Buches näher. Mit diesem Buch beweisst der Autor erneut seine Vielfältigkeit und sein Können. Laura Langbein und die Reise zum Elfenschloss hat einen sehr hohen Lernwert, den man nicht ableugnen kann. Das spielerische Begreifen, dass jeder einen wichtigen Teil der Gesellschaft darstellt, nicht an seinem Äusseren und seiner Andersartigkeit bewertet werden sollte, ist ein tragender Bestandteil dieses Kinderbuches und vertieft ohne Frage dessen therapeutischen Wert.

Laura, gehemmt durch die Hässlichkeit ihres Aussehens als eine Heuschrecke, gehänselt, verspottet und verstossen von der übrigen Lebensgemeinschaft, findet in einer Glockenblume und im Blumenelf Max ihre ersten Freunde, die ihr helfen, ihr angeschlagenes Selbstbewusstsein wiederzufinden. Und mutig macht sie sich an der Seite von Max auf die lange Reise zum Elfenschloss, um den Prinzen Asha wieder das Lachen beizubringen und die Angst vor dem Älterwerden zu nehmen. Das Zusammenspiel der zahlreichen Charaktere und deren Lernprozess auf der langen Reise ist ein sehr gutes pädagogisches Zeugnis, wie heute gute Kinderliteratur geschrieben sein sollte.

Wer wirklich Wert legt auf anspruchsvollere Kinderliteratur als "Harry Potter" ist mit "Laura Langbein und die Reise zum Elfenschloss" nur gut beraten.

Ich kann mit guten Gewissen dieses Buch weiterempfehlen.