Ralph Müller-Wagner

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Interview Marion Fiedler

Marion Fiedler

Ralph Müller-Wagner: Hallo Marion, endlich klappt es mal, dass wir über dich und deine Projekte plaudern können. Du bist eine gefeierte Sängerin, Komponistin und Bandleaderin. Deine musikalischen Reisen führen dich nach Amerika und Europa. Wie kam eine so romantische, dynamische junge Frau wie du zum Jazz, wo doch die meisten Sängerinnen eher im Mainstream Erfolg suchen? Wie hat alles angefangen, als dich die Muse küsste?

Marion Fiedler: Danke für die schmeichelhaften Worte. Ich freu mich auch, dass wir heute miteinander sprechen können! Den Weg zum Jazz fand ich durch meine Gesangslehrerin Janis Deyda, die mir sehr viel beigebracht hat. Sie hat meine Ideen kanalisiert, meinen natürlichen Gesang mit Techniken verfeinert, die längst zu einem Teil meines kreativen Selbst geworden sind. Wenn man auf der Bühne steht, wird dir viel abverlangt. Sie hat es hinbekommen, dass ich Stück für Stück Gesangstechniken erlernen konnte, die mich auf den Beruf als Musikerin vorbereitet haben. Darüber hinaus hat sie mir neben Musical und anderen Genres eben auch den Jazz empfohlen. Als ich bewusst die ersten Stücke gehört und Noten analysiert hatte, öffnete sich mein Herz für diese faszinierende Musiktradition. Ich habe aber mit Ideen eines Singer-Songwriters angefangen, vom Gesang her klang ich eher nach Pop. Diesen bin ich immer treu geblieben. Sie sind für mich gleichwertig zu allen anderen Stilen, die ich singe, performe oder in welchen ich neue Kompositionen oder Songs verfasse.

Ralph Müller-Wagner: Wer hat dich damals entdeckt und gefördert oder warst du Autodidakt?

Marion Fiedler: Ich glaube nicht daran, dass ein Künstler entdeckt wird. Der Regelfall ist, wie ich es immer wieder beobachte, dass man sich ein Bandprojekt selbst aufbaut, und darum ein Netzwerk sucht, welches durch Geben und Nehmen ein stetes Vorankommen und Weiterentwickeln ermöglicht. Und so habe ich vielen Leuten sehr viel zu verdanken. Das sind meine Lehrer, aber auch die Mitglieder meines Kreativteams. Ich glaube, dass ich durch die Auftritte am meisten gelernt habe. In der Uni lernt man die Flügel zu schlagen, aber auf der Bühne erst breitet man sie aus. Ich bin an der Stelle auch sehr dankbar, dass mich meine Musiker und insbesondere Johannes Gerstengarbe von den Ballroom Studios Dresden, so intensiv begleitet haben. Ich glaube, wir feiern bald unsere zehnjährige Zusammenarbeit. Ich bin ein Mensch mit vielen Ideen. Dankbar für alle Partner und Unterstützer, die mir täglich beim Kanalisieren und Umsetzen helfen.

Ralph Müller-Wagner: War es dein Ziel oder Traum nach Nashville zu gehen, um dort an der Belmont University Musik zu studieren? Nashville bedeutet Tradition und hat eine bestimmte Musikszene geprägt. In deinen Songs bemerkt man schon diesen Einfluss.

Marion Fiedler: Ich habe Familie in den USA. Geschichte und Kultur dieses Landes begeistert studiert. Gerade was die Musik anbelangt, zieht es mich immer wieder in die USA und natürlich die Sprache, die ich in Europa gar nicht komplett ausleben kann. Ich fühle mich in den Südstaaten sehr wohl. Auch deshalb, dass ich an der Belmont University studieren durfte. Ich habe dort im Gesangsunterricht meine eigenen Stücke, sowie Klassiker aus Jazz und Pop gesungen. Um diesen Unterricht fächerten sich alle anderen notwendigen Studienfelder auf. Gerade mein Zweitfach Komposition und Songwriting war mir während der Ausbildung sehr wichtig. Nachdem ich alle Tagespflichten abstudiert hatte, bin ich dann manchmal bis Mitternacht in den Überräumen geblieben, um meine Stimme zu trainieren und Kompositionen zu schreiben. Ich möchte es mal so sagen. Nashville ist zu meiner zweiten Heimat geworden, im Herzen sicherlich zur ersten. Als strebsamer Musiker findet man in der Musiktradition von »Music City USA« einfach so viele Gleichgesinnte, dass ich mich inmitten des kreativen Überflusses in dieser Stadt einfach viel natürlicher ausleben konnte. Klar ist das Level und entsprechend der Anspruch an einen selbst super hoch. Es gibt auch viel mehr Konkurrenz, egal in welchem Genre. Aber es gibt eben auch viele Gleichgesinnte und tausende von Musikern, die wie ich mit dem Herzen und der vollen Leidenschaft spielen. Ich freu mich jedenfalls, dass du den Einfluss hörst.

Ralph Müller-Wagner: Wie haben dich die Amerikaner damals aufgenommen? Wie interpretieren sie deinen Stil? Ist er für sie nicht nostalgisch?

Marion Fiedler: Ich gebe dir Recht, dass ich anfangs in Nashville nicht komplett reingepasst hatte. Und weil ich das gespürt hatte, hielt ich auch in den ersten Tagen eine gesunde Distanz, so wie man das halt macht, wenn man erst einmal in einen neuen Kreis an Gleichgesinnten eintaucht. Der Abstand hielt aber nicht lange. Ich wurde herzlich und begeistert aufgenommen, in Projekte integriert und hatte schnell viele neue Freunde und Kollegen, Projekte und Austauschsmöglichkeiten. Ich fühle mich in Nashville beziehungsweise in den USA immer willkommen, auch wenn ich seit Anfang an schon als anders wahrgenommen wurde. Ich nenne mal ein paar Beispiele. Von meiner Persönlichkeit her spielt in meinem täglichen Bewusstsein Umweltschutz eine große Rolle, mehr, als das meiner Kommilitonen. Auch die Liebe zur Natur, zum Laufen, habe ich nicht bei allen Amerikanern gefunden. Das beeinflusst natürlich auch meine Liedthemen. So wie die Persönlichkeit oder der Lebensstil anders war, brachte ich eben auch andere Ideen in die Musik. Ich denke, dass Jazz auf allen Kontinenten etwas Nostalgisches hat. Auch bestimmte Singer-Songwriter-Stile schimmern durch das Fenster der Vergangenheit, schaut man sich im Vergleich den Mainstream-Markt an. Musik die mit echten Instrumenten und lebenden Spielern entstehen darf, ist aber gerade aus diesem Grund etwas Besonderes.

Meine Songs werden seit Anfang meiner Karriere immer schon als ein Gemisch verschiedener Stile und Einflüsse, als Pop-Jazz angesehen. Und der Weg, den ich gehe, hat allein daher schon etwas, was andere Musiker nicht leben, weil ich eben nicht im Dunstkreis der »Music City« aufgewachsen, jetzt aber eng mit der Stadt verbunden bin. Wenn man viel reist, ändern sich die Hörgewohnheiten. Je verschiedener die Musik ist, mit der man zu tun hat, desto facettenreicher wird die eigene Weitsicht. Genau das wird aber mitnichten belächelt. Ich habe es eher als Grundlage eines intensiven Austauschs erlebt. Viele meiner fellow students sind dann einfach auf mich zugekommen, wollten etwas nach Französisch oder gar Deutsch übersetzt bekommen, wollten meine Meinung zu üblichen Jazzkadenzen hören. Sie haben mich für bestimmte Dinge konsultiert und ich habe ganz andere Fragen gestellt. Aber dies ist nicht nur eine Auffälligkeit, die man zwischen den Traditionen in den USA und Europa erkennt, sondern eben auch zwischen Musikern, die alle einen bestimmten künstlerischen Fingerabdruck entwickeln. Was mich zum Beipiel am meisten fasziniert hat, ist die Kraft der amerikanischen Stile. Das ist in jedem Genre etwas anderes. Der Jazz hat in den USA eine ungeahnte Tiefe. Alles was Richtung Pop oder Pop-Country geht, ist vom Format her auf Erfolg geschneidert. Für mich ist dies alles einfach faszinierend. Ich höre da gern zu und staune. Besonders das, was Kraft und Seele hat, inspiriert mich. Und da denke ich auch an die Kreativität der amerikanischen Jazzszene.

Ralph Müller-Wagner: Hast du musikalische Vorbilder und inwieweit haben dich diese geprägt?

Marion Fiedler: Wie ich bereits gesagt habe, sind viele meiner Vorbilder manchmal in meiner unmittelbaren Umgebung – von meinen Bandmitgliedern lerne ich täglich neues dazu! Mein Produzent beeindruckt mich mit seiner Stilsicherheit, und jeder Musiker bringt Farben in das Gemisch meiner Songs, von denen ich lerne. Ich habe aber auch Idole der Musikgeschichte und des aktuellen Musikmarktes. Und das sind nicht nur Mainstreamkünstler. Wenn ich nur eine nennen sollte, wäre das Ella Fitzgerald. Ihr Weg beeindruckt mich, und ihr sagenhaftes Talent.

Ralph Müller-Wagner: Du hast einen ganz eigenen Stil in deiner Musik gefunden, die in Richtung Pop tendiert. Wie würdest du heute deine Kunst bezeichnen und in welche Richtung wirst du dich weiter entwickeln? Jeder Musiker hat doch seine Träume und will sie irgendwann ausleben.

Marion Fiedler: Danke, dass du das fragst. Ja, ich habe viele Träume. Ich träume von bestimmten Bühnen und davon, dass meine Band und ich von der Musik leben können. Bestimmte Träume lebe ich bereits. Zum Beispiel, dass ich eben stets neue Lieder schreibe, die meine Zuhörer begeistern. Allein den Kreis an Menschen um mich zu haben, die mich unterstützen, ist eine riesige Ehre. Denn ein Sänger ist erst ein Sänger, wenn er ein Publikum hat. Ein weiterer Traum, der bereits in Erfüllung gegangen ist wäre, dass ich Menschen inspirieren darf. Ich höre täglich von meinen Zuhörern, dass sie die neuen wie auch die älteren Lieder inspirieren und stärken. Dies erfüllt mich auf unbeschreibliche Weise. Und da ist es mir auch egal, in welchem Stil der Song geschrieben oder produziert war – dort zählt nur, dass ich Menschen durch Musik berühren kann.

Ralph Müller-Wagner: Dein künstlerisches Thema „Auf dem Weg sein“ gefällt mir prima. Auch eines meiner Bücher beschreibt die verschiedenen Wege des Lebens. Unberührte und spannende Wege scheinen Künstler zu inspirieren. Welche Metaphern stehen hinter deinem Thema oder ist das ein Geheimnis?

Marion Fiedler: Ich bin auch bereits Autor. Weiß wie schön es ist, wenn ein Buch entsteht und veröffentlicht wird. Was deine Frage zu meinem Weg betrifft, möchte ich kurz und knapp sagen: Ich war schon immer auf der Suche. Meine Lieder beschreiben recht ehrlich, welche Vision ich entlang meines Weges erlange. Ich versuche diese Gedanken möglichst direkt zu teilen, weil ich weiß, dass ich nur durch diese Offenheit oder auch Direktheit einen Draht zu meinen Zuhörern aufbauen kann, der von Bedeutung ist. Und Bedeutung ist das, was Musik hörenswert macht. Klar kann auch mal ein Lied nur vom Tanzen handeln. Aber selbst dort darf man Wortspiele oder Metaphern einbinden.

Ich denke, dass mich der Weg deshalb so fasziniert, weil ich ein Ziel habe. Für Umwege offen bin und den Prozess genieße. Weil ich nicht allein bin, sondern gemeinsam mit meinen Musikern, mit meiner Familie, meinen Zuhörern und den Menschen, die an mich glauben und mich unterstützen, wenn ich unterwegs bin. Ich versuche auch all das zurückzugeben. Daher sind viele meiner Songs von Dankbarkeit erfüllt. Sie beschreiben dieses großartige Gefühl, welches durch den Austausch mit Gleichgesinnten und Leuten, die in die gleiche Richtung sehen wie du selbst, entsteht. Das trifft besonders auch die Musiker, die den Weg eines aufstrebenden Künstlers mit mir gemeinsam gehen. Ich habe um meine Band ein Kollektiv aufgebaut, in dem Kollaborationen möglich werden. Unsere Mitglieder stammen von allen Kontinenten. Wir halten die Zahl klein und nehmen nur zuverlässige und nach Professionalität strebende Künstler mit in die Gruppe. Die letzten Jahre bin ich vor allem im Austausch mit solchen fleißigen Künstlern auf meinem Weg vorangekommen. Indem man teilt, stärkt man sich gegenseitig!

Der Weg, den ich während meiner Reisen erlebe, ist auch landschaftlich und durch die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen spannend. Das weiß jeder, der eine Reise tut. Allein der Fakt, dass man eine bestimmte Vision haben darf, dass man während der Freizeitmomente nur bei sich ist und sich besonders in fremdem Umfeld stets neu entdecken darf, inspiriert mich jedes mal neu. Und eben auch besonders die Geschichten und Begegnungen mit den verschiedenen Menschen, an die man sich stets erinnern wird.

Ralph Müller-Wagner: Wie entsteht bei Marion Fiedler ein Song? Ist zuerst die Musik, der Text oder ein bestimmendes Thema da und wie entwickelt er sich dann?

Marion Fiedler

Marion Fiedler: Manche Lieder entwickle ich über Jahre. Die Blockaden sind meist zeitgebunden, oder weil ich für das Konzept noch länger nachdenken und auch in Büchern etc. forschen möchte. Manche Songs entstehen binnen weniger Minuten und erfahren auch nur wenige Änderungen. Es gibt Lieder, die habe ich im Feld geschrieben, während ich mit meiner Hündin getobt hatte. Die Bewegung, das Erlebnis, die zündende Idee, die sich während weniger Minuten zu Form und Vollendung entwickelte – solche verrückte Songs kommen mir. Das ist dann ein aufregendes Gefühl, und recht wenig Arbeit. Diese steckt man dann zum Beispiel in das Arrangement, das dort etwas richtig Schönes passieren darf. Das Liedbeispiel vom Feld heisst »Funky Monkey«. Ich habe diesen Funk-Song meinem Hund gewidmet. Man kann dazu hervorragend tanzen! Ein zweiter Song, auf den ich sehr stolz bin ist »It’s Not Impossible«, wie auch »Funky Monkey« kommt dieser auf mein neues Album, dessen Release in ein paar Monaten sein wird. Den Song über die Freundschaft, dessen Titel übersetzt „Es ist nicht unmöglich“ heißt, habe ich so leise ich es vermochte, auf dem Nachtzug von Prag nach Dresden geschrieben. Ich hatte ein spannendes Wochenende hinter mir, mit Musik und vielen Konzerteindrücken, die ich unbedingt zu Papier bringen wollte. Die Ideen stauten sich bereits in meinem Kopf an, aber erst als ich im Zug war und eine ruhige Minute hatte, konnte ich sie aufschreiben. Das war damit verbunden, das in dem Song eine sehr persönliche Geschichte steckt, die mich extrem traurig gemacht hat. Immer wenn ich selbst so ergriffen bin, brauche ich länger, bis ich für den Song offen bin. Aber auch in diesem Fall schrieb ich das Lied sehr schnell auf, notierte sogar kurz vor dem Aussteigen noch den letzten Satz und staunte nicht schlecht, dass der Song recht gut klang, als ich ihn dann im Studio performte. Auch dort hatten wir das Lied nur an eine andere Produktion angehangen. Und ich wusste, dass weniger als dreißig Minuten Zeit war, um die Produktion zu beenden. Entsprechend schnell ging in diesem Fall auch das Produzieren.
Manche Lieder, die ich für Wettbewerbe schreibe, entwickeln sich aber über Monate. Weil ich eben auch Feinheiten einwebe. Für mein Projekt neue Strukturen wähle, die die Juroren bisher auch immer gehört und gelobt hatten. Auch die Songs für die Gesangsprüfung meines Musikstudiums, die ich letztes Jahr mit Bestnote und Lob absolviert habe, sind über viele Jahre entstanden. Man feilt hier und da noch einmal, weil man eben auch möchte, dass die Komposition eine sehr große Tiefe erhält. Dennoch ist es nicht mein Anspruch, alle Songs so auszubauen. Mir ist es lieber, wenn der Song sich selbst definiert, und dies passiert am ehesten, indem ich ihn über die Jahre oft aufführe und immer mal wieder für meine eigenen kritischen Ohren spiele. Dann kommen mir die besten Ideen, was dem Lied noch schmeicheln würde. Und so entwickelt sich ein Song, von der Idee bis hin zum fertigen Arrangement.

Ralph Müller-Wagner: Gratulation. Und wie wird ein Album geboren? Wie lange dauert der Prozess von der Idee bis zur Fertigstellung und Release?

Marion Fiedler: Wie beim Entstehen von Liedern, sicherlich auch beim Bücherschreiben, ist der Prozess jedes Mal anders. Mein aktuelles Album »Rolling On«, ist über sieben Jahre entstanden, weil es den Abschluss meines Musikstudiums darstellt und ich recht perfektionistisch an das Album rangeganen war. Ich hatte ursprünglich mehr als tausend Lieder geschrieben, von denen ich gewählt hatte. Das waren hauptsächlich die Songs von den letzten Jahren, aber auch ein paar ausgebaute Kompositionsideen von meinen ersten Stücken überhaupt. Allein die Wahl der Songs war unheimlich aufreibend, weil jeder eine Geschichte erzählt, und mir jeder einzelne auf seine eigene Art und Weise wichtig war. Mein Team hat mich bei der Wahl der Songs unterstützt. Die Produktion verlief auch über die sieben Jahre. Johannes Gerstengarbe von den Ballroom Studios hat mir viele Termine ermöglicht. Ich habe dann die Band eingeladen, das Notenmaterial verteilt. Viele Songs hatten wir bereits mehrere Jahre gespielt. Eine Aufnahme im Studio war für mich schon immer der Anlass, das Arrangement auf den Punkt zu bringen. Dabei haben mir die Band und Johannes auch immer geholfen. Eine Idee zu einem Album könnte auch heißen, dass man nur ein Thema gestaltet. Das ist bei mir nicht so. Es sei denn, man akzeptiert meinen Entwicklungsprozess der vergangenen sieben Jahre als Aufhänger. Mein Album ist eine Zusammenstellung der schönsten Stücke, die ich während des Studiums geschrieben habe. Worauf ich übrigens sehr stolz bin. Ich habe mich selbst erfolgreich um die Finanzierung gekümmert. Kein Label und kein Vertrieb haben mir da geholfen. Von den Produktions- und Masteringkosten bis hin zu den Musikergagen, Layout und Musikvideos, habe ich alles selbst über Kampagnen und kluges Wirtschaften mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert. Bei meinem ersten Album »My American Songbook« war das genauso. Jetzt hoffe ich, dass sich »Rolling On« erfolgreich entwickeln und dass es sich auch gut verkaufen wird. Ich bin auf die Songs super stolz. Gespannt, wie es meine Zuhörer annehmen werden.

Ralph Müller-Wagner: Kannst du dich noch an deine erste Komposition erinnern? War es ein Liebeslied?

Marion Fiedler: Lustigerweise, jein. Ich habe als Kind viel Sport betrieben. Ein paar Jahre lang war ich auch Reiten. Da gab es einen Schimmel namens »Fine«. Sie war immer dreckig, auch wenn ihr Fell eigentlich recht weiß war. So ist der »Dreckschimmelblues« entstanden. Ich denke, das war mein erstes Lied. Kurz darauf folgte auch mein zweites »Brown Eyes«. Und ja. Dies war ein Liebeslied und hatte bereits eine Mollsubdominante im Pre-Chorus. Das Lied ist so verträumt und steckt jeden aufmerksam zuhörenden Konzertgänger an, dass ich es auch heute noch manchmal aufführe.

Ralph Müller-Wagner: Deine Balladen sind sehr anspruchsvoll und haben eine permanente Dynamik, die sich bis zum Crescendo steigern. Schreibst du Balladen lieber? Was sollte deiner Meinung nach eine Ballade transportieren und wie schreibt man eine gute? Newcomer interessiert das bestimmt sehr, lacht.

Marion Fiedler: Balladen sind eine ganz eigene Disziplin. Du sprichst von der Steigerung – das hat mit der Komposition und dem Arrangement zu tun, welche man für jeden Song mit Liebe zum Detail schreiben sollte. Für Balladen muss man geboren sein. Manche Musiker komponieren aus den natürlichen Impulsen der eigenen Musikalität Uptempo-Nummern, und manchen sind eher die Balladen zu Eigen. Ich schließe mich der letzteren Gruppe an. Auch wenn ich gern und leidenschaftlich lockere Nummern schreibe, die animieren und zum Tanzen inspirieren wollen, eben einfach fluffig simpel sein dürfen. Mir fällt es leichter Balladen zu schreiben, da ich als Sängerin in meinen Stücken gern Platz haben möchte und es als Schreibende anstrebe, bewegende Inhalte zu verarbeiten.

Für Anfänger ist es ratsam, dass man alle Arten von Balladen auch schon mal gesungen und gespielt hat. Einfach, dass man in die Spielweisen reinkommt. Ella Fitzgerald hat mal gesagt, dass es sehr schwer ist, eine Ballade zu singen. Man muss den gesamten Song in seiner kompakten Form fühlen, man muss zur Nachricht werden, die gesungen wird. Man muss die Emotion auf der Bühne leben, die dem Song das Fundament gibt, und das Timing und Phrasing ist auch noch mal ein ganz wichtiger Aspekt, den man eigentlich täglich üben sollte. Diese Hinweise an Newcomer sollen aber motivieren. Einfach mit geschlossenen Augen der Lieblingsballade lauschen, und dann eine eigene Version daraus machen. Das hilft, um auf den Weg zu kommen.

Du hast auch gefragt, was eine gute Ballade ausmacht. Dort gibt es verschiedene Ansätze. Für viele Zuhörer und Musiker gilt eine einzige Daumenregel, die durch keine Theorie oder Technik ersetzt werden kann: wenn der Song berührt, ist er ein guter.

Ralph Müller-Wagner: Hört man Marion Fiedler auch mal wieder in ihrer Muttersprache? Wie stehst du zu deutschen Texten?

Marion Fiedler: Ich bin für alles offen. Auf meinem ersten Album »My American Songbook«, obwohl es als amerikanisches Songbook definiert war, habe ich französische und deutsche Lieder integriert. Mir fiel erst nach ein paar Jahren auf, dass dies ein interessanter und nicht zu erwartender Umstand war. Aber die Zuhörer haben es angenommen. Das Album hat sich über 10 000 Mal verkauft. Ich mache mir da natürlich keine Vorwürfe. Manchmal denke ich mir »Glück gehabt«, aber letzten Endes glaube ich auch daran, dass wenn man als Künstler etwas bestimmtes lebt, dass man dann das Publikum auch automatisch mit in die eigene Welt hineinzieht. Damals waren diese Sprachen eben für mich musikalisch wichtig.

Im Moment lebe ich ein eher auf reines Englisch ausgerichtetes Leben, da ich außer mit Freunden und meiner Dresdner Familie auch kaum noch Deutsch spreche. Ich habe aber Lust, irgendwann wieder in Deutsch zu schreiben. Im Moment ist mir der Impuls aber noch nicht gekommen. Ich habe überlegt, dass er mich vielleicht in den kommenden Monaten überraschen wird, wenn ich wieder nach Nashville zurückkehre. In den ersten Monaten in Nashville schreibe ich meist und oft als Gruß an meine Freunde in Deutschland, ein deutsches Lied. Aber wie bei allen anderen Songs lasse ich das passieren, ohne es fest zu planen. Ich glaube daran, dass Lieder dann gut werden, wenn man sie einfach kommen lässt. Ihr dürft gern meine sozialen Medien verfolgen. Mein nächstes deutsches Lied wird auch dort auftauchen!

Ralph Müller-Wagner: Wie sehr berührt dich das Schicksal von Chester Bennington, dem Sänger von Linkin Park? Man redet doch in einer Band miteinander über seine Probleme, wenn man sich seit vielen Jahren kennt.

Marion Fiedler: Das kann ich nicht pauschal bestätigen. Ich habe mit Musikern gearbeitet, die für mich wie Bruder und Schwester geworden sind. Je nach Art und Weise, wie der Musiker in das Projekt dazugekommen ist, beobachte ich aber, dass die Fragen nach Freundschaft und Vertrauen wie in einer Menschengruppe, die sich vielleicht über ein nicht musikalisches Projekt so unterschiedlich zusammensetzt, wie der individuelle Mensch eben auch anders ist. Was ich von vielen Bands höre, die etliche Jahre unterwegs gewesen sind, ist, dass manche Musiker nach vielen Jahren aufreibenden Bandalltags und anstrengenden Tourneen auch nur noch miteinander arbeiten, weil sie es müssen. Zum Glück ist das bei mir im Moment nicht der Fall. Ich habe einen steten Wechsel in der Besetzung meiner Band, aus verschiedenen Gründen. Das hat teilweise seinen Ursprung in meinen Songs. Wenn ich für neue Instrumente schreibe, bitte ich dann eben in einem bestimmten Jahr einen Posaunisten in meine Band. Oder wenn ich von reiner Gitarrenbegleitung eben mal wieder ein Klavier mit dabei haben möchte. Manchmal fällt aber auch durch Umzug, persönliche oder berufliche Umorientierung ein Bandmitglied aus. Das ist in Bands halt so, wie auch im normalen Leben. Was allerdings nicht normal ist – der Druck, den Bands wie Linkin Park über die Jahre erlebt haben. Was man bei Chester Bennington gesehen und gehört hat ist, dass er getrauert hat und diese Gefühle letztenendes auch seine Performance übermannt haben. Ich denke, dass gerade Musiker, die auf der Bühne Emotionen teilen, in ihren Performances sehr offen und immer von der Quelle der eigenen Gefühle zehren müssen. Ich denke, dass die Musik persönliche Gedanken verstärkt. Ich selbst bin traurig, dass Chester Bennington in seiner Trauer so versunken war, dass er sich das Leben genommen hat. Ich erinnere mich an seine Musik. Als ich noch Schulkind war, haben wir im Freundeskreis sehr oft Linkin Park Songs gehört. Es erfüllt mich mit Trauer, dass er von gesundheitlichen Problemen und der Trauer so übermannt worden ist, dass er keinen Weg aus den Sorgen gefunden hat. Ich spreche seiner Familie und seinem Team mein herzliches Beileid aus.

Ralph Müller-Wagner: Was sind deine nächsten künstlerischen Pläne? Wann kommt das neue Album?

Marion Fiedler: Wir bereiten gerade die Release-Kampagne von »Rolling On« vor. Mit dem neuen Album werde ich ganz neue Musik präsentieren, die ich eben größtenteils bis heute geheim gehalten habe. Was mir übrigens sehr schwer fällt, da ich es immer nicht aushalten kann, die Songs meinen Zuhörern nicht zeitnah zum Entstehen zu präsentieren. Das Beste an Stücken habe ich aber über die vergangenen Jahre beiseite gelegt, und ich freu mich am meisten auf die Reaktion meiner Zuhörer, online wie auf Tournee! Wenn ihr über das Album und meine Musik informiert werden möchtet, tragt euch einfach in meinen Newsletter ein. Das geht über meine MARION FIEDLER Facebookseite, beziehungsweise meine Website auf www.marionfiedler.com – beim Eintragen in meinen Newsletter erhaltet ihr übrigens einen unveröffentlichten Song, der erst mit dem neuen Album veröffentlicht wird.

Ralph Müller-Wagner: Wann und wohin gehst du wieder auf Tour? Kann man dich auch in Deutschland sehen? Deine letzten Auftritte waren ja in Belgien und an der Ostsee.

Marion Fiedler: Ja, die Tour deutet sich für die USA, Deutschland und weitere europäische Länder an. Ich werde wiederholt nach London eingeladen und die Rufe sind inzwischen so intensiv, dass ich wahrscheinlich recht bald auch in den UK spielen werde. Ansonsten komme ich überall hin, wo man mich ruft. Indem sich Interessierte in meinen Newsletter (der direkte Link ist: www.marionfiedler.com/de/anmelden ) eintragen, habe ich sie mit ihrer PLZ auf dem Schirm. Ansonsten freu ich mich immer, wenn mir Musikliebhaber wie Veranstalter eine Email schreiben. Ich und mein Assistent versuchen alle Anfragen in den Tourplan zu integrieren. Die Tourneedaten sind im Moment noch nicht veröffentlicht, aber ich darf stolz teilen, dass ich im kommenden Jahr auf zwei Kontinenten, vielen Festivalbühnen, in ein paar Theatern und Clubs, sowie auch in einer überraschend hohen Anzahl an Wohnzimmern Konzerte geben darf. Ich spiele gern im gemütlichen Umfeld, und genauso liebe ich große Bühnen. Wenn ihr also einen Club oder ein Festival kennt, beziehungsweise mich zu eurem privaten Event einladen wollt, schreibt mir bitte einfach an marionfiedlerjazz@gmail.com eine Email!

Ralph Müller-Wagner: Hast du manchmal noch Lampenfieber?

Marion Fiedler: Nein, das würde ich so nicht sagen. Als ich in Tennessee Musik studiert hatte, traten bei mir und meinen Kommilitonen gleich zu Anfang des ersten Semesters die üblichen Sängerprobleme auf – Textunsicherheiten, oder das Gefühl, die Musik nicht überzeugend darbieten zu können. Unsere Lehrerin Kathryn Paradise hat uns aber schnell den Kopf gewaschen. Sie machte uns in wenigen, fast wütenden Worten klar, dass wir als Sänger auf Bühnen stehen dürfen, dass uns etwas bis hierher gebracht hat und dass wir mit unserer Performance auch in einenen Namen und sogar in ein Business investieren. Sie meinte, das unser Verhalten, dass wenn wir weiterhin so unvorbereitet in die Performance-Stunde kommen würden, nicht nur für unser Semester eine Konsequenz haben würde. Dies hat mich tief beeindruckt und ich habe mein Üben und Training darauf ausgerichtet. Je vorbereiteter man ist, desto weniger muss man überhaupt an Lampenfieber denken. Es kommt dann gar nicht auf, wenn man sich entspannt zurücklehnen kann vor der Show und eben nicht verzweifelt durch die Liedtexte oder Bandarrangements blättern muss. Die Aufregung, wenn man vor bekannten Leuten spielt, oder auf einer Bühne, die einem soviel bedeutet, dass man sich selbst Stress macht, ist da aber noch einmal ganz etwas anderes. Ich habe bereits vor der Bundeskanzlerin Angela Merkel performt und auf riesigen Bühnen, wo es eben drauf ankam, dass ich mit meinem ersten übrigens a capella dargebrachten Lied allein eine Stimmung aufkommen lasse, in eine Stille hineinsinge, die auch in meinen Knochen zu spüren war. Ich habe an der Stelle aber durch Atmung die Blockade des Moments gebrochen, bin einfach losgelaufen, habe mich auf mich selbst verlassen und hab losgesungen. Ich denke, dass auch diese Art von überwältigender Emotion Lampenfieber ist. Die körperlichen Aufregungen bekommt man dann eben durch Atmen und das Lockern des Körpers geregelt. Alles andere steht oder fällt mit guter Vorbereitung.

Ralph Müller-Wagner: Deine Community auf facebook wird immer größer. Was bedeutet dir Erfolg?

Marion Fiedler: Es ist interessant, dass du diese beiden Fragen in einem Atemzug stellst. Ich fang mal mit der Facebook-Community an. Seit ein paar Jahren teile ich meine Musik über die sozialen Medien und bin damit sehr glücklich. Dort, wo ich online eine Bühne finden kann, nutze ich sie, um meine Zuhörer, die inzwischen aus aller Welt zu meinem Projekt gefunden haben, Grüße und Songs zukommen zu lassen. Ich freu mich über diese Entwicklung, bin aber auch in der Regel täglich auf den Online-Plattformen Facebook, Twitter, Instragram, Youtube und wie sie nicht alle heißen unterwegs. Mir ist es wichtig, auf Kommentare zu antworten, ein Gespräch mit meinen Zuhörern zu beginnen. Inzwischen sind es mehrere tausend, auf Twitter steuern wir gerade auf die 60 000 Followers zu. Das empfinde ich als großes Glück, als Erfolg, da meine Songs dadurch auch auf Reise gehen und als Verantwortung weiterhin gutes Material an Songs und Videos zu produzieren. Erfolg an sich ist aber noch einmal etwas anderes. Da weiss ich auch noch nicht richtig, wie ich dies vor anderen definieren soll. Für mich war ein Tag erfolgreich, wenn ich die notwendigen Vorbereitungen für eine Idee, die ich teilen möchte, getätigt habe. Momente der Freude erlebe ich, wenn das Projekt dann online ist, zum Beispiel ein Musikvideo. Dort hinein kann ich Stunden an Arbeit und finanzielle Ressourcen investiert haben. Nur wenn die Zuhörer es spannend finden, spüre ich dann den Erfolg in mir. Ganz etwas anderes ist es mit der Zufriedenheit. Selbst wenn ein Video nicht die üblichen Kommentare, bestimmte Zahlen an Likes oder Shares erreicht, bin ich auf meine Weise glücklich, denn ich teile nur Songs oder Dinge, die mir am Herzen liegen. Allein ein neues Lied fertig zu haben, ist für mich etwas, wofür man auch mal die Freunde zusammentrommeln kann, um an einem Lagerfeuer einen kleinen, feierlich ausgerichteten Abend zu verbringen. Normalerweise arbeite ich täglich ohne viele Pausen, und genieße dann die Freizeit, wenn ich auf etwas stolz sein kann. Mit dem hoffentlich erfolgreichen Album, wird der Release sicherlich mit einem sehr großen Lagerfeuer einhergehen!

Kurzinterview Ela Rox

Ela Roxx - Nervous Breakdown

Ralph Müller-Wagner: Hi Ela. Dein neues Album »Nervous Breakdown«, das ihr bereits supported habt, ist lebendig, kraftvoll und melodisch. 11 Kracher + Bonus Tracks mit Wiedererkennungswert sind entstanden. Was transportiert denn die künstlerische Botschaft des Albums?

Ela Roxx: Ich wollte ein Album erschaffen, das vor Energie sprüht, lebhaft ist und auch Lebensfreude beim Hören vermittelt. Den Spirit, den ich lebe und fühle, weitergeben. Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen!

Ralph Müller-Wagner: Wo sind die Songs entstanden und wie lange habt ihr für das Album gebraucht?

Ela Roxx: Die Ideen habe ich bei mir Zuhause entwickelt, die Themen und worum es in den Songs gehen soll. Die Demo's wurden dann bei meinem Kollegen Dave Esser aufgenommen und die endgültigen recordings fanden im Soundlodge Studio, in Rhauderfehn statt. Gemischt und gemastert wurde Nervous Breakdown von keinem geringeren als Sascha Päeth. Alles in allem, etwa ein gutes Jahr!

Ralph Müller-Wagner: Welchen Titel siehst du als Favorit?

Ela Roxx: Ich mag alle meine Songs ;-) Würdest du mich fragen welchen ich besonders mag, dann "Zombie Invasion".

Ralph Müller-Wagner: Von was handelt der Song?

Ela Roxx: Es geht um eine Person, die nach einem langen anstrengenden Tag nach Hause kommt, sich auf die Couch schmeißt und im TV zappt…er sieht Tod, Zerstörung und Kriege. Das ganze, was eben so in der Welt passiert, dann schläft er ein und als er wieder zu sich kommt, ist eine Apokalypse in vollem Gange!
Verzweifelt durch die unerwartete Situation beginnt oder versucht er sich an einen sicheren Ort durch zu schlagen...

Ralph Müller-Wagner: Wer hat denn die Songs mit eingespielt?

Ela Rox: Das war
• Jan Christian Halfbrodt an den Keyboards
• Markus Brinkmann am Bass
• Dethy Borchardt Gitarre
• Jörg Uken an den Drums

Wobei das Live Line Up ein anderes ist...

Ralph Müller-Wagner: Kannst du uns die Komponisten nennen? Wie viel Songs sind von dir?

Ela Roxx: Alle neuen Songs sind von mir. Mitgeschrieben haben Dave Esser und Dethy Borchardt.

Ralph Müller-Wagner: Wer hat das tolle Album-Cover gestaltet?

Ela Roxx: Die Idee ist von mir. Ich wollte kein Foto sondern genau diese Szene…Umgesetzt hat es dann Anja Gohs.

Ralph Müller-Wagner: Wo kann man das Album überall erwerben? Kannst du den Fans und interessierten Rockfans da weiter helfen?

Ela Roxx Ja klar! Auf Amazon, im öffentlichen Handel ebenso wie auf allen relevanten Download Portalen! Also eigentlich überall.

Ralph Müller-Wagner: Wo und wann findest du Zeit zum Komponieren und Texten?

Ela Roxxx: Wenn ich eine Idee zu einem Song habe, nehme ich mir die Zeit! Ich spreche dann, um die Idee nicht zu verlieren, wenn nötig eine kleine Sprachnotiz auf und später bringe ich sie dann zu Papier. Das geschieht aber meistens abends.

Ralph Müller-Wagner: Mit welchen Musikern bist du momentan unterwegs?

Ela Roxx:
Das aktuelle Line Up sind:
• Manuel Stahl an den Drums
• Chris Kolb am Bass
• Axel Mackenrott an den Keyboards
• und Steve Grant an der Gitarre

Ralph Müller-Wagner: Du warst mit dem Album schon vor kurzem mit Bonfire on Tour. Was ist das für ein Gefühl, mit Rockdinos aufzutreten, die Musikgeschichte geschrieben haben?

Ela Roxx: War auf jeden Fall ne coole Tour! Die Jungs sind alle supernett und lässig drauf!
Ich kann mich echt nicht beklagen :-)
Angenehm und so wie es sein soll! Es sind auf jeden Fall neue Bekanntschaften entstanden.

Ralph Müller-Wagner: Was hast du in 2015 noch künstlerisch vor, Ela? Es gibt doch sicher Projekte? Bist du auch im TV zu hören und sehen?

Ela Roxx: Es wird noch einige Live Shows geben, denn auf der Bühne fühle ich mich am wohlsten und mit Sicherheit noch ein neues Album… Das ein oder andere Projekt ist auch in Planung ;-)
TV steht zumindest im Moment noch nix an, aber in der Musik ergeben sich die Dinge manchmal rasant!

Ralph Müller-Wagner: Wie schaut der Tourplan demnächst aus? Größere Gigs?

Ela Roxx: Der Tourplan wird andauernd erneuert!
Wer Infos dazu lesen will kann unter www.ela-rockt.de immer die neuesten einsehen...

Ralph Müller-Wagner: Danke für die News, Ela. Die interessierten Leser dieser Seite wird das erfreuen. Wie findest du eigentlich die Synthese zwischen Literatur und Musik? Sollten die verschiedenen Genre nicht näher zusammen rücken?

Ela Roxx: Klar! Warum nicht? Das klingt auf jeden Fall sehr interessant….2 Kunstzweige….Da ist doch alles möglich!

Ralph Müller-Wagner: Ganz viel Erfolg, Ela. Für das Album und alle deine Projekte. Rock’n Roll will never die :)

Ela Roxx: Ich habe zu danken Ralph! Hättest du das Statement nicht geschrieben, wäre der nun von mir :-)

Ralph Müller-Wagner: Oh, danke.

Interview Change Blindness

Ralph Müller-Wagner: Hallo Jungs, mit Change Blindness habt ihr euch einen interessanten Bandnamen ausgewählt. Was bedeutet er?

Change Blindness: Hallo Ralph! Change Blindness bedeutet Veränderungsblindheit.
Beispiel: Würde jemand bemerken z.B. wenn man ein Zugticket kauft, die Person am Schalter erst ein rotes, anschließend ein blaues Hemd trägt, nachdem man das Wechselgeld wegsteckt hat? Wohl kaum. Eine bedeutende Veränderung in der visuellen Wahrnehmung wird von unserem Gehirn falsch, bzw. nicht interpretiert. Das Gehirn ist zu sehr auf den Kauf des Tickets fixiert, und „bemerkt“ eine gravierende Veränderung nicht. Hierzu gibt es im Internet zahllose Links zu Videos und Lektürenausschnitten.

Ralph Müller-Wagner: Welche Art von Musik macht ihr? Seid ihr eine Hardrock-Band der klassischen Schule oder eine Metalband?

Change Blindness: Unsere Musikrichtung bezeichnen Wir selbst als NWOMCM.
New Wave Of Modern Chiemgau Metal. Eine musikalische weit gefächerte Palette aus allen Metalsparten sind bei uns vertreten. Angefangen von Black Sabbath Passagen, bis bösartige Slayer oder Machine Head Gitarrenriffs sind unser Genre. Eben alles aus allen Metal Bereichen.
Das macht unsere Musik so abwechslungsreich und interessant, da eben für jeden etwas dabei ist.
Egal welcher Metalrichtung jemand angehört.

Ralph Müller-Wagner: Wann habt ihr euch gegründet und wie kam es dazu?

Change Blindness: Angefangen haben Dany, und Markus Anfang Februar 2014, unmittelbar danach traf Milo ebenfalls im Februar zur Band und zu guter letzt trat Chris der Band Anfang April bei. Auf die längste Bühnenerfahrung können wohl Dany und Chris zurückblicken. Diese spielten bereits 1989 in einer Band zusammen. Danach trennten sich die musikalischen Wege, um uns durch einen Zufall wieder zusammenzuführen. Markus und Milo haben ebenfalls schon Bühnenerfahrung durch ehemalige Bands sammeln können.

Ralph Müller-Wagner: Könnt ihr euch meinem interessierten Webpublikum kurz vorstellen? Wer bedient denn welches Instrument?

Change Blindness

Change Blindness:
• Dany der Mann an der Schießbude (Schlagzeug)
• Markus und Milo an der Gitarre
• Chris am Gesang

Ralph Müller-Wagner: Was ist euer musikalischer Anspruch? Wie definieren sich Change Blindness?

Change Blindness: Wie oben schon beschrieben, unsere musikalische Ausrichtung ist sehr weitreichend. Egal ob der Hörer nun z.B. Accept, Bullet For My Valentine, Slayer oder In Flames hört, ist mit Sicherheit bei unserer Musikrichtung bestens aufgehoben. Dies sind nur einige Facetten unserer musikalischen Ausrichtung.

Ralph Müller-Wagner: Ihr schreibt also selber Songs? Covert ihr auch und wenn ja, am liebsten?

Change Blindness: Unsere Songs sind alle selbst geschrieben, und es sind zurzeit keine Coversongs geplant.

Ralph Müller-Wagner: Momentan findet man euch bei vielen Musikwettbewerben. Zuletzt beim Metalchamp in Wörgl/Tirol. Wie habt ihr da abgeschnitten?

Change Blindness: Wir stehen nun im Halbfinale des Metalchamp in Tirol, da wir uns im Viertel- und im Achtelfinale schon bewiesen haben.

Ralph Müller-Wagner. Gegen wen habt ihr da gespielt? Alles nur österreichische Bands?

Change Blindness: Es waren hauptsächlich österreichische Bands, mit wenigen Ausnahmen aus Bayern.

Ralph Müller-Wagner: Ihr seid viel in Österreich unterwegs. Wie kraftvoll und dynamisch ist dort der Metal? Würdet ihr sagen, die österreichische Metalszene ist besser als in Deutschland? Wie seht ihr das?

Change Blindness: Unserer Meinung nach ist in Tirol die Metal Szene besser vertreten als in unserer Region. In Tirol werden z.B. Metal Contest veranstaltet. Bei uns gibt es hier auch nur eher wenig Auftrittsmöglichkeiten wie Open Air, Contest, Festivals o.ä. Hierzulande besteht meistens nur die Möglichkeit, auf kleinen Bühnen aufzutreten. Scheinbar ist die Metalszene bei uns nicht sehr populär, da sonst ja mehr Auftrittsmöglichkeiten wie Festivals o.ä. geboten wären.
Bei größerem Interesse in der Metalszene könnte sich hier evtl. etwas ändern. Aber daran glauben wir nicht und somit müssen wir unsere Auftrittsmöglichkeiten eben außerhalb unserer Region suchen.

Ralph Müller-Wagner: Habt ihr schon eine CD gemacht? Was sind eure Ziele und Pläne?

Change Blindness: Unsere erste CD ist bereits aufgenommen und gemastert. Einige Feinheiten werden noch gefeilt, dann kann die Scheibe gedruckt werden. Unser Ziel ist natürlich wie bei anderen Bands, populär zu werden, und eine große Fangemeinde zu schaffen. Ebenso Kontakte zu anderen Bands knüpfen, um zukünftige Auftrittsmöglichkeiten zu planen.
Am 11. Juni werden wir mit noch einer regionalen Band auf dem AAARG Festival zu sehen sein.
Hierzu spielen wir den Opener zum AAARG Festival. Geplant wird u.a. noch ein Youtube Kanal in der nächsten Zeit.

Ralph Müller-Wagner: Auch an euch die Frage: Immerhin habt ihr es auf eine Literaturseite geschafft. Wie findet ihr die Verschmelzung der Kunst? Literatur, Schauspiel, Musik?

Change Blindness: Wenn Musik Emotionen erzeugt, hat die Band das geschafft, was Musik schaffen sollte. Emotionen. Man stelle sich nur einen Horrorfilm ohne musikalischer Untermalung vor.

Ralph Müller-Wagner: Danke für das interessante Interview, Jungs. Viel Kraft, Dynamik, Power und Glück für die Zukunft. Rock'n Roll will never die.

Change Blindness : Dankeschön für das Interesse und die Aufmerksamkeit.
Wünschen Dir auch viel Glück und Erfolg!

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www.soundcloud.com/changeblindnessmetal

Interview Maria Földy

Ralph Müller-Wagner: Liebe Maria, jetzt hat es endlich mit unserem Interview geklappt. Sag mal, wie bist du zur Malerei gekommen?

Maria Földy: Ich hatte schon als Kind sehr gerne gemalt und die ersten Versuche startete ich im Kochbuch meiner Mutter. Mit 15 Jahren gewann ich einen Jugend-Malwettbewerb und von da an wusste ich, dass Kunst und die Malerei eine weitere große Rolle in meinem Leben haben werden.

Ralph Müller-Wagner: Hast du Kunstschulen oder so besucht und wo?

Maria Földy: Ich hatte verschiedene Seminare an der Kunstakademie in Bad-Reichenhall besucht, sowie an verschiedenen Malreisen teilgenommen mit renommierten Dozenten der Kunstszene.

Ralph Müller-Wagner: Was hat dich künstlerisch beeinflusst? Wer sind deine Vorbilder?

Maria Földy : Meine Vorbilder sind die Impressionisten allgemein und ich mag Realismus, weil er das Leben wiederspiegelt.

Ralph Müller-Wagner: Kannst du dich noch an deine erste Staffelei erinnern? Wann war das?

Maria Földy: Nicht genau, aber wo ich intensiv mit der Malerei anfing…was ca. 1988 war.

Ralph Müller-Wagner: Was war dein erstes Bild, das du jemals gemalt hast? Welches Jahr war das?

Maria Földy: Mein erstes „ansehnliches“ Bild hatte ich 1964 gemalt…was dann an einem Wettbewerb teilnahm (meine damalige Künstlerin sendete dies ein... ohne mein Wissen).

Ralph Müller-Wagner: Welche Techniken bevorzugst du?

Maria Földy: Ich male hauptsächlich Aquarelle.


Ralph Müller-Wagner: Wo nimmst du deine Ideen oder Motive her?

Maria Földy: Die umgeben mich einfach…Es sind manchmal ganz einfache Gegenstände aus Küche, Garten, Natur, Umgebung und in letzter Zeit male ich auch sehr gerne Menschen oder Tiere.

Ralph Müller-Wagner: Wie entsteht ein Bild, welche Entwicklung nimmt es, von der Idee bis zum letzten Pinselstrich?

Maria Földy: Wenn eine Idee erst mal geboren ist, dauert es nicht all zu lange bis das fertige Bild präsentiert werden kann.

Ralph Müller-Wagner: Was sind deine Lieblingsmotive?

Maria Földy: Es sind immer noch Blumen und die Natur als solches.

Ralph Müller-Wagner: Wie siehst du dich als Malerin? Welches Genre liegt dir am Besten?

Maria Földy: Wie ich mich selber als Malerin sehe ist schwer zu beantworten… ich denke, dies können die Betrachter mehr beurteilen.

Ralph Müller-Wagner: Malst du lieber Aquarell, Pastell oder Öl?

Maria Földy: Aquarell.

Ralph Müller-Wagner: Was fasziniert dich an der Malerei?

Maria Földy: Momente des Lebens einzufangen, Emotionen durch Farben, Pinselstriche ausdrücken, erfüllt mich mit viel Freude und ich genieße einfach die Stille in und um mich herum in diesen Momenten.

Ralph Müller-Wagner: Was hast du noch für Künstlerische Ziele, an welchen Projekten arbeitest du zur Zeit?

Maria Földy: Ich denke, ein Künstler wünscht sich Anerkennung und möglichst viele Werke in fremden Wohnräumen, aber auch für sich selber eine Weiterentwicklung in künstlerischen Ebenen. Ein ganz bestimmtes Projekt habe ich zur Zeit nicht in Aussicht, evtl. eine baldige Ausstellung wiedermal zu planen. Nach über 40 Ausstellungen wieder diese ganz besondere Atmosphäre spüren zu können, die mich immer wieder mit viel Freude erfühlt.

Ralph Müller-Wagner: Kannst du den Lesern die Adresse deiner Homepage verraten?

Maria Földy: Gerne. http://maria60.jimdo.com/
Alle Bilder dort kann man natürlich auch käuflich erwerben :-)

Ralph Müller-Wagner: Danke für das Interview, liebe Maria. Alles Gute und noch viele Inspirationen.

Maria Földy: Ich danke Dir auch…

Interview Hille Perl

Ralph Müller-Wagner:  Hallo Hille. Ich freue mich sehr auf unser Interview. Sag mal, welche Kunst muss man beherrschen, wenn man wie du eine Gambistin ist?

Hille Perl: Also in erster Linie ist es natürlich ein Handwerk: wie jedes Instrument zu spielen, man muss emotional verstehen, wie aus diesem Körper Klänge zu ziehen sind, die man selber meint und die kommunikativ andre berühren. Und dann ist es natürlich gut, wenn man eine Vorstellung hat, in welchem Kontext man auf diese Weise mit der Welt reden möchte, bzw. in welchen Kontexten die Musik entstanden ist, mit der man sich grade befasst, ob sie nun vierhundert Jahre alt ist oder nur fünf oder gänzlich aus dem Moment gegriffen. Kunst entsteht dann im optimalen Falle, wenn Inspiration dazu kommt und viele Faktoren gleichzeitig funktionieren: dann entstehen kleine Epiphanien, oder wie man das nennen soll, das eben, wieso wir so süchtig danach sind, auf diese Weise miteinander oder füreinander zu spielen.

Ralph Müller-Wagner: Welchen Platz hat die Gambe in der Musikgeschichte? Seit wann spielt man das Instrument und welchen Stellenwert besitzt es heute?

Hille Perl: Die Ursprünge sind wohl im arabischen Raum zu suchen, vielleicht auch in China: dort spielt man ja bis heute gambenähnliche Saiteninstrumente, also zwischen den Knien gehaltene Geräte, die mit einem Bogen (den man im Untergriff hält) gestrichen werden. Oft auch mit Bünden oder Kerben, die die Tonproduktion in Höhe und Klang beeinflussen.  Die Mauren brachten wohl so was mit nach Spanien, und von dort aus machten Gambeninstrumente die man Vihuela d’Arco nannte (im Unterschied zu den Lauteninstrumenten, die ohne Bogen, also ‚da mano‘ gespielt wurden) ihre Reise durch ganz Europa. Gambenfamilien, also Diskant- bis Bassinstrumente gab es in der Renaissance in England, Spanien, Italien, im mitteleuropäischen Raum, es gab Unmengen von so genannter Consortmusik. Die Gambe war and den Höfen sehr beliebt, aber auch das Bürgertum befand das Gambenspiel gehöre zum zivilisierten Leben einfach dazu. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich, neben einer großen Bedeutung der Gambe als wichtigstes Streichinstrument, lange Zeit auch der Violine ebenbürtig, auch ein enormes Solorepertoire: zunächst oft unbegleitet, dann aber auch zunehmend mit Basso  continuo und später konzertierend oder als obligater Partner für Tasteninstrumente, wie z.B. in den Gambensonaten Johann Sebastian Bachs.

Ich persönlich glaube, dass die Gambe im 21. Jahrhundert den Höhepunkt ihres Potentials noch nicht erreicht hat: die ungeheure Versatilität des Instrumentes, der Reichtum der Literatur und die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten: als  Solo-, Ensemble- oder Begleitinstrument, die Fähigkeit vom Kontrabass-  bis zum Diskantregister spielen zu können, und nicht zuletzt die gesunde Körperhaltung und die Tatsache, dass Gamben von Natur aus in alles Größen vorkommen, all das wird ihr zu weiterer, größerer Beliebtheit verhelfen.

Ralph Müller-Wagner: Kann man sagen, die Gambe ist ein Dino der klassischen Musikinstrumente?

Hille Perl: Nein, ich würde sagen, die Krönung der Evolution, die Befreiung von den Verklemmtheiten des 19. Jahrhunderts, ein kultureller und gesellschaftlicher Klebstoff, der uns mit unserer Geschichte und Zukunft gleichermaßen verbinden kann.

Ralph Müller-Wagner: Ist die Gambe eine Domäne der Frauen oder der Männer?

Hille Perl: von Beginn an gab es immer sowohl Männer als auch Frauen, die dem Instrument verfallen waren, es virtuos oder erfinderisch zu bedienen wussten. Ich glaube, dass die Gambe ein sehr emotionales Instrument ist, aber wer sagt, dass Männer nicht auch zu Gefühlen befähigt sind. Wenn ich mich umsehe, dann hält sich  die Gender-Verteilung unter meinen Kollegen und Studierenden so ziemlich die Waage.

Ralph Müller-Wagner: Wer war die erste bekannte Musikern, die eine Gambe spielte?

Hille Perl: Schwer zu sagen, ich nehme an, dass es Barbara Strozzi war, geboren 1619, wir haben ein wunderbares Bild von ihr, wo sie trotzig, mit entblößten Brüsten eine Gambe in der Hand hält. Sie hat nicht ausdrücklich für die Gambe komponiert, aber ich bin ziemlich sicher, dass sie, so wie Monteverdi auch, eine gute Improvisateurin war, die über die Madrigale des vorvergangenen Jahrhunderts herrlich zu diminuieren wusste.

Ralph Müller-Wagner: Wie ist Hille Perl zu diesem Instrument gekommen und seit wann ist es Liebe zwischen Euch?

Hille Perl: Liebe war es von Anfang an. Mit fünf sah ich Wieland Kuijken spielen, und mir war klar, das will ich auch. Weil ich so klein war, musste ich natürlich zuerst mit der kleinen Diskantgambe anfangen, ich nehme an, dass ich deswegen rasant anfing zu wachsen und sehr schnell groß wurde: weil ich so dringend auch eine große Bassgambe spielen wollte. 

Ralph Müller-Wagner: Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen. Kannst du kurz ein paar Stationen aufzählen? Hast du eine musikalische Ausbildung?

Hille Perl: Mein Vater war Organist, Cembalist, später Musikwissenschaftler, noch später dann Cembalobauer und Mozartforscher. Als ich klein war, spielten schon alle meine Geschwister alle möglichen Instrumente, sangen, dauernd wurde Zuhause Musik gemacht. Es war also gar nicht die Frage, ob ich Musik machen wollte, das war ja klar. Die Frage war eben nur, was soll die kleine Hille spielen, und da hab ich dann mit der Gambe angefangen und nie wieder davon gelassen. Also: immer Instrumentalunterricht gehabt, daran wurde bei uns nie gespart! Mein wichtigster Lehrer in der Jugendzeit war Niklas Trüstedt, daneben Meisterkurse. Besuch des musischen Gymnasiums in Berlin (Erich Hoepner), dann Musikstudium, insgesamt 8 Jahre, zunächst in Hamburg am Konservatorium (bei Pere Ros) und an der Hochschule für Musik und Theater, später an der Akademie für Alte Musik in Bremen, bei Jaap ter Linden und Sarah Cunningham,  noch später an der Musikhochschule in Würzburg.

Ralph Müller-Wagner: Du bist viel in Europa mit Gastkonzerten unterwegs?

Hille Perl: Ja, in Europa, aber auch öfter Südamerika oder im asiatischen Raum. In den USA war ich schon länger nicht mehr, weil das mit der Arbeitserlaubnis so schwierig geworden ist, früher haben wir auch dort viel gespielt.

Ralph Müller-Wagner: Man sieht euch oft als Trio, aber manchmal spielst du auch Duett. An deiner Seite eine junge Frau und man denkt, das sind bestimmt Geschwister. Wer ist diese begabte Partnerin?

Hille Perl: Ja, es gibt verschiedene Formationen, am meisten spiele ich immer noch mit Lee Santana, wir haben unzählige Duoprogramme unterschiedlichster Art mit alter und neuer Musik, dann haben Lee und ich zusammen auch andere Formationen, also z.B. als Trio mit Steve Player, das heißt dann LOS OTROS, oder mit Petra Müllejans, das heißt THE AGE OF PASSIONS. Die junge Frau an meiner Seite ist meine Tochter Marthe, die erstaunlicher- oder logischerweise ebenfalls Gambistin geworden ist, und das mit Verve und Leidenschaft lebt. Zusammen haben wir auch ein Gambenconsort, das sind die SIRIUS VIOLS, quasi unsere Wahl- oder auch echten Verwandten, unsere Gambenschwestern. 

Ralph Müller-Wagner: Kannst du kurz deine männlichen Kollegen vorstellen?

Hille Perl: Mit Lee Santana spiele ich von Anfang an, seit 1984,  wir atmen quasi Musik zusammen, wir kommunizieren oft auf Ebenen, wo nicht mehr klar war, wer hatte den Gedanken zuerst. Dann gibt es Steve Player, den Tänzer, der so eine Art Bruder von uns ist. Uns alle verbindet auch dicke Freundschaft, die über normalen Beziehungsquark deutlich hinausgeht. Quasi durch dick und dünn, wie man so sagt. Das sind die beiden wichtigsten, dann kommt mein Schwiegersohn, ein genialer Lautenist, Johannes Gontarski, der sehr wichtig für uns alle ist, weil er immer neue Ideen und Ansätze ins Spiel bringt, was wir dann mit unserer Erfahrung höchst produktiv paaren können. Und dann kommen noch eine ganze Reihe anderer Männer, mit denen ich gerne zusammenarbeite oder auf Tour gehe, Julian Podger, Michael Behringer, Michael Metzler, Murat Coskun, Torsten Johann und noch eine ganze Reihe…

Ralph Müller-Wagner: Ich habe dich neulich auf ARTE spielen sehen. Ein musikalischer Genuss übrigens. Danke. Bist du oft im TV und wie lauten deine nächsten TV-Auftritte?  Ab Januar 2015, Hille, das Interview kommt erst im Januar.

Hille Perl: Ehrlich gesagt habe ich das gar nicht so auf dem Schirm, was da geplant ist oder ob: meistens sind Fernsehgeschichten eher kurzfristig, man wird zu besonderen Anlässen dann eingeladen und befragt. Ich persönlich habe das sowieso nicht so im Blick, denn ich habe gar keinen Fernseher.

Ralph Müller-Wagner: Wo und mit wem gastierst du demnächst? In welche Länder zieht es dich da?

Hille Perl: Vielleicht ist es am einfachsten, wenn man da auf meine Webseite schaut, das ist zwar meistens nicht ganz vollständig, aber es gibt doch einen ganz guten Überblick: www.hillenet.net, und dann zum Kalender gehen.

Ralph Müller-Wagner: Ist man als Gambistin besonders begehrt?

Hille Perl: Ich glaube, dass es nichts damit zu tun hat, ob man Gambe spielt, oder sonst ein Instrument, ich glaube, wenn man ein guter Musiker oder eine gute Musikerin ist, wenn es einem ein dringendes Bedürfnis ist, sich mit anderen über dieses Medium zu verständigen, emotionale Korrespondenzen zu leben, dann hat man bessere Chancen, Arbeit zu haben, wenn nicht, dann kann es schwierig werden.

Ralph Müller-Wagner: Wer sind die Veranstalter? Du bist ja viel auf Schlössern und Burgen zu sehen.

Hille Perl: Das ist ganz verschieden, oft sind es Festivals, manchmal auch Konzertreihen, manchmal einzelne Konzerte oder Events. Manchmal sind es sogar private Personen, die einen buchen, um im kleineren Kreis zu spielen, auch das kann sehr nett sein. Im Allgemeinen laufen die Buchungen über meine Stuttgarter Agentur oder über mein Künstlersekretariat, auch das steht alles auf der Hillenetseite.

Ralph Müller-Wagner: Kannst du dich vor Fans oder Heiratsanträgen überhaupt noch retten?

Hille Perl: Also heiraten will mich glaube ich keiner - jedenfalls kommen sie damit nicht so recht rüber, und mit den Fans, na ja, man freut sich immer, wenn sich jemand für das Zeug interessiert, was man so liebt, und was einen selbst so glücklich macht. Ich freue mich immer, wenn ich Feedback bekomme, wenn ich merke, was die Menschen verstehen oder was sie anrührt, was sie fröhlich macht oder befreit.

Ralph Müller-Wagner: Du hast ein Album heraus gebracht. Was gibt es da zu berichten und wo kann man es erwerben?

Hille Perl: Alle CDs die ich in den letzten Jahren veröffentlicht habe sind bei Sony erschienen, und dort unter dem Label ‚deutsche harmonia mundi’zu finden, das wird auch mit den zwei CDs die dieses Jahr erscheinen so sein. 

Ralph Müller-Wagner:  Kannst du uns was über deine neuen Projekte erzählen? Im November hast du ja eine CD mit E-Gambe und E-Gitarre (Lee) aufgenommen. Was ist das für ein Repertoire? Klassisch oder eher gemischt? Mit wem bist du ins Studio gegangen?

Hille Perl: Ja, das ist ein tolles Projekt, nachdem ich so viele Jahre ausschließlich akustisch gespielt habe, dazu noch ausschließlich auf Darmsaiten, habe ich mich mal vorgewagt und eine sehr schöne E-Gambe gefunden, mit der ich alles mögliche an Repertoire aufmische. Es ist ganz schön, altbekanntes in neue klangliche Zusammenhänge zu bringen, und neue Techniken auszuprobieren. Es ist eine Repertoire-Melange, ähnlich wie das Element-Projekt mit Marthe: diesmal ist der rote Faden der Klang oder die Klänge der verstärkten Gambe und meine persönliche Affinität zu den Stücken, die die Divergenz der Werke wiederum zusammenbindet.

Ralph Müller-Wagner: Was ist das Los Ottos Projekt?

Hille Perl: Vor Urzeiten waren Steve Player, Lee Santana und ich oftmals zusammen in anderen Bands unterwegs: also wo jemand andres die musikalische Leitung innehatte. Und so stand dann öfter auf den Plakaten: Mr, Berühmt und Mr Berühmt und andere und die anderen, das waren eben immer wir. Irgendwann gingen uns die Chefs doch auf die Nerven und dann haben wir entschieden eine Gruppe ohne Chefs und ohne berühmte Frontleute zu gründen,  einfach selber das alles zu sein. Das führte dann dazu, dass wir viele Jahre ordentlich kämpfen mussten, also miteinander; und lernen mussten, uns gegenseitig auszuhalten, denn wir hatten ja keine Chefs mehr, die an unserem Unglück schuld sein konnten. Das war eine lehrreiche Zeit, und das Schöne ist, wir haben da wirklich viel gelernt. LOS OTROS lebt auch von spontanen Einfällen auf der Bühne, oft ist mehr ungeplant als geplant, was so im Konzert passiert. Improvisation hat einen großen Stellenwert, und dass man sich leisten kann, mit einer Idee auch zu scheitern. Das Trio wird je nach Bedarf erweitert: um Michael Metzler oder Marthe Perl, die auch sehr schön tanzt, oder auch um Sänger, andere Melodie- oder Zupfinstrumente. Unser aktuelles Programm sind Musiken um das diplomatische Umfeld von Peter Paul Rubens: Est-Ce Mars, oder : die Schrecken des Krieges. Ein ziemlich aktuelles, weltbedeutendes  europäisches Thema.

Ralph Müller-Wagner: Wie mir zu Ohren kam, bist du Emdner Gänsefan. Was kannst uns dazu sagen ☺

Hille Perl: Tja, auf dem Hof leben derzeit vier Pferde, neun Schafe (Auen), sieben Kaninchen (die zwei Böcke sind gerade auf Freigang), vier Hähne und acht Legehennen, dazu drei Katzen und der Hund Passepartout. Eigentlich hatte ich keinen Mangel an Viehzeug, aber vor einigen Wochen habe ich im Museumsdorf in Cloppenburg die Bekanntschaft eines Emder Gänsepaares gemacht, die mich mit ihren blauen Augen so betörend anglubschten, dass es glatt um mich geschehen war. Und später las ich dann alles über diese feinen Tiere, dass sie eine bedrohte Rasse sind, also auf der Roten Liste zu finden sind, es gibt derzeit noch etwa 500 von diesen wunderbaren Tieren, die für moderne Gänsemasthaltung einfach nicht zu gebrauchen sind. Sie sind zu schwer, zu edel, zu sensibel, sie leben in monogamer lebenslanger Paarbeziehung, sie werden 30 Jahre alt. Also: Auguste und Waldemar gehören nun zum Hof, haben ihr Verhältnis mit den Schafen geklärt, streiten jeden Tag mit den Hähnen, jagen die Kaninchen, erschrecken den Hund. Es sind wirklich magische Wesen, man sieht deutlich die Verwandtschaft zu Schwänen. Es ist eine Freude, aus dem Küchenfenster zu sehen, und dort diese schneeweißen Märchenwesen zu bewundern. Nun habe ich so langsam alle Traumberufe meiner Kindheit doch noch gelebt: Gambistin, dazu Schäferin, Kutscherin, Großmutter, Gärtnerin und nun eben auch noch Gänsemagd. Wobei sie immer etwas spöttisch gackern, wenn ich ihnen vorsinge: wulle wulle Gänschen, wackelt mit den Schwänzchen, wisst ihr nicht wer ich wohl bin, ich bin doch die Königin….und dann wiegen sie so bedächtig ihre Köpfe auf dem langen Hals…

Ralph Müller-Wagner: Liebe Hille, es war nett mit dir zu plaudern. Vielleicht können wir ja mal was zusammen machen. Literatur und Musik. Ich würde mich freuen. Alles Gute für deine nächsten Projekte und persönlich viel Glück.

Hille Perl: Literatur und Musik gehören sowieso zusammen wie  die linke und rechte Hirnhälfte, das würde mich sehr freuen, wenn da mal was zustande käme. Ich wünsch Dir auch alles Gute und bedanke mich für das Gespräch! 

Interview Stefan Zauner

Ralph Müller-Wagner: Hallo Stefan, ich freue mich sehr und will dir einmal Danke sagen, für die unzähligen Augenblicke der Freude, die du mir im Laufe der Jahrzehnte mit deiner Stimme bereitet hast. Da man um eine Frage nicht herumkommt, gleich zu Beginn. Du warst die Stimme der »Münchener Freiheit«, die sich weltweit musikalisch bis heute ein Denkmal gesetzt hat. Allein der Bandname, ein Schlagwort in der Szene. Warum die Trennung? Hatte man genug voneinander? Wart ihr am Ende eures gemeinsamen musikalischen Schaffens angekommen? Man entwickelt sich doch immer weiter...

Stefan Zauner: Die Jahre wurden sich immer ähnlicher und die Auftritte fanden fast ausschließlich an Wochenenden statt. Mir war einfach nach einem Sprung ins kalte Wasser zumute. Man hätte das auch noch ewig weiterführen können, aber wenn ich mich mit 70 auf der Bühne vorstelle wie ich „Tausendmal Du“ sing, finde ich, dass 30 Jahre genau richtig waren.

Ralph Müller-Wagner: Nun machst du seit geraumer Zeit Soloprojekte. Wie lange arbeitest du an einem Song, vom ersten Gedanken und Ton bis zum fertigen Produkt? Ist das Routine oder gibt es auch Meilensteine dazwischen, wie eine Etappe, um kurz zu reflektieren, was man bisher erreicht hat, auf dem Weg zum Gipfel?

Stefan Zauner: Routine wird das glaub ich nie. Dann könnte ich sagen, es dauert meinetwegen 5 Tage oder 6. Aber es dauert mal 2 Tage, zwei Wochen oder es macht nie klick. Meilensteine gab es schon wie z.B. „Ohne Dich“ oder „Solang man Träume noch leben kann“, aber die waren relativ schnell komponiert.

Ralph Müller-Wagner: Und wenn sich die Frage auf ein Album bezieht, wie lange dauert das, bis Stefan Zauner rundum zufrieden ist?

Stefan Zauner: Manchmal viel zu schnell. Gut dass ich Petra habe, die dann etwas Kritik übt. Manchmal find ich aber auch kein Ende und ohne CD Veröffentlichung säße ich heute noch am 10. Mix.

Ralph Müller-Wagner: Was ist zuerst da, Harmonie, Melodie oder Text? Gab es bisher Songs, wo sich die Lyrik zuerst wie eine Blüte aus der Knospe schälte?

Stefan Zauner: Oh! Sehr lyrische Frage. Leider kommt der Text nicht aus einer Knospe sondern quält sich aus dem Kopf, bis ich einen roten Faden gefunden habe. Ich versuche zu fühlen was mir die Melodie sagen will und das in Worte zu fassen.

Ralph Müller-Wagner: Aktuelles Album. Fabelhaft Erstmal Gratulation. Ich finde es sehr gut gelungen. Unverkennbarer Sound. Gänsehauteffekt. Besinnliche Texte. Gab es zuerst ein Thema oder existierte bereits ein Song und dann kam die Idee, ach ja, da wäre ein Thema für ein Album?

Stefan Zauner: Der Titel „FABELhaft“ stammt von Petra und kam nachdem alle Stücke fertig waren. Die Songs unter einer bestimmten Überschrift zu komponieren würde mich doch sehr einschränken.

Ralph Müller-Wagner: Auf dem Album ist auch eine interessante weibliche Stimme zu hören. Deine Frau Petra. Welchen Einfluss hatte sie während der Entwicklung des Projektes? Ich denke da an Arrangement, Komposition, Lyrik ect. Wolltest du durch ihre Stimme mehr Klangfarbe- und Volumen hineintransportieren?

Stefan Zauner: Ihr Einfluss ob klein oder groß ist auf jeden Fall wichtig für mich. Ihre Stimme lockert das Album in angenehmer Weise auf. Auch die von Ihr alleine gesungenen Stücke sind eine willkommene Abwechslung bei 18 Songs.

Ralph Müller-Wagner: Wo wurde das Album produziert? Hast du ein eigenes Studio?

Stefan Zauner: Ja, im eigenen Studio zu hause.

Ralph Müller-Wagner: Welche Musiker haben das Album eingespielt? Vielleicht jemand von den alten Kollegen der »Münchener Freiheit, lacht?

Stefan Zauner: In diesem Fall habe ich alles selber gespielt. Ich habe mal ein Soloalbum gemacht das hieß „SOL“. An dem waren viele Musiker beteiligt, von den Hooters bis Brian May von Queen. Das war in den 90ern.

Ralph Müller-Wagner: Du spielst mehrere Instrumente, darunter Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier, Keybord. Gibt es ein Instrument, das du noch erlernen willst, vielleicht ein exotisches?

Stefan Zauner: Wenn es ein Instrument gibt das von selber spielt, gern. Ansonsten bin ich ganz gut ausgelastet.

Ralph Müller-Wagner: Wird das Album Fabelhaft auch live performt und wer begleitet dich dabei?

Stefan Zauner: Der Aufwand da weiterzumachen wo ich aufgehört habe ist ziemlich groß. Noch fürchte ich mich ein bisschen davor. Ich werde allerdings von so vielen Freunden und Bekannten bearbeitet... vielleicht schaffen die‘s ja.

Ralph Müller-Wagner: Wann sieht man dich wieder demnächst im Fernsehen oder auf der Bühne?

Stefan Zauner: Es sind noch ein paar Sendungen auf Anfrage. Noch nicht spruchreif.

Ralph Müller-Wagner: Was sagen deine Fans zum Soloprojekt?

Stefan Zauner: Geil!

Ralph Müller-Wagner: Gibt es irgendwann ein Comeback der »Münchener Freiheit« oder habt ihr euch wie ABBA geschworen: Nie wieder! Um die Legende zu bewahren?

Stefan Zauner: Für ein Comeback wurde ABBA eine Milliarde geboten. Da käme ich dann schon ins Grübeln. Nein - ich bin mit der gegebenen Situation sehr zufrieden.

Ralph Müller-Wagner: Wie findest du die Synthese zwischen Musik und Literatur, wie auf dieser Seite, überhaupt der künstlerischen Genres untereinander? Sollten Künstler nicht enger zusammenrücken, dabei die Kunst im Fokus behaltend? Man muss sich ja nicht verbiegen.

Stefan Zauner: Generell gut. Ich komponiere gerade Musik für ein Feuerwerk. Auch mal was anderes.

Ralph Müller-Wagner: Dein Vater, Georg Zauner, war ein bedeutender Regisseur und Sciene-Fiction Autor. 1956 erhielt er für den Film »Energie aus Materie« das Filmband Lola in Silber beim Deutschen Kurzfilmpreis und der Sciene-Fiction Roman »Der verbotene Kontinent« (1983) ist eines seiner Werke. Inwieweit hat dein Vater dich inspiriert? Vielleicht von der Lyrik her?

Stefan Zauner: Wow!! Gut informiert. Zu Hause lief den ganzen Tag Musik. Im Wohnzimmer stand ein Klavier und mit kreativen und künstlerisch begabten Eltern reicht das, um irgendwann herauszufinden welche Töne klingen und welche nicht. Wir waren oft in Kunstausstellungen und Konzerten.

Ralph Müller-Wagner: Du hast als Musikproduzent und Komponist mit namhaften Solisten zusammengearbeitet. Darunter so klangvolle Namen wie Maggy Reily oder Brian May (Queen) und The Hooters, die 1995 bei einem von dir veröffentlichten Album unter dem Pseudonym S.O.L mitwirkten. Entwickelt man sich da auch persönlich weiter? Haben diese Künstler dich irgendwie inspiriert?

Stefan Zauner: Hätte ich gewusst, dass diese Frage kommt, hätte ich sie nicht schon vorweggegriffen. Aber... inspiriert eigentlich weniger, da die Stücke schon komponiert waren und wir (Plattenfirma, Produzent und ich) dann erst überlegt haben, wer mitmachen könnte. Ich hoffe, ich konnte DIE ein wenig inspirieren. Alle waren wirklich sehr nett und zuvorkommend.

Ralph Müller-Wagner: Was ich total abgefahren finde, ist, dass Jordan Rudess, Keyborder von Dream Theater (Progressive Metal), das Solo Album »Prism & Views« in einem Feature der Musikerseite Musicradar im Mai 2012 zu den besten Progressive-Rock Alben aller Zeiten einstufte. Hattest du damals in den 70gern noch andere Ziele und warum hast du diese dann aufgegeben? Erscheint das Album irgendwann noch mal?

Stefan Zauner: Das finde ich total ausgeflippt, freut mich aber umso mehr, da es aus einer ganz anderen Ecke kommt. Es gibt da einen Song den ich teilweise noch mal aufgreifen wollte. Das bestärkt jetzt natürlich diese Idee. Danke. – In den 70gern andere Ziele? - Obwohl ich da noch nicht wusste, wie ich davon leben sollte... NEIN.

Ralph Müller-Wagner: Lieber Stefan, ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, kreative Ideen, damit uns deine unverwechselbare Stimme noch lange erhalten bleibt und persönliches Glück.

Stefan Zauner: Ich werde mir Mühe geben. DANKE!

Interview Tino Z.

Tino Z.

Ralph Müller-Wagner: Hallo Tino, vom Lone Wolf Dino-Hardrock zur Tino Z. und die heiße Marmelade. Erwartet uns jetzt von euch ein Guildo Horn Verschnitt von Keksen und Schlagern, lacht?

Tino Z. Hallo Ralph, ja also Kaffeekränzchen gibt es bei uns eher nicht. Die Musiker sind die gleichen und von daher werden wir unserem Sound keinen Weichspüler beimischen. Nur der Name hat sich geändert.

Ralph Müller-Wagner: Wie kam es zu der Entscheidung den Bandnamen zu ändern? Warum heiße Marmelade?

Tino Z. Der Bandname LONE WOLF war bei den gefühlten 4357 Einträgen auf Google nicht mehr haltbar. Aus urheberrechtlichen Gründen haben wir uns dann entschieden, den Bandnamen zu ändern. Es sollte etwas unverwechselbares sein und so steht im neuen Bandnamen: Heiß für Rock, die Marmelade steht für etwas sehr Schmackhaftes und das mit meinem Namen Tino Z. gekoppelt um allen Urheberrechtsgeschnetzeltem aus dem Weg zu gehen.

Ralph Müller-Wagner: Was ist der musikalische Anspruch der …heißen Marmelade? Wohin geht die Reise?

Tino Z. Unser aktuelles Marmelade-Debüt-Album „Zwei Hand voll voll“ zeigt schon die Richtung, in der es bei uns weitergehen soll. Beim Schreiben und Bearbeiten des neuen Materials für das nächste Album, wurde mir schnell klar, das hier eine Weiterentwicklung ist. Die Songs sind markanter und deutlich vielschichtiger.

Ralph Müller-Wagner: Wen sieht man jetzt an den Instrumenten? Wird der Bass nun zum Kontrabass und die Leadgitarre zur Ukulele?

Tino Z. Ich finde Verstärker müssen bei uns schon sein und bis jetzt ist noch keine unverstärkte -Version geplant, wird auch in absehbarer Zeit nicht stattfinden, aber man sollte ja nie „NIE“ sagen. ;-)

Ralph Müller-Wagner: Verschwindet das alte Lone Wolf – Material in der Versenkung?

Tino Z. Die Auflagen der produzierten LONE WOLF – Alben sind vergriffen. Eine Neuauflage halte ich nicht für Sinnvoll. Da wir uns gerade in einer kreativen Phase befinden, wollen wir natürlich auch lieber das neue Material veröffentlichen. Klar, es war eine schöne Zeit, aber Neues brauch eben viel Platz.

Ralph Müller-Wagner: Was sagen die eingefleischten Lone Wolf- Fans zur Metamorphose? Schock oder Rock?

Tino Z. Nach unserer offiziellen Erklärung, gab es schon die eine, oder andere Aussage, aber so richtig durchgefallen ist der neue Bandname nicht. Es gab auch Gratulation.

Ralph Müller-Wagner: Wie heißt das neue Album und was wird zum musikalischen Thema erhoben?

Tino Z. Musikalisch geht es in Richtung der Songs „Parasit“ und „Bleib Cool“ vom aktuellen Album „Zwei Hand voll voll“ weiter. Es wird aber auch ein richtig langsamer Blues, im Gedenken an den Blues-Pionier Robert Johnson und eine Ballade zu hören sein. Beide Songs haben in der Vorproduktion einen sehr viel versprechenden Eindruck gemacht.

Ralph Müller-Wagner: Wo muggen Tino Z. und die heiße Marmelade demnächst?

Tino Z. Einige Bestätigungen stehen noch aus. In Anbetracht der neuen Produktion, dürfte das für 2014 erst mal ausreichend sein.

12.04. 2014 - Dresden, Zeitgeist
21.06. 2014 - Kamenz, Marktbühne
29.06. 2014 - Dresden, Elbhangfest
26.07. 2014 - Klingenberg, Hangover Festival
29.08. 2014 - Dresden, Schlachthof
24.10. 2014 - St. Gallen/Schweiz, Espenmoos
25.10. 2014 - Tettnang, Flieger
27.12. 2014 - Tharandt, Kuppelhalle

Ralph Müller-Wagner: Ich las auch was von Sankt Gallen in der Schweiz. Was ist das für ein Festival?

Tino Z. Da sind wir selber gespannt, da wir das erste Mal dort gebucht sind. Der Gig kam über eine Booking-Agentur zustande. Wir freuen uns darauf und auch auf die Schweiz.

Ralph Müller-Wagner: Wie findest du als Künstler die Verschmelzung von Literatur und Musik auf dieser Seite?

Tino Z. Ich finde, dass die drei Hauptrichtungen der Kunst nicht nur den gemeinsamen Nenner Inspiration haben. Klar ist Musik mein Hauptfach, aber ich zeichne auch gerne und lese viel, was natürlich nicht heißen will, dass ich auch ein Buch schreiben kann, aber immerhin Songtexte gehen schon mal. ;-) Eine Verschmelzung verschiedenster Richtungen empfinde ich als sehr inspirierend und das ist auf deiner Seite eine echte Bereicherung der Inter-Netzwelt. ;-)

Ralph Müller-Wagner: Danke für die Neuigkeiten und ganz viel Erfolg…

Tino Z. Danke Dir und bleib dran, am Rock’n’Roll!

Interview with Jørn Viggo Lofstad (guitar) and Nils K. Rue (vocals)
Best Progessive Metalband from Norway

Ralph Müller-Wagner: Hi Pagan’s Mind, Hi Jørn and Nils. I’m glad to get the chance to talk about your new LP “Heavenly Ecstasy” and upcoming projects. My multicultural readership is gonna be very interested in it.
Heavenly Ecstasy is a very powerful, dynamic LP, full of strong musical and lyrical content. How long did it take from scratch to the finished product?

Jørn Viggo Lofstad: Hi Ralph and thanks for having me. We released God’s Equation in 2007 so it was 3,5 years between God’s Equation and Heavenly Ecstasy, but we did not start the writing process until early 2009 so I guess its correct to say I took us about 1,5 to write the album. The album was mixed and finished in the fall of 2010 but we where also in a process of changing record label so it was not released until may 2011.

Ralph Müller-Wagner: Is there a special topic „Heavenly Ecstasy“ is dealing with?

Nils K Rue: Heavenly Ecstasy" is not a concept album, though as always before there is a red line going through all the songs. The lyrics on the album deals with different topics, waving from epic tales of grand proportions to relation issues, and humour as well. It is written though, in the same spirit that Pagans Mind lyrics always deal with: a"larger-than-life" outwordly attitude with a strong positive attitude often discussing the great questions of our exsistence and the universe; the riddle of space and time and the key to understanding life's purpose and meaning.

Ralph Müller-Wagner: How did you come up with a song like „Revelation to the End“, which is brilliant by the way. How did you turn such a controversial subject into a song, considering that it’s speaking of the upcoming end of the world, isn’t it?

Nils K Rue: The song was recorded in 2010 and deals with theories about the ending of exsistence, The mayan calendars ending and the prophecies surrounding it. The theme was up in books, films and media a lot close to 2012 when "the world was supposed to end". A lot of the wording in the lyric of the song is taken directly from Nostradameus, luckily we all survived all this negative thinking ha ha. We made a great song and contributed in our own way to make 2012 just a little more nervewrecking for our listeners:)

Ralph Müller-Wagner: How does Pagan’s Mind manage to play it’s songs so powerful from the first note to the last? This dynamic, this joy of playing.. there’s always something happening. It’s never boring, you always expect something, as if the song was an action movie or in your ballads, a love film.

Jørn Viggo Lofstad: Well i it is the natural sound of the band. This way of writing our music and playing our music was natural from day one. We all have different musically backgrounds but our individual musical expression’s just seem to melt perfectly togehther. Stian is a hard hitting drummer inspired by the 80ties hairmetal bands but also into extreme and progressive metal. Steinar is s bass player wich loves for example Frank Zappa, Westcoast music but also „well played metal“ Ronny our keyboardplayer has next to his 80ties hair metal influence a jazz and fusion background. Nils grew up digging bands like King Diamond, Queensryche, Kreator etc but he also has a heart for rockabilly music. I have a more straight forward 70ties 80ties backgound beeing a fan of bands like Van Halen, Deep Puple, Led Zeppelin im also very influenced by bands like Pink Floyd and The Beatles.

Ralph Müller-Wagner: If I said Pagan’s Mind was a Progressive Metal band, would you agree?

Jørn Viggo Lofstad: Shure hehe your are not wrong about that, specially if you think about the entire Pagan’s Mind Cataloge. If you look at Heavenly Ecstacy alone I would say that we have taken a direction beeing more straight forward than our previous albums. So I would say now that we are a hard hitting melodic metalband with progressive elements.

Ralph Müller-Wagner: How would you explain the fact that your motherland Norway has so many good Metal bands and is it hard to stay at the top?

Jørn Viggo Lofstad: Norway is most known for our „Black Metal“ Export but since the mid 90ties a alot of supreme and high quality progressive metalbands has appeared. Bands like Conseption, Ark, Trivial Act, Circus Maximus and Pagan’s Mind are just a few of the fine progressive metalbands Norway has raised. To stay at the top is something you need to earn with every album released and every gig you play. Inn all genres you need to be on top of your game to be at the top and i think we have done well so far

Ralph Müller-Wagner: Could you tell your German fans, since when Pagan’s Mind exists and what you guys did before forming the band and which bands you played in?

Jørn Viggo Lofstad: Before Pagans Mind we all played in other local bands in our hometown Skien in Norway. Nils and Stian and Thorstein (passed away in 2007) played in a 80 hair metalbamd called Silverspoon and Ronny,Steinar and myself played a that moment together in a Toto coverband. Stian and Steinar also played togehter in Trivial Act and i guess it was the two of them starting to make a plan of a merching Nils,Stian and Thorstein from Silverspoon with Ronny,Steinar and myself. Thats how Pagan’s Mind became to be.

Ralph Müller-Wagner: What kind of music are you guys into? Which musicians or bands inspiried you?

Jørn Viggo Lofstad: We have very different musical backgrounds, classic hard rock, progressive metal, extreme metal, pop, jazz and fusion. The mix of all this is Pagan’s Mind. As for my self im very inspired by bands like Van Halen,Deep Purple,Pink Floyd etc but I had my share of playing Metallica songs in my teens as well. I guess the way I see it you have only 2 genres of music, good and bad;)

Ralph Müller-Wagner: Which successes did Pagan’s Mind already achieve?

Jørn Viggo Lofstad: I think we achieved a lot. We have released 5 albums that have been received very well world wide. We have sold a lot of albums and we have been so blessed and lucky that we have travelled the world playing our music for our fans. We are truly happy for this experience and we have no plans of stopping.

Ralph Müller-Wagner: Are you working on a new LP at the moment?

Jørn Viggo Lofstad: Yes we are, late 2014 or earlie 2015 release!

Ralph Müller-Wagner: What do you guys think about social injustice in the world? What could music, especially metal, contribute to a better life for the underprivileged?

Nils K Rue: music is a turbo charger for your feelings, it is depression pills and anger management all in one. You dont have to be blind to tell that many metal fans are "outsiders", we are a different kind of breed of thinkers and sensitive people that keep up the hard task of living through unity in the music. Just look for yourselves; metal musicoverlive hit artists year after year and gather in big festivals like Wacken, like a pilgrimage. Music in general and especially metal is soulfood and in bad social situations this sonic treatment works even better. I have many times recieved emails from people that either are hospitalized, chained to a wheelchair or are close to giving up telling me that our music is what keeps them wanting to carry on with their lives. It gives them hope. Now that is a big responsibility-creating music that gives people hope. Its art, and art has historically been used more by people in tough times. Like the body needs food and water, The Mind and Soul also needs to be tanked up. So in deed, i am convinced that metal makes a better life for many people around the globe!

Ralph Müller-Wagner: What do you wanna say to your German Fans?

Jørn Viggo Lofstad: Thank you for beeing dedicated and lojal all theese years, we are truly thankful fort hat. We hope to see you on the road in 2014/2015.

Ralph Müller-Wagner: Where are you playing next and when is Pagan’s Mind coming to Germany again?

Jørn Viggo Lofstad: No dates set yet but we hope during 2015. We allready have som gigs in Norway, Belgium, US coming up and Germany might be added.

Ralph Müller-Wagner: Have you played in the US or Australia before and is there a special country you would like to play in one day?

Jørn Viggo Lofstad: We have never played in Australia but we playds the US several times and also going back there in September 2014. We never did south America and some day we would really like to do that some day! 

Ralph Müller-Wagner: Do you know German bands, especially Metal bands, except for Scorpions maybe?

Jørn Viggo Lofstad: Shure i do, I love Rammstein. Also theres Helloween, Masterplan, Accept, Rage, Powerwolf, Avantasia and so on and on...

Ralph Müller-Wagner: So, no more chances for Germany’s pretty ladies?

Jørn Viggo Lofstad: Hehe most of us are married or girlfriends so to bad for all the pretty German girls lol. But please do come to our gigs anyway...

Ralph Müller-Wagner: Thanks so much, dear Jørn for your time and I wish you guys all the best. Keep on Rocking!

Jørn Viggo Lofstad: Thanks so much for having us, take care and hope to see you all soon !! :)

Interview mit Jørn Viggo Lofstad (Gitarre) und Nils K. Rue (Gesang) von Pagan’s Mind, Progressive Metal-Band aus Norwegen

Ralph Müller-Wagner: Hi Jørn und Nils. Ich freue mich sehr, dass wir etwas über euer aktuelles Album Heavenly Ecstasy und eure Projekte plaudern. Meine multikulturelle Leserschaft wird das sehr interessieren.
Heavenly Ecstasy  ist ein kraftvolles dynamisches Album, voller musikalischer und textlicher Inhalte geworden. Wie lange habt ihr daran gearbeitet, von der Idee bis zum fertigen Produkt?

Jorn Viggo Lofstad: Hallo Ralph und danke für das Interview. Wir haben God's Equation 2007 veröffentlicht, daher waren also es ca 3,5 Jahre zwischen God's Equation und Heavenly Ecstasy, jedoch haben wir mit dem eigentlichen Schreibprozess erst 2009 angefangen. Demzufolge kann man sagen, dass es uns ca. 1,5 Jahre gedauert hat das Album zu schreiben. Es wurde im Herbst 2010 abgemischt, allerdings waren wir gerade dabei, unser Label zu wechseln, also wurde es erst Mai 2011 veröffentlicht.

Ralph Müller-Wagner:  Ist es ein spezielles Thema, mit dem sich das Album Heavenly Ecstasy  auseinandersetzt?

Nils K Rue: Heavenly Ecstacy ist kein Konzeptalbum, aber es zieht sich ein roter Faden durch alle Songs. Die Texte auf dem Album beschäftigen sich mit verschiedenen Themen, von epischen Stories über besondere Verhältnisse bis hin zu Beziehungsproblemen reichend, der Humor kommt dabei natürlich auch nicht zu kurz. Es ist aber so geschrieben, wie alle Lyrics von Pagan's Mind: mit einer herausragend positiv geprägten Einstellung, wobei oft die großen Fragen unserer Existenz diskutiert werden: das Rätsel zwischen Raum und Zeit und der Schlüssel zum Sinn des Lebens.

Ralph Müller-Wagner: Wie entsteht so ein Song wie Revelation to the End, wie ich meine, ein Hammer-Song. Wie setzt man so ein brisantes Thema musikalisch um? Immerhin geht es doch in dem Song um das bevorstehende Ende der Welt. Oder?

Nils K Rue: Der Song wurde 2010 aufgenommen und handelt von Theorien über das Ende jeglicher Existenz, den Kalender der Maya und dessen Prophezeiungen. Das Thema wurde in Büchern, Filmen und den Medien aufgegriffen, als 2012 die "Welt untergehen sollte". Viele Formulierungen in dem Song sind direkt von Nostradamus übernommen. Glücklicherweise haben wir alle diese negative Einstellung überlebt, haha. Wir haben einen klasse Song geschrieben und auf unsere Art und Weise dazu beigetragen das Jahr 2012 für unsere Fans noch etwas nervtötender zu machen. ;)

Ralph Müller- Wagner: Wie schafft es Pagan’s Mind, dass alle ihre Songs vom ersten bis zum letzten Ton diese Power haben? Diese Dynamik, diese Spielfreude? Immer geschieht etwas musikalisch. Es ist nie langweilig und man wartet mit Spannung, als ob der Song ein Actionfilm wäre oder bei einer Ballade ein Liebesfilm.

Jorn Viggo Lofstad: Nun, das ist der natürliche Sound der Band. Die Art unsere Musik zu schreiben und zu spielen war von Anfang an "drin". Wir haben alle einen unterschiedlichen musikalischen Hintergrund, aber unser individueller musikalischer Ausdruck schien perfekt miteinander zu verschmelzen. Stian ist ein Drummer der härteren Schiene, inspiriert vom 80s Hair Metal aber ebenso von Extreme und Progressive Metal. Steinar ist Bassist und steht auf z.B. Frank Zappa, Westcoast music aber auch "hochwertigen" Metal. Ronny, unser Keyboarder hat neben seinen 80s Hair Metal Einflüssen auch einen Jazz & Fusion Hintergrund. Nils ist aufgewachsen mit King Diamond, Queensryche, Kreator etc, aber hat auch ein Herz für Rockabilly Musik. Ich selbst bin eher mit den typischen 70s/80s Bands aufgewachsen und liebe Van Halen, Deep Purple, Led Zeppelin und wurde auch von Pink Floyd und The Beatles beeinflusst.

Ralph Müller-Wagner: Ist das richtig, dass man Pagan’s Mind als Progressive Metal Band bezeichnet?

Jørn Viggo Lofstad: Sicher, hehe. Du liegst damit nicht falsch, vor allem wenn man an die gesamte Bandbreite von Pagan's Mind denkt. Wenn man Heavenly Ecstacy allein nimmt, würde ich sagen, dass wir eher straight forward sind als auf unseren vorherigen Alben. Daher würd ich sagen, dass wir jetzt eine härtere Melodic-Metal Band sind mit Einflüssen aus dem Progressive Metal.

Ralph Müller-Wagner: Warum gibt es in eurem Heimatland Norwegen so viele gute Metal Bands und ist es schwer, sich da ganz oben zu behaupten?

Jørn Viggo Lofstad: Norwegen ist vor allem bekannt für seine Black-Metal Exporte, aber seit Mitte der 90er wurden viele herausragende und hochwertige Progressive Metalbands gegründet. Conseption, Ark, Trivial Act, Circus Maximus und Pagans Mind sind nur einige wenige Progressive Metalbands aus Norwegen. An der Spitze zu bleiben muss man sich verdienen, mit jedem veröffentlichen Album und gespielten Gig aufs Neue. Man muss in jedem Genre sein Möglichstes bringen, aber ich denke wir haben das bisher ganz gut gemacht. :)

Ralph Müller-Wagner: Könnt ihr den deutschen Fans sagen, seit wann es Pagan’s Mind gibt und was jeder von euch vor der Gründung gemacht hat? In welchen Bands ihr gespielt habt?

Jørn Viggo Lofstad: Vor Pagans Mind haben wir alle in lokalen Bands in unserer Heimatstad Skier in Norwegen gespielt. Nils, Stian und Thorstein (der leider 2007 verstorben ist) spielten in einer 80s hait metalband namens Silverspoon und Ronny, Steinar und ich spielten zu derzeit zusammen in einer Toto-Coverband. Stian und Steiner spielten ebenfalls zusammen in Trivial Act und ich denke es waren die beiden, die den Plan schmiedeten Nils, Stian und Thorstein from Silverspoon mit Ronny, Steiner und mir zusammenzuführen. So wurde letztendlich Pagan's Mind gegründet.

Ralph Müller-Wagner: Welche Art von Musik gefällt euch, welche Musik oder Bands haben euch beeinflusst? Gibt es Vorbilder?

Jørn Viggo Lofstad: Wir haben einen sehr unterschiedlichen musikalischen Hintergrund, von classic hardrock über progressive metal, extreme metal bis hin zu Pop, Jazz und Fusion. Eine Mischung aus all dem ist Pagan's Mind. Ich kann nur von mir selbst reden, ich persönlich wurde inspiriert durch Bands wie Van Halen, Deep Purple, Pink Floyd etc., aber ebenso die Metallica Songs, die ich in meiner Jugend spielte. So wie ich das sehe, gibt es nur zwei Musikrichtungen: Gute und Schlechte. ;)

Ralph Müller-Wagner: Welche Erfolge feierte Pagan’s Mind bisher?

Jørn Viggo Lofstad: Ich denke, dass wir schon sehr viel erreicht haben. Wir haben bereits 5 Alben veröffentlich, die weltweit sehr gut angekommen sind. Wir haben viele Alben verkauft und sind ebenfalls sehr glücklich, dass wir die Welt bereisen konnten, um unsere Musik vor unseren Fans zu spielen. Wir sind sehr glücklich, dass wir diese Erfahrungen machen dürfen und haben nicht vor, damit aufzuhören.

Ralph Müller-Wagner: Arbeitet Pagan’s Mind bereits an einem neuen Album?

Jørn Viggo Lofstad: Ja, tun wir. Es wird Ende 2014 oder Anfang 2015 erscheinen!

Ralph Müller-Wagner: Wie denkt ihr über die vielen sozialen Ungerechtigkeiten in der Welt? Was kann Musik, speziell Metal, für einen Beitrag leisten, damit die Menschen in Würde leben können?

Nils K Rue: Musik ist wie ein Katalysator für Gefühle. Es ist Anti-Depressivum und gleichzeitig dient es dem Wut Management. Man muss nicht blind sein um zu sagen, dass viele metal fans "outsider" sind. Wir haben eine andere Art zu denken und uns verbindet, dass wir unsere Probleme mit der Musik verarbeiten. Schaut euch nur um: Metalmusik vereint Künstler und Fans Jahr für Jahr bei großen Festivals wie Wacken. Musik im allgemeinen, und besonders Metal ist Balsam für die Seele und besonders in schweren Lebenslagen eine große Bereicherung. Ich habe viele Mails von Menschen bekommen, die entweder im Krankenhaus liegen, an einen Rollstuhl gefesselt sind oder kurz davor sind aufzugeben, die mir sagten dass es unsere Musik ist, die sie ermutigt mit ihrem Leben fortzufahren. Sie gibt ihnen Hoffnung. Und dies ist eine große Verantwortung: Musik zu kreieren, die den Menschen Hoffnung gibt. Es ist Kunst – und es ist historisch bewiesen, dass Kunst vor allem bei Menschen, die sich in schwierigen Situationen befinden Anklang findet. So wie der Körper Nahrung und Wasser braucht, so müssen Geist und die Seele ebenfalls befriedigt werden. Also in der Tat, ich bin fest davon überzeugt, dass Metal für viele zu einem besseren Leben, einer besseren Lebensqualität beiträgt.

Ralph Müller-Wagner: Was sagt ihr euren deutschen Fans?

Jørn Viggo Lofstad: Danke für eure Leidenschaft und Treue über all diese Jahre. Wir sind euch sehr dankbar für das. Wir hoffen auch 2014/15 wieder auf Tour zu sehen.

Ralph Müller-Wagner:  Auf welchem GIG spielt ihr demnächst und wann spielen Pagan’s Mind in Deutschland?

Jørn Viggo Lofstad: Es stehen noch keine Tourdaten fest, aber wir hoffen 2015. Norwegen, Belgien und die US stehen bereits auf unserer Liste, und Deutschland kommt vielleicht noch mit dazu.

Ralph Müller-Wagner:  Waren Pagan’s Mind schon in den USA oder Australien on tour und träumt die Band davon, an einem bestimmten Ort der Welt einmal zu spielen?

Jørn Viggo Lofstad: Wir haben noch nie in Australien gespielt, aber waren schon ein paar Mal in den USA und spielen dort auch wieder im September 2014. Wir waren noch nie in Südamerika und würden das eines Tages sehr gern nachholen. :)

Ralph Müller-Wagner:  Kennen Pagan’s Mind auch deutsche Bands, vor allem Metal Bands, außer vielleicht die Scorpions?

Jørn Viggo Lofstad: Natürlich! Ich liebe Rammstein. Und dann gibt es da auch noch Helloween, Masterplan, Accept, Rage, Powerwolf, Avantasia u.s.w.

Ralph Müller-Wagner:  Haben die schönen deutschen Mädels keine Chance mehr, lacht?

Jørn Viggo Lofstad: Hehe, die meisten von uns sind verheiratet oder sind vergeben, also tut uns leid, Ladies, lol. Aber bitte kommt trotzdem zu unseren Gigs! :)

Ralph Müller-Wagner: Herzlichen Dank, lieber Jørn für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg. Rock on…

Jørn Viggo Lofstad: Wir haben zu danken, passt auf euch auf und hoffentlich bis bald!

Ralph Müller-Wagner: Persönliches Dankeschön für die redaktionelle Mitarbeit (Übersetzung) an Nat Roulette.

Interview The Fowes

the fowes

Ralph Müller-Wagner: Hallo Jungs, wie ist der Bandname The Fowes entstanden, was transportiert oder bedeutet dieser?

The Fowes: Hallo, Ralph. Der Name kommt daher, dass wir in unserer Anfangszeit noch daheim geprobt haben und da stand in dem Zimmer immer diese Flasche Scotch herum. Als wir uns dann Gedanken um einen Bandnamen machten, meinte Hemmi, wir könnten uns doch einfach „Fans of Whiskey“ nennen, oder abgekürzt „FOW“. Daraus entstand dann schnell das Kunstwort „The Fowes“, es klingt und schreibt sich einfach eleganter. Später fanden wir heraus, dass FOW auch „Fog of War“ (Kriegsnebel) bedeuten könnte, was im militärischen Sprachgebrauch für noch unerforschtes Gebiet steht. Wir finden die Idee gut, denn wir haben es uns unter anderem zum Ziel gesetzt, mit unserem speziellen Sound musikalisch Neuland zu betreten. Wir sind eine Art Raumschiff Enterprise der modernen Rockmusik.

Ralph Müller-Wagner: Wann reifte der Entschluss eine Band zu gründen? Sind noch alle von Anfang an dabei und wer spielt welches Instrument. Stellt euch einfach mal vor. Wie alt seid ihr, welchen Anspruch haben The Fowes und welche musikalischen Ziele setzt sich die Band?

The Fowes: Im Grunde setzten sich The Fowes vor gut zwei Jahren aus zwei Bands an unserer Schule zusammen. Wir waren alle in derselben Klassenstufe, da kommt man natürlich in Austausch miteinander. Hemmi (17, Bass & Vocals), Conrad (16, Schlagzeug) und Till (17, Gitarre) spielten schon gut ein halbes Jahr zusammen in einer Cover-Band, als Nils (16, Vocals & Gitarre), der schon selbst einige Songs geschrieben hatte, auf Hemmi zukam und ihn fragte, ob er nicht Lust hätte, noch eine Band mit ihm zu gründen. Man merkte einfach sofort, dass es perfekt passte. Richtig ging es jedoch erst los, als dann im Januar 2011 Till von der alten in die bis dahin nur zweiköpfige Band wechselte. Wir hatten jetzt zwar Songs, einen Namen und sogar einen kleinen Auftritt, aber noch keinen Drummer. Conrad kam dann nach etwa einem halben Jahr mit krachenden Drums dazu und machte The Fowes komplett. In dieser Besetzung spielen noch heute.

Ralph Müller-Wagner: Also seid ihr eine Rock ‘n Roll Band in klassischer Besetzung?

The Fowes: Ja. Zweimal Vocals, zwei Gitarren, ein Bass und einmal Drums. Mehr braucht man nicht für einen soliden Klang. Irgendwann wird es ja auch auf der Bühne zu eng, bei unserer Aktivität. Wir bewegen uns eigentlich permanent dort oben.

Ralph Müller-Wagner: Welche Art von Musik macht ihr? Spielt ihr ausschließlich eigene Songs oder covert ihr auch und wenn ja, von welchen Bands?

The Fowes: Bei einem Auftritt spielen wir manchmal als Zugabe ein oder zwei Cover, zum Beispiel „Kids“ von MGMT oder „Are You Gonna Be My Girl?“ von der Band Jet. Natürlich entstehen da immer ganz eigene Interpretationen. Bei Letzterem haben wir etwa im Chorus einen echten Sechzigerjahre-Backgroundgesang eingebaut. Aber sonst stammen alle Songs von uns. Wir selbst bezeichnen unseren Musikstil gern als „Power Indie“, das bedeutet Indie Rock, wie zum Beispiel von Franz Ferdinand oder Bloc Party, mit einer Extraportion Kraft dahinter. Wir haben schließlich auch Funk und Classic-Rock-Einflüsse.

Ralph Müller-Wagner: Wer komponiert und textet bei euch oder ist das alles Teamwork?

The Fowes: Meistens ist es beim Songwriting so, dass Nils mit den Grundzügen eines Liedes und dem fertigen Text zur Probe kommt, wo sich dann der eigentliche Song erst entwickelt. Jeder von uns trägt mit seinen eigenen Ideen sehr dazu bei, was letztendlich herauskommt. Dabei kann es durchaus passieren, dass ein Song am Ende ganz anders klingt als zu Anfang.

Ralph Müller-Wagner: Als Newcomer-Band ist es relativ schwer, den Markt zu erobern. Ihr fightet ganz ordentlich bei Bandwettbewerben und zählt dabei immer zu den Besten. Was war euer größter Erfolg bisher und welche Förderung feiert die Band?

The Fowes: Dieses Jahr sind wir beim SchoolJam-Wettbewerb bis in das Online-Voting der besten 24 Schülerbands in ganz Deutschland gekommen. Wir hätten niemals damit gerechnet und waren völlig überwältigt. Einen Monat später wurden wir dann beim diesjährigen BandClash Sachsen zum Publikumssieger des Freistaates gekürt. Da war vor der Bühne echt die Hölle los, so eine geniale Atmosphäre hatten wir wirklich noch nicht erlebt! Neben dem Titel und einem Plastikpokal dürfen wir nun als Preis auf dem SummerSummit Festival am 12. Juli in Oschatz performen. Hoffentlich wird das genauso toll!

Ralph Müller-Wagner: Wo kann man euch mal live erleben? Gibt es da paar Gigs?

The Fowes: Ja, die gibt es. Wir bekommen in letzter Zeit viele Anfragen von Veranstaltern und wir nutzen selbstverständlich jede Gelegenheit eines Gigs. Als nächstes stehen das Crossover Festival am 25. Mai in Grimma und ein Auftritt im Theater der Jungen Welt und auf der Leipziger Messe an. Der Kalender ist schon gut gefüllt.

Ralph Müller-Wagner: Habt ihr musikalische Vorbilder?

The Fowes: Sehr viele verschiedene. Dazu zählen Franz Ferdinand, Bloc Party, Arctic Monkeys, Red Hot Chili Peppers, The Beatles, Mando Diao, um mal einige zu nennen.

Ralph Müller-Wagner: Wie ist das mit den Mädchen? Könnt ihr euch noch vor ihnen retten? Mal ehrlich...

The Fowes: Nein. (lachen) Es gab da schon einige Situationen, die waren echt sehr, sehr grenzwertig...

Ralph Müller-Wagner: Gibt es schon eine eiserne Fangemeinde? Wie wichtig sind euch Fans?

The Fowes: Unglaublich wichtig! Es ist einfach der Wahnsinn, was die für eine Stimmung bei unseren Konzerten machen. Je wilder sie abgehen, umso mehr Spaß haben wir auch auf der Bühne. Tatsächlich gibt es einen Kreis von inzwischen etwa vierzig Leuten, die zu absolut jedem Gig da sind und für die richtige Atmosphäre im Saal sorgen. Da wird getanzt, lautstark mitgesungen und crowdgesurft, ohne Kompromisse!

Ralph Müller-Wagner: Plant ihr ein erstes Album und habt ihr schon ein Plattenlabel?

The Fowes: Wir planen, demnächst eine EP im Studio aufzunehmen, die wir dann an verschiedenste Plattenlabels verschicken werden. Momentan sind wir noch ohne Vertrag, aber da wird sich hoffentlich bald etwas ergeben.

Ralph Müller-Wagner: Steht euer Proberaum in einem Keller oder ausgebauten Garage und wie läuft eine Probe bei euch ab? Sind da auch Mädels dabei (lacht)?

The Fowes: Zu den Mädchen sagen wir mal lieber nichts. Das bleibt ein Geheimnis (lachen). Wir hatten mal einen abgewrackten Proberaum in einem Keller, der nicht schalldicht war. Leider mussten wir uns einen neuen suchen, nachdem der Schimmel von den feuchten, grünlichen Wänden auf unsere Verstärker übergegangen war. Seitdem proben wir in einem perfekt geeigneten Raum im Haus des Musikvereins Brandis und sind sehr zufrieden damit.

Ralph Müller-Wagner: Was für eine Anlage habt ihr, was für ein Schlagzeug und auf welchen Gitarren spielt ihr, von Rhythmus, Lead oder Bass?

The Fowes: Also der Reihe nach: Nils (Rythmusgitarre) spielt auf einer weißen Epiphone Les Paul Special II über einen Fender Frontman 212r Verstärker, Till (Leadgitarre) spielt eine Fender Squier-Gitarre und auf einem Peavey-Bandit-Amp, Conrad spielt auf einem Pearl Drumset mit Remo Hads, und Sabian- und Zildjan-Cymbals, Hemmi (Bass) spielt auf einem Thunderbird-Bass von Epiphone, benutzt das Beringer Bassvamp als Klangregler, wobei sein Verstärker nicht der Rede wert ist. Die Verstärker sind nur die, welche wir im Proberaum benutzen, da auf Konzerten meist wesentlich bessere Technik vorhanden ist.

Ralph Müller-Wagner: Habt ihr eine Band-Webseite? Wo kann man euch im Netz finden? Auch auf YouTube?

The Fowes: Die meisten Informationen über uns findet man beim Stöbern auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/thefowes. Außerdem lohnt es sich auch, unseren YouTube-Channel zu besuchen www.youtube.com/TheFowesOfficial Auf diesen Seiten findet man alle Konzerttermine, Neuigkeiten, Musik und Videos von The Fowes.

Ralph Müller-Wagner: Dann mal viel Glück euch auf allen Wegen und Bühnen, die die Welt bedeuten. Bis zum nächsten Interview.

The Fowes: Danke, bis zum nächsten Mal.

Interview Uwe Hassbecker

Uwe Hassbecker

Ralph Müller-Wagner: Hallo Uwe, danke, dass du etwas Zeit gefunden hast. Silly ist ja momentan überall in den Medien, bei vielen TV-Stationen und Musiksendern präsent. Und da gibt es einige Schlagwörter: Das neue Album »Kopf an Kopf«. Gratulation. Wie lange habt ihr daran gearbeitet und wann wurde der erste Ton, der erste Gedanke daran aktiviert?

Uwe Hassbecker: So genau lässt sich das gar nicht sagen. Wir haben ja während der noch laufenden Alles Rot Tour schon Skizzen gesammelt, zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten Songschnipsel und Melodien ins Handy gesäuselt. Das Song schreiben geht dann automatisch in die Produktion über. Das wird immer mehr zu einem Prozess. Aber man kann sicher sagen, dass wir ca. eineinhalb Jahre im Studio daran gearbeitet haben.

Ralph Müller-Wagner: Wie entwickelt sich die erste musikalische Idee? Ist der Text zuerst da oder die Melodie? Hast du immer gleich ein Riff und eine Harmonie auf der Gitarre parat? Und dann musst du dir ja echt Gedanken bei der Entwicklung des Songs machen, wie du ihn durch deine verschiedensten Interpretationsmöglichkeiten der Saiteninstrumente musikalisch ins Leben rufst. Du spielst ja nicht nur Gitarre und Geige.

Uwe Hassbecker: Bei uns gibt es eigentlich fast alle Spielarten. Manchmal werden Texte vertont, manchmal entstehen Text und Musik parallel. Ich persönlich bevorzuge aber, zuerst zu komponieren. Da ich meistens sehr großen Wert auf schlüssige und runde Melodien lege, muss sich die Melodie in diesem Fall nicht dem Text unterordnen, sondern bleibt federführend. Oft geht es mit kleinen Skizzen auf der Gitarre los, oder mit einer Melodie, die ich im Kopf habe. Ich versuche alles sofort festzuhalten und singe oder spiele es in mein iPhone. Das kann mitunter zu skurrilen Situationen führen, wenn ich beispielsweise mitten in einem Meeting oder bei ner Party was in mein Handy summe. Man darf aber nicht damit warten, sonst ist unter Umständen Minuten später die vielleicht genialste Idee einfach weg.
Später höre ich mir die ganzen Skizzen an und schnappe mir zuerst die, die mich am meisten packen. Das passiert dann oft schon im Studio, wo ich dank der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, relativ schnell das Klangbild, dass sich während der Arbeit in meinem Kopf bildet, umsetzen und hörbar machen kann. Das beschränkt sich dann nicht nur auf Gitarre und Violine, sondern passiert mit allen verfügbaren Instrumenten. Manchmal ist es aber auch ne ewige Fummelei und nicht jede Idee stellt sich als gut heraus.

Ralph Müller-Wagner: »Kopf an Kopf« ist ein dynamisches, qualitativ gutes Album mit feinsinniger Analyse im typischen Silly-Sound geworden. Gratulation. Alltagsgeschichten werden in Balladen erzählt, die authentisch sind, mit denen man sich durchaus identifizieren kann. Tansportieren Silly mit dem Album, wofür sie in der Gesellschaft stehen? Darf man es auch politisch nennen?

Uwe Hassbecker: Ja klar, kann man es auch politisch nennen. Allein vom Song „Vaterland“ ausgehend, bleibt Dir gar nichts weiter übrig. Aber wir haben uns noch nie als Politrockband begriffen und Tagepolitik ist für unsere Lieder nicht geeignet. Das ist zu vergänglich. Für uns ist wichtig, dass die Lieder Bestand haben und vielleicht auch noch in 20 Jahren funktionieren. Uns gibt es ja schon eine kleine Weile und es ist schön, zu beobachten, dass so was funktionieren kann. Viele der alten Songs aus der SILLY-Schatzkiste sind dank ihrer Texter Werner Karma, Gerhard Gundermann und nicht zuletzt Tamara sehr klug und mit Weitblick gedacht und erscheinen heute in einem völlig neuen Licht, aber nicht weniger aktuell. Wir greifen gerne auch gesellschaftliche, oder zwischenmenschliche Themen auf, die die Menschen berühren und in denen man sich vielleicht auch selbst wiederfindet. Vielleicht wird so was auch immer wichtiger, je mehr Zeit vergeht und je mehr man erlebt hat.
Aber wenn’s brennt, machen wir schon den Mund auf. Das kann sich auch in Aktionen äussern, wie zum Beispiel beim gemeinsamen Konzert mit Udo Lindenberg und vielen anderen Künstlern, gegen Rechte Gewalt im Dezember 2011 in Jena.

Ralph Müller-Wagner: Anna Loos zeichnet sich beim neuen Projekt als bedeutende Lyrikerin aus. Wie wichtig sind Texte für euch? Sind diese Spiegelbild eurer innersten Wünsche, Hoffnungen und Vorstellungen?

Uwe Hassbecker: Texte, Inhalte spielen für SILLY schon immer ne entscheidende Rolle. Den Grundstein dafür hat nachhaltig Werner Karma in den achzigern gelegt. Wir wollen einfach etwas mitteilen, weil wir was zu sagen haben. Anna hatte schon beim Alles Rot Album das Bedürfnis eigene Texte mit einzubringen. Aber sie war noch nicht so weit. Nun bei Kopf an Kopf hat sie einen großen Teil der Texte mit geschrieben und ihre Gedanken und Gefühle hineingebracht. Insofern ist das Album sehr authentisch, weil es eben die eigenen Zeilen sind, die von ihr gesungen werden. Manchmal sind das bestimmt auch Geschichten aus ihrem Leben, oder Beobachtungen aus unserem.
Texter, oder auch Komponist für SILLY zu sein, ist bestimmt nicht leicht. Die Latte hängt einfach verdammt hoch und manchmal ist es auch kein einfacher Prozess, bis wir alleine unter uns vieren zufrieden sind. Am Ende aber ist es eine kreative Auseinandersetzung, die nur eines zum Ziel hat, Kopf an Kopf das Optimum zu erreichen.

Ralph Müller-Wagner:Ist »Kopf an Kopf« im eigenen Studio produziert? Falls ja, was habt ihr da für eine geile Anlage, denn das Album ist technisch hochwertig produziert?

Uwe Hassbecker: „Kopf an Kopf“ ist eine Art Patchwork Produktion. Viele der Songs haben ihren Ursprung in unserem Studio, dass auf jeden Fall alle Voraussetzungen für eine moderne, hochwertige Produktion erfüllt. Ein wichtiger Ort, an dem sehr viel entsteht und wo am Ende auch die Fäden wieder zusammenlaufen. Dort wird beurteilt, was tauglich ist und was neu gemacht werden muss. Einige Songs sind dann auch bis zum FinalMix dort geblieben. Mit anderen sind wir, nachdem wir die Basics bei uns aufgenommen haben, weiter ins Valicon Studio1 und 2 gezogen und haben dort sehr intensiv mit unseren Coproduzenten Ingo Politz und Bernd Wendland gearbeitet. Es ist gut, jemanden zu haben, dem man vertraut, der von „aussen“ draufguckt und hilft die Songs in die richtige Richtung zu lenken. Viele der Drumparts wurden im Valicon Studio4 von Mic Schröder aufgenommen. Für einige Orchestersounds und Konzertflügel sind wir zu Ole in die Tonscheune Oleak gegangen.
Zwei Songs haben ihren Ursprung im kleinen Studio von Anna und einer davon ist dann von Moritz Enders und Alexander Freund im Tritonus Studio zu Ende produziert worden. Ein drittel des Albums hat Moritz gemischt, ein drittel Ingo und Bernd und ein drittel ich. Also Patchwork im wahrsten Sinne des Wortes.

Ralph Müller-Wagner: Wie viel Zeit investiert man z. B. um den charismatischen Song »Im See« einzuspielen?

Uwe Hassbecker: Das ist so genau schwer zu sagen. Da gab es eine Entwicklung. Am Anfang war eigentlich nur die Melodie mit den Harmonien auf ’ner Akustikgitarre und ein Soundbild, was ich im Kopf hatte. Dann beginnt noch ohne Text die Arbeit. Du musst Dir ’ne Songstruktur erstellen, sprich Intro, Verse, Refrains, Bridges in eine musikalisch-dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge bringen. Sounds basteln und zusammenbringen, Drummings programmieren, Instrumente einspielen, bis es ungefähr so klingt, wie in Deinem Kopf. Im Fall von „Im See“ haben wir das von Anna mit NaNa besungene Demo dann Werner zum betexten geschickt. Er hatte was das Thema anbetrifft komplett freie Hand und hat aber den Charakter des Liedes so dermaßen gut verstanden, dass wir beim ersten lesen des fertigen Textes Gänsehaut bekamen. Erst damit wird eine Musik zum Lied. Werner sagt immer Komposition und Text sind wie Mutter und Vater des Songs. Wir sind sozusagen die Eltern von „Im See“. Besser kann man es nicht beschreiben. Was das Klangbild anbetrifft, inspiriert dann so ein Text natürlich nochmal. Ich habe die Struktur leicht verändert, die Chöre mehr verdichtet und versucht dem Stück noch mehr Dramatik zu verleihen. Vieles davon ist übrigens selbst gesungen, zum Beispiel der seltsam anmutende Knabenchor in der Mitte. Höher konnte ich wirklich nicht ;-) Aber zurück zur Frage der Zeit. Ich habe mal nachgeschaut, die erste Skizze zu dem Lied ist vom 12.11.2011 und die erste gültige Version mit Text gab es am 21.02.2012. Zwischendurch arbeitet man natürlich auch an anderen Liedern.

Ralph Müller-Wagner: Wo seid ihr demnächst live zu erleben und wo überall im TV?

Uwe Hassbecker: Ab 11.05. startet unsere Tour und alle Termine findet man am besten und sehr aktuell auf www.silly.de. Vielleicht noch ein kleiner Hinweis auf die nächste TV Show, am 04.05.13 – 20:15 Uhr Das Erste – „Klein gegen Groß“ mit Anna im Showduell und uns als Musik Act.

Ralph Müller-Wagner: Spielt ihr bei Konzerten nur Songs vom neuen Album oder auch eure Klassiker?

Uwe Hassbecker: Natürlich sind auch die Perlen aus der SILLY Schatzkiste im Programm. Wir können uns nur schwer entscheiden. Momentan haben wir eine Umfrage auf unserer Homepage. Da können sich alle aktiv an der Gestaltung des Konzertprogramms beteiligen. Wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis.

Ralph Müller-Wagner: Gibt es einen festen Stamm an Fans, die bei all euren Konzerten dabei sind und welche Erinnerungen hast du in all den … ja man kann schon Jahrzehnten sagen, an eure Fans?

Uwe Hassbecker: Na klar gibt es einen festen Stamm. Viele bekannte Gesichter sieht man oft an den verschiedensten Orten in den ersten Reihen wieder. Es ist schon Wahnsinn, was manche auf sich nehmen, um uns mehrfach zu erleben. Alleine die Strecken, die Zeit und dann müssen die ja auch noch übernachten und so. Das zeugt schon von wahrer Liebe zu unserer Musik und vielleicht auch zu uns. Es gibt einem als Künstler ein gutes Gefühl, eine Art Basis. Viele von ihnen haben sich seit einigen Jahren im Sillyfanclub organisiert, der ganz reizend von unseren „Wilden Mathilden“ Antje und Romy betreut wird. Die beiden gehen hier und da auch schon mal an ihre Grenzen, was die Fanclubarbeit anbetrifft. Wir versuchen so gut es geht, mit kleinen Aktionen wie Fanclubtreffen oder ähnlichem etwas zurückzugeben. Das ist natürlich manchmal aus Zeitgründen nicht immer möglich, aber wir bemühen uns ehrlichen Herzens.

Ralph Müller-Wagner: Wie definieren sich Silly? Welche Art von Rock ist für euch bezeichnend?

Uwe Hassbecker: Für SILLY gibt es keine Schublade, weder textlich, noch musikalisch. Wir sammeln auf unserem Weg alles auf, was uns interessant erscheint und manches davon fließt auch in unsere Lieder ein. In jedem Fall ist es ein breites Spektrum, mit hohem Anspruch an uns selbst und immer von Veränderung geprägt. Kein SILLY Album ist wirklich wie das davor und trotzdem sagt man uns eine Handschrift nach, einen roten SILLY Faden, der alles zusammenhält.

Ralph Müller-Wagner: Silly ist wieder eine verschworene Musiker-Familie. Auch wenn es mal eine längere Unterbrechung gab, eure Musik, verbunden mit aussagekräftiger Lyrik, war und ist immer aktuell in den Herzen eurer unzähligen Fans. Was ist das Geheimnis von Silly? Ist es mehr als Erinnerungen, Motivation, Uwe? Ist es immer noch Tamaras Vermächtnis, der Mythos dieser bewundernswerten Seele, die über euch schweben, wie eine energiegeladene Kumuluswolke, schön, unvergesslich und unverwechselbar? Oder war es ein Aufbruch zu neuen Ufern, einer neuen Identität?

Uwe Hassbecker: Die Antwort liegt teilweise in Deiner Frage. Es ist ein Aufbruch, es ist Veränderung, es ist die vielleicht sinnlose Suche nach Vollkommenheit. Die werden wir wahrscheinlich nie erreichen, aber es lohnt sich sie anzustreben. Dabei fällt mir unser Lied „Die Ferne“ ein. Stillstand ist der Tod. Natürlich haben wir unsere Vergangenheit, auf die wir stolz sind und mit der wir untrennbar verbunden sind, so wie mit Tamara. Das ist unsere Basis und aus der entsteht Neues.

Ralph Müller-Wagner: Wie lange wird es Silly noch geben? Bis zur Rockerrente, so wie bei unseren legendären Puhdys?

Uwe Hassbecker: Schauen wir, wo uns die Reise hinführt. Musik, die Bühne und der Applaus sind auf jeden Fall gute Drogen, mit hohem Suchtpotential.

Ralph Müller-Wagner: Nun zum Gitarristen Uwe Hassbecker. Du bist in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Deine Mutter Eva Hassbecker war Opernsängerin. Dein leiblicher Vater Herbert Kegel Chef der Dresdener Philharmonie, dein Stiefvater Thomas Müller Komponist und Dirigent und dein Bruder Björn Casapietra ist Tenor. Kommst du auch aus der Klassik und was hat dich damals am Blues, Jazz, Soul, Rock fasziniert?

Uwe Hassbecker: Die Freiheit. In der klassischen Musik bist Du sehr an vorgegebene Muster gebunden. Im Prinzip käust Du wieder, was andere schon millionen mal vor Dir getan haben. Immer und immer wieder. Natürlich muss es auch das geben und es war sicherlich auch ne gute Schule für mich, aber auf Dauer wurde mir das zu eng. In der Rock – und Popmusik bist Du frei. Du kannst viele Dinge beim spielen für Dich selbst entdecken und so im besten Falle Deinen Stil entwickeln, der Dich unverwechselbar macht.
Ich hatte vielleicht meinen eigenen musikalischen Kopf und der hat sich in mir durchgesetzt. Natürlich hatte ich das Glück, mit SILLY eine Heimat zu finden, in der ich alles ausleben kann, auch meine Liebe zur Klassik. Ich denke, auch das ist auf den letzten beiden SILLY Alben nicht zu überhören.

Ralph Müller-Wagner: Du hast in jungen Jahren in der Uschi Brüning Band und bei Modern Soul gejazzt und gesoult, später bei Stern Meissen klassischen und auch Rock gespielt. Unterschiedliche musikalische Genren. Stationen der Erfahrungen und unterschiedlichsten Eindrücke?Bist du jetzt endgültig im Rock angekommen und bleibst da?

Uwe Hassbecker: Ich bin bei dem angekommen, was wir seit Jahren machen. Von jeder Station habe ich bestimmt etwas mitgenommen, bzw. wurde mehr oder weniger davon geprägt. Eigentlich kannst Du es nennen, wie Du möchtest, Hauptsache nicht „Ostrock“ ;-)

Ralph Müller-Wagner: Du stehst mit beiden Beinen bei Silly. Hast du nicht trotzdem mal Bock auf ein Soloprojekt, so wie Steve Vai, Joe Satriani? Du bist ja als begnadeter Gitarrist ein oft gefragter Studiomusiker, filigran aber auch hart und manch einer würde dich gerne mal richtig abrocken hören und sehen. Gibt es da einen Geheimplan, Uwe? In der DDR warst du ja auch bei den »Gitarreros«.

Uwe Hassbecker: Naja, ich habe im Laufe der Zeit schon ein zwei mal darüber nachgedacht, aber meine Arbeit bei und für SILLY erfordert schon sehr viel Zeit. Da bleibt im Moment wenig Raum. Ausserdem begreife ich mich weniger als Gniedelgitarrist, sondern mehr als Gesamtmusiker. Wenn mir in diesem Sinne mal ein schönes Konzept begegnet, wer weiß... Man sollte also niemals nie sagen.

Ralph Müller-Wagner: Welche war deine erste Gitarre, wann hast du zum ersten Mal auf einer Westgitarre (Markennamen) gespielt und wie viel Gitarren besitzt du heute?

Uwe Hassbecker: Meine erste Gitarre war eine sogenannte Wandergitarre, die ich von meiner ersten Freundin geschenkt bekommen habe. Die war ziemlich ramponiert und die fehlenden Saiten habe ich durch Angelsehne ersetzt. Dann habe ich mir das selbst beigebracht. Meine erste Gitarre, die etwas taugte, war eine schwedische „Hagström“, ähnlich einer Gibson SG. Das war so ungefähr 1976. Heute besitze ich schon ein paar mehr. Ich habe so gut wie nie eine Gitarre weggegeben, ausser diese Hagström und eine, die heute im Hardrock Cafe Berlin hängt. Gezählt habe ich nicht, aber da ist schon so einiges zusammengekommen.

Ralph Müller-Wagner: Deine Lieblingsgitarre oder Gitarren?

Uwe Hassbecker: Habe ich ganz ehrlich nicht. Natürlich schälen sich immer ein paar heraus, die ich eine Zeit lang sehr gerne benutze. Aber das ändert sich immer mal. Ich versuche immer die Instrumente zu finden, die zu dem was ich gerade tue am besten passen. Manchmal ein anstrengendes Auswahlverfahren und vor allem Live eine Materialschlacht ;-) Aber bestimmte Dinge gehen eben nur mit bestimmten Instrumenten. Das ist der Preis für unsere musikalische Vielfalt. Im Moment sind es vor allem Gitarren von Duesenberg und Gibson und im akustischen Bereich meine „Dove“ und eine neue der Firma „Breedlove“, die mich inspirieren. Auf jeden Fall habe ich beobachtet, dass mit jeder neuen Gitarre meistens auch ’ne neue Songidee kommt. Also oft eine gute Investition in die Zukunft.

Ralph Müller-Wagner: Feilst du auch am Sound einer eigenen Gitarre, um sie später auf den Markt zu bringen? Vielleicht eine »Hassbecker Stratocaster«, lacht?

Uwe Hassbecker: Sagen wir mal so... Es gibt Gespräche und ich würde mich natürlich freuen, wenn mal so was klappt.

Ralph Müller-Wagner: Wie wichtig sind dir deine Kinder? Keine Frage, dass sie stolz auf ihren Daddy sind. Aber zeigen auch sie musikalische Ambitionen und gibt es sogar gemeinsame musikalische Projekte?

Uwe Hassbecker: Meine Kinder, meine Familie ist neben der Musik das wichtigste in meinem Leben. Sicher war und ist es nicht leicht mit einem Vater wie mir, dessen Leben sich oft nicht nur scheinbar ausschließlich um die Musik dreht. Das ist schon ein sehr egoistisches Leben, aber anders kann man in unserer Branche nicht überleben. Meine Familie ist mein Rückgrat und ohne die Unterstützung meiner Freundin, die als Ärztin auch einen nicht ganz unanstrengenden Beruf hat, könnte ich nicht machen was ich tue. Was sie alles abfedert, ist schon Wahnsinn. Daniel, einer meiner großen Söhne spielt seit einigen Jahren bei SILLY mit. Er spielt Cello, zweite Keyboards und ab und zu auch Gitarre. Er spielt bei uns nicht als Sohn, sondern als Kollege. Daniel hat sich im Laufer der Jahre zu einem sehr zuverlässigen und guten Musiker entwickelt. Sein zweites Standbein ist übrigens Tim Bendzko. Aber auch zu meinen anderen Kindern habe ich glücklicherweise viel Kontakt. Daniels Zwillingsbruder Sebastian besucht uns zusammen mit seiner Freundin ab und zu und wir verbringen wir auch mal ’n gemeinsamen Urlaub. Er hat eher ’n Faible für Malerei und ist ein herzensguter, zuverlässiger Mensch. Na, der dritte heißt Leo, ist sozusagen im Studio groß geworden und wird in einigen Tagen 15.
Er will unbedingt Musiker werden, was ich nicht ganz ohne Sorge beobachte und spielt seit seinem dritten Lebensjahr Schlagzeug. Wie schon auf „Alles Rot“, hat er auch auf „Kopf an Kopf“ wieder einen Song im Studio, nämlich „Vaterland“ eingetrommelt. Und die kleinste heißt Clara, wird bald 7, lernt Klavier und singt einfach wunderbar. Mich würde nicht wundern, wenn sie ähnlich meiner Mutter irgendwann das Opernfach für sich entdeckt. Alles in allem bin ich sehr sehr stolz auf meine Kinder. Durch sie bemerkt man aber auch ganz deutlich, wie die Zeit rennt...

Ralph Müller-Wagner: Hättest du drei Wünsche frei, welche wären das?

Uwe Hassbecker: Gesundheit, Glück für meine Familie und dass ich möglichst lange Musik machen kann.

Ralph Müller-Wagner: Herzlichen Dank für das Interview, persönliches Glück und Erfolg mit Silly und all deinen Vorhaben.

Interview Sigi Heidi Hohner

Sigi Heidi Hohner

Ralph Müller-Wagner: Hallo Sigi, schön, dass du etwas Zeit hast. Sag mal, was ist das für ein Gefühl, wenn man sich als ehemalige Chefin von MTV Deutschland und Medienrummel gewohnt ist, auf eine kleine romantische Insel im Chiemsee zurück zieht, um ganz für seine drei süßen Kinder da zu sein?

Sigi Heidi Hohner: Hallo Ralph! Einen größeren Gegensatz zu meinem früheren Leben gibt es kaum, aber es ist ein tolles Gefühl, weil ich mich einfach getraut habe, noch einmal ganz von vorne anzufangen! Manchmal, wenn ich in Gstadt stehe und auf die kleine Insel schaue, bin ich mir allerdings nicht sicher, ob ich nicht auch ein klein wenig den Verstand verloren habe – aber wenn ich dann übersetze, geht mir das Herz auf und mir fällt ganz schnell wieder ein, dass ich schließlich freiwillig hier bin. Und ein bißchen verrückt, das hat eh noch niemandem geschadet. Und – ich bin ja nicht nur für meine 3 Jungs da, sondern auch für mich selbst und für meine Bücher und die Mediationsakademie meines Mannes. Ich glaube, nur Insel und nur Kinder, das wäre für jemandem wie mich zu monothematisch.

Ralph Müller-Wagner: Wann reifte der Entschluss, war es ein Prozess, diese Entscheidung zu treffen? Und warum Bayern, der Chiemsee?

Sigi Heidi Hohner: Da ist gar nix gereift, das ist einfach – zack – vom Himmel gefallen. In Form einer Anzeige im Internet. Und ich erinnere mich, wie ich vor dem Laptop sass und meinem Mann zurief: „Hast du gewusst, dass man auf der Fraueninsel wohnen kann?“
Nun, jetzt tun wir es selber, seit über drei Jahren.

Es war allerdings schon so, dass ich damals in Berlin Heimweh hatte. Aber nicht nach dem Chiemsee, da kannte ich mich früher gar nicht aus, sondern mehr so diffus nach den Bergen und nach München. Als wir dann allerdings während der Baybpause nach der Geburt meines ersten Sohnes auf unser Häusl hier gestossen sind, dann war mir klar: Das können wir nicht nicht machen. Auf dieser Insel müssen wir bleiben.
Und dann bin ich tatsächlich nicht mehr zurück nach Berlin und habe alles dort aufgegeben.

Ralph Müller-Wagner: Ist die Insel auch eine Insel der Besinnung der inneren Einkehr für dich und hat das was mit deiner Bestimmung nun Autorin und Publizistin zu sein, zu tun?

Sigi Heidi Hohner: Ich bin eine sehr „wepserte“ Person, wie meine Oma sagen würde, und die Insel tut mir gut. Sie hilft mir, zu fokussieren. Berlin bietet so viele unzählige Möglichkeiten, für mich war das Stress, das Gefühl, dass du immer etwas verpasst, egal wofür du dich entscheidest.
Die Fraueninsel und ihre eingeschränkten logistischen Möglichkeiten führen mir außerdem den Luxus des Schreibens vor Augen – denn als Autorin habe ich maximale Freiheit, ich kann einfach überall arbeiten, auch ohne Büro. Ich brauche „nur“ genügend Schlaf, Kaffee, und ein ruhiges Plätzchen. Das kann im Sommer auf der Krautinsel sein. Im Café Inselblick, in einer Bibliothek, im Kloster, egal.

Ralph Müller-Wagner: Ist Piper der einzige Verlag, für den du aktiv bist?

Sigi Heidi Hohner: Ich habe bisher nur bei Piper veröffentlicht, aber ich bin damit natürlich total happy. Bei epubli, einem self-publishing Verlag in Berlin, bin ich in der Jury für deren Buchpreis.

Ralph Müller-Wagner: Wenn du reflektierst und an deine Zeit bei MTV zurück denkst, welcher Pop-Star oder welche Rockband hat dich am meisten während eines Interviews beeindruckt?

Sigi Heidi Hohner: Hmmmmm. David Bowie – der musste einfach nicht viel tun, weil ich ihn einfach schon immer so verehrt habe. Aber dass der dann auch noch so humorvoll und so attraktiv war - Wahnsinn. Und Pink. Sie habe ich mehrmals interviewt, und am Ende fläzten wir immer einfach zusammen auf dem Teppichboden und haben uns über unsere Männer unterhalten wie zwei Girls das eben tun. Sie ist ein absoluter Kumpeltyp.

Ralph Müller Wagner: Interessierst du dich als Autorin hauptsächlich für Probleme der Frauen? Hat das auch was damit zu tun, dass Frauen viele Dinge anders sehen als Männer, wegen der Verschiedenheit beider Psychen?

Sigi Heidi Hohner: Nein. Ich finde sowieso, dass man das nicht trennen kann. Ich kenne sehr „weiblich“ denkende Männer und sehr toughe, freiheitsliebende Frauen, und das ist auch gut so, dass diese doofen Klischees nicht so festgefahren sind. Ich schreibe zwar – bisher – immer aus Frauensicht, aber ich finde, dass in uns Mädels mehr steckt als das Frauenroman-Klischee von der Tussi auf der ewigen Suche nach dem richtigen Typen.

cover

Ralph Müller-Wagner: Vor kurzem war in München Weltpremiere deines neuen Frauenromans »Zipfelklatscher«.Was inspirierte dich, kannst du uns einen kleinen Einblick in den Inhalt geben? Titel und Cover strahlen Humor und Satire aus. Ist das okay?

Sigi Heidi Hohner: Humor und Satire sind genau mein Ding, wenn man niemandem damit wehtut. „Weltpremiere“ war natürlich auch satirisch, denn wo soll so ein Fraueninselroman schon Premiere haben, wenn nicht in der Region? Mich inspirieren die kleinen Geschichten, kurze Begegnungen, ein beiläufiger Scherz. Oft ist es nur ein Gesprächsfetzen von wildfremden Spaziergängern, und schon läuft in meinem Kopf die Geschichtenmaschinierie an.
Der „Zipfelklatscher“ jedenfalls ist die Geschichte der jungen Chiemseefischerin Kati Lochbichler, die zwischen Tradition und One-Night-Stands hin- und hergerissen ist. Die Kati hat sich ihr Leben auch irgendwie anders vorgestellt, aber dann übernimmt sie doch den Betrieb von ihrem alternden Papa – und merkt, wie das so ist, als junge Frau, die plötzlich das Sagen hat und sich nicht dreinreden lassen will, und von Männern schon gar nicht.

Ralph Müller-Wagner: Wirst du das Werk demnächst weiter promoten und wo kann man dich auf einer Lesung persönlich erleben?

Sigi Heidi Hohner: Ja, der Verlag und ich fangen gerade erst an mit dem „Zipfelklatscher“. Die Schauspielerin Marisa Burger (die „Stockl“ bei den Rosenheim Cops), die ja das Hörbuch liest und ich wollen auf jeden Fall noch in Altötting und in der Stallung Kötzing in Chieming lesen – Termine stehen allerdings noch nicht fest, da muss ich mich nach den Drehzeiten von Marisa richten. Und dann schau ich einfach mal, was noch an Anfragen kommt, ich liebe Lesungen.

Ralph Müller-Wagner: Wo kann man denn das Buch überall käuflich erwerben und was sollte man beim Kauf noch beachten?

Sigi Heidi Hohner: Nun, das Buch ist eigentlich in den Läden sehr gut verbreitet, ansonsten kann man es in jeder Buchhandlung oder im Internet (Amazon etc.) bestellen. Und zu beachten ist sicher folgendes: Ich habe jetzt so viele tolle Rückmeldungen bekommen von männlichen Lesern, dass ich nur sagen kann – nicht vom Cover beirren lassen, das ist definitiv Lesestoff für beide Geschlechter!

Ralph Müller-Wagner: Reizt es dich nicht mal ein Kinderbuch zu publizieren? Hast du eigentlich Ruhe zum Schreiben, mit deinen drei Geistern?

Sigi Heidi Hohner: Ich würde sehr gerne ein Kinderbuch schreiben! Im Moment bin ich allerdings – genau wie Du andeutest – froh, wenn ich meine Manuskripte fristgerecht abgeben kann, Zeit für Zusatzprojekte habe ich da nicht. Ich kann natürlich nur schreiben, wenn die Jungs – die sind 6 und zweimal 4 Jahre – in Schule und Kindergarten sind. Nachts, wenn sie schlafen, bin ich einfach zu k.o.. Aber mein Mann und ich, wir halten uns den Rücken gegenseitig frei bei unseren Projekten, und wenn ich dann mal Vollgas geben muss, kann ich mich ein paar Tage zum Schreiben komplett verziehen.

Ralph Müller-Wagner: Hast du bereits weitere literarische Pläne und Projekte?

Sigi Heidi Hohner: Das nächste Buch ist ebenfalls ein Fraueninsel-Roman. Es muss im Juni fertig sein und erscheint im November. Titel: „Betthupferl“.

Ralph Müller-Wagner: Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Sigi Heidi Hohner:
Naja, ich wünsche natürlich meinen Kindern alles Glück dieser Welt, Kraft, Klugheit und Gesundheit. Geht das als ein Wunsch durch?
Außerdem glaube ich, dass wir alles von Klimakatastrophe bis Wirtschaftskrise in den Griff bekommen könnten, wenn die Menschen lernen würden, ihre Konflikte aus eigener Kraft und konstruktiv zu lösen.
Und in ihrer so gewonnenen friedlichen Zeit sollte die Menschheit natürlich wahnsinnig gerne Fraueninsel-Romane lesen.

Ralph Müller-Wagner: Dafür viel Glück, vor allem mit den Kindern und danke für das tolle Gespräch. Hast du übrigens eine Autorenwebseite, für Interessierte?

Sigi Heidi Hohner: Nö. Wird vielleicht mal Zeit, oder? Im Moment habe ich als „Heidi Hohner“ eine offizielle Facebook-Autorenseite, da bekommt jeder einen guten und privaten Einblick, was ich gerade mache.

Interview Tino Hemmann

Tino Hemmann

Ralph Müller-Wagner: Bestseller wie »Hugo der unwerte Schatz«, »Der Rat der Planeten« oder der Fantasy-Band »David Knackmann«, alles aus der Feder des sächsischen Schriftstellers und Verlegers Tino Hemmann, den ich hier zum Interview ganz herzlich begrüße und zu seinen Erfolgen gratuliere. Sowohl als engagierten und mutigen Chef des Engelsdorfer Verlages, der sich vor vielen Jahren vom einstigen Selbstverlag zu einem anerkannten Publikumsverlag entwickelt hat, als auch dem vielseitigen Autor Tino Hemmann. Bist du lieber Autor oder Verleger und wie schwer siehst du heute den bisher erreichten Weg?

Tino Hemmann: Definitiv bin ich lieber Autor. Vom Schreiben allein kann ich allerdings meine Familie nicht ernähren. Also hat mal wieder das liebe Geld dafür Sorge getragen, was ich tun muss. Schreiben mutierte bei mir derweil fast zum Hobby.

Ralph Müller-Wagner: Wenn ich deine Publizierungen verfolge, fällt mir auf, dass du sehr aktiv bist. Wie schaffst du das bloß alles unter einen Hut zu kriegen? Verlagsarbeit, Familie, Bücher schreiben, Lesereisen, etc. Wann entstehen denn Tino Hemmanns Geschichten und wohin ziehst du dich zurück?

Tino Hemmann: Das ist unterschiedlich. Am liebsten schreibe ich dann, wenn mir der Verlagsalltag über den Kopf wächst. Eine Stunde lang in einer anderen Welt versinken, das hilft ungemein. Ansonsten ist Zeit zum Schreiben – und vor allem zum Recherchieren – nur nachts und selten an Wochenenden.

Ralph Müller-Wagner: Kinder- und Jugendliteratur scheinen dir echt am Herzen zu liegen, neben all den Genren, welche du als Autor bedienst. Hast du erst in den letzten Jahren in den Kinderbuchsektor gefunden und was inspiriert dich, für Kinder und Jugendliche zu schreiben?

Tino Hemmann: Das erste Kinderbuch entstand vor zehn Jahren, als mein mittlerer Sohn acht Jahre alt war. Der Held im Fantasybuch „David Knackmann (1)“ hieß nicht Bastian Hemmann, weil wir dessen Vornamen der Unendlichen Geschichte entliehen hatten. So wurde er auch oft „Bastian Balthasar Bux“ gerufen. „David Knackmann (2)“ kam zwei Jahre später für unseren Jüngsten Benjamin und heißt auch „Die Rettung von König Benny“. Den dritten Band veröffentlichte im vergangenen Jahr. David ist nun bereits 14 und Lesepate in „David Knackmanns unglaublicher Lesenacht der vierten Klassen“. Ziel meiner Kinderbücher ist es, Kinder zum Lesen zu bewegen. Das Feedback der Lehrer zeigt, dass dies auch gelingt.

Ralph Müller-Wagner: Schon allein die Titel und Klappentexte deiner Jugendbücher künden von Frische, Aktualität und vor allem Humor, dass einen echt Spaß und Vorfreude ergreift, die Werke zu lesen. Welche Anforderungen als Kinder- und Jugendbuchautor stellst du an dich selbst und was sollte ein ambitionierter Jungautor bei der Konstruktion der Geschichten beachten?

Tino Hemmann: Meine Kinder- und Jugendbücher sind zwar Fantasybücher, doch sollen sie unbedingt real auf die Leser wirken. Kinder müssen sich mit den Figuren identifizieren können, das ist einer der Grundsteine. Durch die fantastischen Elemente soll Spannung aufgebaut werden, damit die Bücher auch zu Ende gelesen werden.
Ambitionierten Jungautoren empfehle ich vor allem, dass weniger oftmals mehr bedeutet. Eine klare Linie in der Geschichte, die überschaubare Anzahl handelnder und ordentlich beschriebener Figuren und vor allem neue, ausgefallene Ideen, kein Abklatsch vermeintlicher Bestseller. Gemischt mit einer sauberen Sprache, können genau diese Zutaten ein ordentliches Buch ergeben.

Ralph Müller-Wagner : Hast du ein Lieblingsbuch unter deinen Veröffentlichungen, welches du meinen Online-Lesern verrätst?

Tino Hemmann: Ich liebe jedes Buch wie ein Baby, völlig klar, und schätze den Wert natürlich auch nach dem Aufwand der Recherche ein, wo „Hugo“ ganz vorn stehen würde. Für „Und weil die Stunde kommt“ habe ich den Koran gelesen und mich jahrelang mit Afghanistan, Pakistan und Indien beschäftigt, „Misericordias Domini“ ging mir mächtig an die Nieren, denn ein Kind wird zum Selbstmord getrieben, ich versuchte eines der Spiegelbilder unserer momentanen Gesellschaft zu zeichnen, das in einem Szenario aus Horror und Hoffnung endet. „Der Rat der Planeten – Die Gesamtausgabe“ ist das umfangreichste Buch. Im Schreibstil ist wohl der dritte David-Knackmann-Band der beste. Mein erstes Buch (Der Sonnemacher) hatte ich mit 14 fertig, irgendwie ist es mein liebstes, weil ich es in vier Jahren als Kind geschrieben habe.

Ralph Müller-Wagner: Mit „Hugo, der unwerte Schatz“, ist dir ein bewegender Roman über die NS-Verbrechen (Kinder-Euthanasie) gelungen. Eine dunkle Nacht Deutscher Geschichte, die wir niemals vergessen dürfen. Was hat dich damals inspiriert, diese Brisanz zum literarischen Thema zu erheben und welche Erfahrungen hast du mit dem Buch in den folgenden Jahren gesammelt, z.B. bei Lesungen oder Leserbriefen? Gibt es diese?

Tino Hemmann: Oh ja, damit könnte ich viele Seiten füllen. Auslöser, in der Thematik zu recherchieren und das Buch zu schreiben, war eine winzige Pressemitteilung aus Oldenburg, dass dort während der NS-Zeit rund 230 Kinder aus einem katholischen Heim verschwanden, das die Wehrmacht als Immobilie benötigte. Mittlerweile ist nachgewiesen, dass die Kinder in fränkischen Anstalten umgebracht wurden. Während der Recherche wurde mir bewusst – ohne dass ich darüber jemals gehört hätte, dass Leipzig eine Hochburg, wenn nicht gar Auslöser der NS-„Euthanasie“ war. So begann ich hier zu recherchieren. Letztendlich vereint Hugo unzählige Schicksale in sich. Das Feedback war sehr unterschiedlich, zunächst hieß es: „Stimmt ja alles nicht!“, dann kam ein Symposium mit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Leipzig und plötzlich wurde über die Thematik geredet. Und siehe an: „Stimmt ja doch alles.“ Leipzig hat sich zu diesem sensiblen Thema bekannt, mittlerweile gibt es im Friedenspark ein Denk- und Mahnmal für die hier getöteten Kinder (nach über 500 bewiesenen Fällen wurde der Nachweis eingestellt). Die Zeit wirf ihre Schatten auch auf Einrichtungen, die es natürlich noch gibt. Somit versuchen Lobbyisten auch heute noch, den Mantel des Schweigens über all die Gräueltaten zu legen, der satte 40 Jahre ausgebreitet war, hüben wie drüben.
Eine zweite Art des Feedback war das der Betroffenen. Aus den USA, aus Australien und natürlich aus Deutschland, Österreich und Polen erreichten es mich. Oft waren es Geschwister von getöteten oder auch geretteten Kindern, manchmal die, die damals selbst als Kind dem Tod entkamen, aber auch frühere Ärzte gaben sich noch zu erkennen, so zum Beispiel eine alte Dame nach einer Lesung in Duisburg, die sich für das Buch bedankte, damals als Kinderärztin praktizierte und glaubte, alles richtig zu tun. Das glaubten damals eben sehr viele.

Ralph Müller-Wagner: Wie verhält sich das mit deinen literarischen Protagonisten? Sind diese dir schon einmal in deinen Träumen begegnet? Ich jedenfalls habe echt Angst, meine „Helden“ besuchen mich am Ende meines Lebens und halten mir vor, was ich aus ihnen gemacht habe...

Tino Hemmann: Gerade, was Kinder angeht, schlagen sich bestimmte zu Papier gebrachte Dinge natürlich mächtig aufs Gemüt. Bei „Hugo“ saß ich mitunter heulend vorm Rechner. Irgendwann hockte ich in Pirna-Sonnenstein im Keller in der nachgestalteten Gaskammer, die ich im Buch zwar beschrieben, aber erst viel später gesehen habe. Auch da liefen die Tränen.

Ralph Müller-Wagner: Im Rahmen von „Leipzig liest“, während der Leipziger Buchmesse vom 14. – 17. März, präsentierst du deinen aktuellen Fantasy-Band „David Knackmanns unglaubliche Vorlesenacht der vierten Klassen“. Schilderst du kurz, worum es geht?

Tino Hemmann: Aber sicher. Die von allen Schülern der Gesamtschule Neustadt »General Napoleon« genannte Schuldirektorin Frau Napollon legt fest, dass David im ansonsten stets fest verschlossenen und geheimnisvollen Schulkeller ganz allein die Vorlesenacht der vierten Klassen durchzuführen hat. Da sich ansonsten seine Noten merklich verschlechtern würden, muss er die zehn ihm anvertrauten Viertklässler am folgenden Morgen glücklich und vor allem lebendig wieder zurückgeben. Erst als die Kinder am Abend der besagten Nacht im Kellergewölbe gefangen sind, erfahren sie, was diese hundertste Lesenacht der vierten Klassen tatsächlich bedeutet. Der inzwischen vierzehnjährige David Knackmann und seine Viertklässler müssen zehn unheimlich schwere und viele weitere Rätsel lösen! Erst dann wird das bösartige, verrückte und eingebildete Schulhaus sein Gelübde tilgen und sowohl Davids Gruppe als auch die seit hundert Jahren in einem Ölgemälde gefangene Gruppe der allerersten Lesenacht endgültig freilassen! In seinen Rätseln geht das Schulhaus natürlich auf die speziellen Charaktereigenschaften der Kinder ein, so dass sich viele Leser wieder erkennen werden. Ein Zehnjähriger spielt beispielsweise daheim am Rechner FSK18-Kriegsspiele seines Bruders und muss in seinem Rätselzimmer eben dieses Spiel real lösen – allerdings gegen die eigenen Cheats. Ein Mädchen hat schreckliche Angst im wahren Leben und muss Mut beweisen. Ein schmächtiger Junge wird von seinem älteren Bruder schikaniert und muss in einem Wissenstest gegen den Bruder antreten usw. Im Buch verpackt ist natürlich reichlich Wissen, denn alle Fragen und Rätsel werden irgendwie beantwortet und ein wenig Pädagogik.

Ralph Müller-Wagner: Kannst du genauen Termin und Ort deiner Lesung nennen, falls jemand aus der Online-Gemeinde Bock auf den real existierenden und unglaublichen Autor Tino Hemmann hat?

Tino Hemmann: Ich lese am 14.03.2013 - 14:00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse (Leseinsel Fantasy in Halle 2) aus „David Knackmanns unglaubliche Vorlesenacht der vierten Klassen“. Allerdings nur 30 Minuten. In den Schulen geht die Lesung 90 Minuten. Ideal sind übrigens die 5. Klassen.

Ralph Müller-Wagner: Was kann das interessierte Lesepublikum demnächst von dir erwarten? Was ist aus deinen Filmprojekten geworden? Wie mir zu Ohren kam, hattest du sogar ein Date mit Steven Spielberg oder ist das aus dem Urwald der Medienpresse gesickert?

Tino Hemmann: Das ist korrekt. Ich habe ja etliche Drehbücher geschrieben, doch sind die kommerziellen Erwartungen scheinbar zu gering. Es geht heute nicht mehr um gute Filme, sondern ausschließlich um Finanzierung und Refinanzierung. „Hugo“ lag bei Spielberg, der nur noch Projekte aus den eigenen Akademien verfolgt, ebenso bei vielen anderen Produzenten, Gesellschaften und Fernsehsendern. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ralph Müller-Wagner: Dazu wünsche ich ganz viel Erfolg und eine Sprengkraft von Gedanken und Inspirationen, die sich wie das Weltall ausdehnen mögen, in deinem persönlichen Universum, lacht. Danke für die gepflegte Konversation.

Tino Hemmann: Auch ich danke für das konstruktive Gespräch.

http://www.tino-hemmann.de und www.rat-der-planeten.de

Interview Eva Korhammer

Eva KorhammerRalph Müller-Wagner: Liebe Eva, bevor wir unser Interview führen, nochmals in aller Öffentlichkeit die herzlichsten Glückwünsche zum 80. Geburtstag! Ich glaube, du bist Deutschlands älteste aktive Kinderbuchautorin. Eine schöne Sache, wenn man die Kinder immer im Fokus behält.Was motiviert dich seit so vielen Jahren?

Eva Korhammer: Vielen Dank, Ralph! Ich könnte jetzt einfach sagen: die Kinder! Aber in einem so langen Autorinnenleben kommt noch mehr zusammen.

Ralph Müller-Wagner: „Von Ratzegrün bis Grüne Soße“ heisst eine deiner Werbezeilen. Was verbirgt sich hinter diesen lustigen Begriffen?

Eva Korhammer: RATZEGRÜN ist der freche kleine Ratterich aus meinem gleichnamigen Buch, und mit GRÜNER SOSSE kann man sogar Hunde herbeizaubern. Meine Homepage, auf der man das alles nachlesen kann, heißt übrigens www.kibuko.de.

Ralph Müller-Wagner: Kannst du dich an dein erstes verlegtes Buch erinnern? Wie hieß es und was hat dich bewegt, als du es in Händen hieltest?

Eva Korhammer: Sicher der einzige Erscheinungstermin, den ich nie vergessen werde: der 8. November 1965. An diesem Tag erschien nämlich auch mein erstes Kind, Justin – das Baby zu früh, das Buch zu spät. Meine Hände waren also sozusagen doppelt besetzt. Du kannst dir vorstellen, wie beeindruckt ich war! Der Roman hieß übrigens DIE GUTEN SONNTAGE und handelte von einem Heimkind.

Ralph Müller-Wagner: Wieviele Kinderbücher hast du seitdem veröffentlicht?

Eva Korhammer: So zwischen 25 und 30 – über fast ein halbes Jahrhundert gerät die Zählung ein bisschen ungenau.

Ralph Müller-Wagner: Hast du dich auf Kinderbücher festgelegt oder erstreckt sich deine Arbeit noch auf andere Genres?

Eva Korhammer: Das Kinder- und Jugendbuch ist, auch wegen seiner Möglichkeiten zur Leseförderung, sehr schnell mein Schwerpunkt geworden. Aber natürlich fallen uns „von der schreibenden Zunft“ noch eine Menge andere Texte ein. Zeitgeschichte aus meiner kriegsbestimmten Vergangenheit, satirische Beobachtungen, Märchen für Erwachsene...

Ralph Müller-Wagner: Gab es einen entscheidenden Augenblick, der das Genre Kinderbuch für dich so wichtig gemacht hat?

Eva Korhammer: Ein Augen-Blick war es wohl tatsächlich, und zwar der, den die Lektorin eines damals sehr großen deutsch-österreichischen Jugendbuchverlags während der Frankfurter Buchmesse auf meine Neuerscheinung DIE GUTEN SONNTAGE geworfen hat.
Sie glaubte meine Ader für junge Leser zu erkennen und beauftragte mich mit dem ersten Jugendroman.

Ralph Müller-Wagner: Und dann hat es dich gepackt, weiter für Kinder zu schreiben? Oder kam das erst nach deiner ersten Lesung vor Kindern? Durch den Zauber, der von ihnen ausgeht? Durch ihre Neugier und Unbekümmertheit?

Eva Korhammer: Motiviert hat mich erst einmal der kleine Sohn, der als Dreikäsehoch im Urlaub von mir verlangte, Fortsetzungsgeschichten zu erfinden. Aus denen wurde dann mein erstes Leseanfänger-Buch, mit dem ich vom Friedrich-Bödecker-Kreis auf Tour geschickt wurde. Ehrlich gesagt, hatte ich zunächst großen Bammel davor, so viele Kinder auf einmal zu unterhalten. Aber mein fröhliches, unverfälschtes kleines Publikum hat mich schnell gelockert.

Ralph Müller-Wagner: Zu deinen bemerkenswertesten Anliegen gehört die Lese- und Schreibförderung. Du bist in Kitas, Schulen und Büchereien unterwegs und versuchst, den Kindern etwas über Literatur zu vermitteln. Auch mit deinen Aktivitäten in bundesweit namhaften Netzwerken wie KIBULI oder INFANTASTICA hast du dir einen Namen gemacht. Warum dieses Engagement? Ist dir der persönliche Kontakt mit Kindern so wichtig?

Eva Korhammer: Ich habe einfach entdeckt, dass es nicht genügt, Kinderbücher zu schreiben, im besten Fall sogar einen Verleger dafür zu finden - um sie dann beim Sortimenter schmoren zu lassen. Wir Kinderbuchautoren sollten uns als Klinkenputzer verstehen, die sich mit ihren Förderungsprojekten jeder Institution aufdrängen, wo Kinder lesen könnten! Rauswurf inbegriffen! Nicht jede Schule will auf ihren ohnehin überfüllten Lehrplänen Autorenbesuche stehen haben, zumal sie Zeit und Geld kosten.

Ralph Müller-Wagner: Als große Leistung sehe ich auch deinen Einsatz dafür, dass einige deiner Kinderbücher in Braille-Tastschrift für blinde Kinder erscheinen konnten. Was hat dich zu diesem sicher nicht einfachen Unternehmen inspiriert?

Eva Korhammer: Für diese Antwort schäme ich mich ein bisschen. Ich bin nicht von selbst darauf gekommen,sondern ein Verlag für Blindenbücher hat mir vorgeschlagen, meine Kinderbuchtexte in tastbare Punktschrift umzusetzen! Allerdings musste ich auch dazulernen, dass die komplizierte Technik das einzelne Buch unerschwinglich teuer machen würde, ohne groß angelegte Spendenaktionen also nichts ging. Ich bin selbst erstaunt, mit wieviel Chuzpe ich über Jahre Geld für diese Produktionen gesammelt habe! Dafür gehören die „Lesefeste“mit blinden Kindern aber auch zu meinen schönsten!

Ralph Müller-Wagner: Du hast aber schon wieder ein neues großes Anliegen, dessen Ver-wirklichung du dir sozusagen zum Geburtstag gewünscht hast: Die AKTION SCHULTÜTENBUCH. Wo und wann findet sie statt? Was verbirgt sich dahinter? Und darfst du schon verraten, was die Kinder erwartet?

Eva Korhammer: Die Idee wurde, meine ich, in der Zeit unserer INFANTASTICA geboren. Es geht darum, den Erwachsenen rund um kleine Schulanfänger klar zu machen, dass nicht nur Schnökerkram und Spielzeug in die Schultüte gehören, sondern auch ein Buch für Leseanfänger. Anfangs war die Begeisterung für diese Aktion groß und es kamen jede Menge Bücherspenden zusammen. Vielleicht scheiterte eine regelmäßige Fortsetzung an der Unmöglichkeit, Bücherspenden qualitativ in den Griff zu kriegen. Vielleicht auch an der Bereitschaft der Schulen, diese zusätzliche Aktion zu schultern. Jedenfalls habe ich mich frühzeitig mit meinem Verlag „verbündet“ und mir zum Geburtstag gewünscht, einen ganzen Einschulungs-Jahrgang mit meinem Erstleser-Titel DAS GLAUBT WIEDER KEIN FLOH! beschenken zu dürfen. Die Bücher sollen an einem Lesespaß-Morgen am 26.09.12 in der Egestorff-Grundschule in Hannover überreicht werden.

Ralph Müller-Wagner: Eine sehr vielversprechende Aktion, Eva, bei der die Kinder den Lesespaß auch noch mit nach Hause nehmen können. Ob sich die Medien auch dafür interessieren werden?

Eva Korhammer: Schon um einer Fortsetzung der AKTION SCHULTÜTENBUCH willen hoffe ich das sehr! Da sie auch vom Kulturamt der Stadt Hannover unterstützt wird, bin ich ganz zuversichtlich.

Ralph Müller-Wagner: Noch einmal zurück zu deinem Werdegang als Autorin. War es schwer für dich, den ersten Verlag zu finden? War es damals für eine Frau schwieriger? Wie bist du mit Niederlagen umgegangen? Bist du so etwas wie einem“inneren Drang“ zum Schreiben gefolgt, um deine Fähigkeit auch gesellschaftspolitisch einzusetzen?

Eva Korhammer: Ich habe Anfang der Sechziger sicher genauso viele Kopien von meinem Erstling verschickt wie die heutigen AutorInnen, nur dass das jetzt weniger Mühe macht. Und Niederlagen dürften wohl berufs-immanent sein. Der Unterschied für mich als Frau bestand darin, dass der Spagat zwischen Familie und Beruf einfach so von mir erwartet und mein Kinderbuch-Engagement gelegentlich als Hobby eingestuft wurde. Sonst gibt es, meine ich, kaum Geschlechts-Präferenzen. In unseren Verbandsverzeichnissen halten sich männliche und weibliche Kinderbuchautoren die Waage. Was den „inneren Drang“ angeht, so mache ich den Kindern häufig klar, dass ich grundsätzlich „mit einem dritten Auge und einem dritten Ohr“ durch die Welt gehe, um Schreibstoff zu sammeln. Und böse Zungen behaupten, wer nicht bei Drei auf den Bäumen sei, würde von mir zur Leseförderung herangezogen.

Ralph Müller-Wagner: Aber hattest du nicht doch auch ein Pfund in der Tasche durch deine langjährige Lektoratsarbeit im damals größsten Frankfurter Verlagshaus? Ein Privileg?

Eva Korhammer: Was mir bestimmt einen Erfahrungsbonus verschafft hat, waren die Arbeits-Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Domin, Zuckmayer, Celan und vielen anderen.
Wenn du so willst, haben die mir auch Mut gemacht, die eigene Schreibe auszuprobieren.

Ralph Müller-Wagner: Welche Bücher liest du selbst in deiner Freizeit? Hast du ein Lieblingsbuch und welche Kolleginnen und Kollegen schätzt du besonders?

Eva Korhammer: Zu den Grundfesten gehört für mich immer noch Erich Kästner, unter den JugendbuchautorInnen z.B. Karlhans Frank und Kirsten Boje. Martin Ebbertz‘ „Paula“ habe ich gerade für mich entdeckt. Und an Spätabenden pendele ich zwischen Jakob Hein, Alissa Walser, Weiler, Damm...

Ralph Müller-Wagner: Arbeitest du an einem neuen Buch? Wann wird es erscheinen?

Eva Korhammer: Neben regelmäßig veröffentlichten Kurzgeschichten oder Sachvorträgen wage ich nochmal einen „Sprung ins kalte Wasser“: zusammen mit einer Münchener Dramaturgin schreibe ich, aus vorhandenen und neuen Geschichten, Scripte für eine Kinder-Rate-Serie. Der Grund: auch wenn das mit den Lesereisen zu Ende gehen muss, möchte ich, dass wir weiter Spaß aneinander haben, die Kinder und ich.

Ralph Müller-Wagner: Sag uns noch etwas zur langjährigen Zusammenarbeit mit deinem jetzigen Verlag und zur Situation des Jugendbuchmarktes überhaupt.

Eva Korhammer:Du sags tzu Recht „jetziger Verlag“, denn während meiner 50 Autorenjahre sind meine drei wichtistgen Verlage ersatzlos verschwunden, und Neu- oder Seiteneinstiege haben ins Leere geführt. 50 Jahre Verlagsbuchhändlerin – das bin ich ja von Beruf! - , da hast du unfreiwillig bei einigen Dramen mitgewirkt! Mich hat die Situation zu noch mehr Eigeninitiative für die Leseförderung animiert.

Ralph Müller-Wagner: Wie leicht oder schwer siehst du das Schreiben von Kinderbüchern?
Würdest du sagen, es gibt handwerkliche und menschliche Grundvoraussetzungen? Wie würdest du Jungautoren Sinn und Gewinn deiner Arbeit vermitteln?

Eva Korhammer: „Leicht“ und „schwer“ gibt es für mich eigentlich mehr bei Dikaten oder sowas. In jedem Fall gilt, dass Kinder- und Jugendbuchautoren das ehrlichste, förderlichste Publikum haben. Ich empfehle aber jedem angehenden Autor, der mich fragt, zuerst an seiner Schreibe zu arbeiten und später an das Genre zu denken. Und nicht einfach nur „Kinderbuchautor werden zu wollen“, weil man Kinder mag. Und bitte niemals zu fragen, „ob Kinderbuchschreiben sich lohnt“. Womit die Frage nach den menschlichen Voraussetzungen auch beantwortet wäre, oder?

Ralph Müller-Wagner: Herzlichen Dank, liebe Eva, für Deine Zeit und dein spürbares Interesse am Thema Kinderbuch. Ich wünsche dir weiterhin so viel Mut und Schaffenskraft und Inspiration, damit ich mich auf das nächste Gepräch zum 85. einstellen kann. Oder zum 90.!

Interview Lone Wolf

Interview mit Lone Wolf

Ralph Müller-Wagner: Hallo Tino, LONE WOLF in frischer Besetzung. Ist das richtig, dass ihr jetzt mit zwei Leadgitarren spielt und nutzt ihr das auch in den Songs, zweistimmig zu spielen?

Tino »Wolf« Zetzsche: Ja, wir haben etwas umgestellt und spielen die Gitarren oft zweistimmig, aber nicht im traditionellen Sinne a la „WISHBONE ASH“ in Terzsprüngen, sondern in Oktavabständen.

Ralph Müller-Wagner: Schwere Gitarren, drückende Beats. Kann man euch als Hardrock Band bezeichnen und wo ordnet ihr euch ein?

Tino »Wolf« Zetzsche: Einfach Rock würde mir schon reichen, aber um der Sache eine eigene Note zu geben, hatte ich es Dinorock getauft. Allerdings hatte ich vor kurzer Zeit einer über sechzig jährigen Frau einen unserer neuen Songs vorgestellt, für sie war das aber eher Radau. ;-)

Ralph Müller-Wagner: Euer Sound ist sehr dynamisch und geradlinig. Welche Bands und welche Art von Musik haben euch beeinflusst?

Tino »Wolf« Zetzsche: Da muss ich unbedingt Jggy Pop and the Stooges nennen, die schon Punkrock spielten, als er noch nicht so hieß. Captain Beefheart, Frank Zappa, Led Zeppelin und CSN&Y, um nur einige zu nennen, waren aber für mich auch sehr wichtig. Doch der wohl wichtigste Einfluss kam von Robert Johnsons Blues.

Ralph Müller-Wagner: Welche Themen verarbeitet ihr in den Texten? Was transportiert ihr zum interessierten Publikum? Einige Songs sind ja sehr sozialkritisch.

Tino »Wolf« Zetzsche: Ich habe in der DDR gelernt, nicht alles zu schlucken was mir vorgesetzt wurde und da das Leben eines der schwierigsten ist, sind es viele Dinge mit denen ich mich beschäftige.
Es gibt eine Menge Künstler die viel Weichspüler in ihre Songs mischen. Ich fühle mich innerlich zu anderem getrieben. Jeder hat sein Leben und seine Vorstellung von den Dingen die ihn umgeben. Jeder hat eine eigene Meinung und jeder ist Individualist, auch wenn das in einer mediengleichgesteuerten Gesellschaft langsam einschläft. Meine Songs sind für mich eine Möglichkeit genau das auszudrücken.

Ralph Müller-Wagner: Lone Wolf . Welches Metapher steckt hinter dem Bandnamen? Eher sozialkritisch gemeint, im großen Dschungel der Flachheiten?

Tino »Wolf« Zetzsche: LONE WOLF ist für mich eher, dass wir allein geboren werden und allein sterben werden, auch wenn uns keiner gefragt hat, ob wir das überhaupt wollen.

Ralph Müller-Wagner: Eine ostdeutsche Rockband mit deutschen Texten. Eher aus Tradition zur Ostrock-Klassik?

Tino »Wolf« Zetzsche: Wir sind eine Rockband und sind aus dem Osten, nur mit Ostrock-Klassik habe ich nun gar nichts am Hut, da ich die DDR und ihre protegierten Ja-Sager-Bands total beschissen fand und immer noch beschissen finde.
Ich habe LONE WOLF erst 1996 gegründet. In Ostzeiten durfte ich nicht einmal in die Tschechei reisen und so habe ich eben viel gelesen und Gitarre geübt.

Ralph Müller-Wagner: An welchen Projekten arbeitet Lone Wolf momentan?

Tino »Wolf« Zetzsche: Im Moment schreibe ich neue Songs, die wir gerade peu a peu arrangieren.

Ralph Müller-Wagner: Wann geht es wieder ins Studio? Denkst du noch an den letzten Gang zurück, wo es ziemlich dramatisch wurde?

Tino »Wolf« Zetzsche: Zurück denke ich nicht mehr. Das war für mich das erste Projekt welches wirklich schief lief, sieht man mal von einigen Idiotentests ab. Es sieht so aus, dass wir in diesem Jahr noch eine Studiosession haben.

Ralph Müller-Wagner: Hast du nicht Lust, wieder ein Soloprojekt zu starten oder ist es mit der Band innovativer?

Tino »Wolf« Zetzsche: Ja klar, ein Soloprojekt ist in Arbeit, das ist aber noch schwer geheim.

Ralph Müller-Wagner: Lone Wolf touren in Ostdeutschland. Tante JU ist dabei euer Heimstadion. Was sagt ihr euren Fans?

Tino »Wolf« Zetzsche: Zieht euch LONE WOLF rein, wann immer wir spielen und geht aus euch raus.

Ralph Müller-Wagner: Wann erobern Lone Wolf den Westen?

Tino »Wolf« Zetzsche: Wir spielen wann immer wir eingeladen werden.

Ralph Müller-Wagner: Würdet ihr auch mal auf großen Events spielen, wie Rock am Ring oder so?

Tino »Wolf« Zetzsche: Klar sehr gern.

Ralph Müller-Wagner: Danke für das Interview, Tino. Weiterhin viel Erfolg, damit der Wolf nie aufhört zu heulen.

Tino »Wolf« Zetzsche: Rock’n’Roll will never die!!!

Interview Inna Surzhenko

Inna Surzhenko

Ralph Müller-Wagner: Hallo Inna. Ich freue mich sehr, endlich einmal mit einer waschechten Pianistin und zugleich Sängerin zu plaudern. Wie gelangt eine Ukrainerin nach München? Willst du die Musik erobern, so wie die Klitschko-Brüder den Boxsport?

Inna Surzhenko: Hallo Ralph, es freut mich ebenso mit Dir auf diesem Wege plaudern zu können. Ich lebe in Deutschland (in München bereits seit 16 Jahren ). Deswegen bezeichne ich mich längst nicht als Ukrainerin :) Aus Politischen Gründen sind wir damals umgezogen und ich freue mich sehr hier zu sein. Ob ich die Musik erobern will... Ich will ...ich würde sagen, ich will mit der Musik vertraut und im Einklang leben, weil wir uns gegenseitig viel anzubieten haben :)))

Ralph Müller-Wagner: Als Pianistin kommst du gewiss aus der Klassik oder täusche ich mich da? Wie bist du zur Musik gekommen? In welchem Alter hast du begonnen? Was hattest du für eine Ausbildung? Erzähl mal bitte.

Inna Surzhenko: Du hast vollkommen Recht: Ich komme aus der Klassik. Habe in der Ukraine mit 4 Jahren begonnen. Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich , dass es vorbestimmt war. Vielleicht ja auch, weil meine Mutter eine hervorragende klassische Pianistin ist. Sie hat von Kindheit an mir die Richtung gezeigt. In der Ukraine habe ich die spezielle Schule für außerordentlich musikalisch begabte Kinder absolviert. Dann sind wir nach Deutschland abgewandert, wo ich in der Musikhochschule studiert habe, unter anderem beim Gerhard Oppitz im Aufbaustudium.

Ralph Müller-Wagner: Und wie verhält sich das mit der Sängerin Inna? Gab es diese zuerst oder die Pianistin und hattest du auch Gesangsunterricht?

Inna Surzhenko: Gesang war schon immer meine Leidenschaft. Bereits als Kind wollte ich immer in unterschiedlichen Inszenierungen und Vorstellungen teilnehmen, wo gesungen werden sollte. Das hat soooo viel Spaß gemacht. Als ich Teenager war, merkte ich, es konnte ja auch was werden. Man sagte, meine Stimme wäre klanglich interessant und speziell. Dann in Deutschland hatte ich Glück von einem Produzenten angesprochen zu werden und mir gelang es in einer großen Musicalproduktion teilzunehmen. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich damals sehr frisch und unerfahren war. Aber die Profis um mich herum, haben mich fasziniert. Dann dachte ich, ich bräuchte unbedingt professionelle Hilfe für meine Stimme und war 3 Jahre bei einer wunderbaren dunkelheutigen Gesanglehrerin. Das hat mich weiter gebracht. Und zur Zeit lässt es sich ja mit dem Klavierspiel wunderbar kombinieren. Es ist immer am einfachsten sich selbst zu begleiten und die neuen Seiten dabei zu entdecken!

Ralph Müller-Wagner: Was gibst du jungen Talenten mit auf den Weg, die nach oben wollen?

Inna Surzhenko: Ich würde den jungen Leuten empfehlen zielstrebig zu sein, immer realistisch. Niemals den Boden unter den Füssen verlieren. Man braucht immer Fleiß und auf jeden fall Glück. Und nur mit offenen Augen und Herzen kann man es sehen und spüren, was richtig ist.

Ralph Müller-Wagner: Darf ich fragen, welche Preise du bisher abgeräumt hast?

Inna Surzhenko: Ich habe noch in der Ukraine mehrere Preise als Pianistin und Sängerin gewonnen. Hier in Deutschland waren es auch viele in verschiedenen Bands und Besetzungen. Als Pianistin in der argentinischen Tango Formation "Luis Borda Ensemble" habe ich auf mehreren großen Festivals gespielt unter anderem Rheingau Musik Festival, Schloss Elmau, Tango Festival in Paris .

Ralph Müller-Wagner: Hattest du in der Ukraine großes Publikum und in welchen Ländern hast du mit welchen Projekten gastiert?

Inna Surzhenko: In der Ukraine war ich als Interpretin der jüdischen Lieder bekannt. Damals ist ja der eiserner Vorhang gefallen und die jungen Menschen, die sich für verschiedene Kulturen interessierten, hatten endlich mal die Gelegenheit, das offen zu tun . Meine Vorbilder waren die Barry Sisters und wir haben mit meiner besten und auch sehr musikalischen Freundin damals auch ein ähnliches Duo Project gemacht. Wir waren 15 Jahre alt beide und sehr populär :)))
Jetzt hat es sich so ergeben, dass ich ein eigenes Project habe, welches in Russland gut läuft.
Eine internationale Musikertruppe, wir schreiben unsere eigenen Songs, die gut ankommen!!

Ralph Müller-Wagner: Welche musikalischen Genre hast du bereits durchwandert? Möchtest du eines davon missen und welche Art von Musik machst du heute? Wie umfassend ist dein Repertoire?

Inna Surzhenko: Wie gesagt, ich komme von der Klassik und die Ausbildung gibt mir enorm viele Möglichkeiten in den anderen Genres. Sei es Musical, Pop, Soul, Jazz ....wie ich schon erwähnt habe – Tango Argentino. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit habe, mich so vielseitig zu entwickeln, auch den Menschen gegenüber, die mir dabei geholfen haben und auch jetzt inspirieren. Ich möchte nichts davon missen und immer offen für neue Herausforderungen sein.
Mein Repertoire ist sehr groß und was sehr vorteilhaft ist - ich kann sofort am Klavier die Sachen interpretieren, die ich ein mal höre :)

Ralph Müller-Wagner: Du bist eben ein Profi, lacht. War es schwer, die richtigen Musiker für dein aktuelles Projekt zu finden?

Inna Surzhenko: Es gibt sehr viele Musiker, vor allem sehr viele gute Musiker. Um zusammen spielen zu können, braucht man nicht nur zusammen passende musikalische Chemie, auch menschliche. Es ist ja wie eine Liebesbeziehung. Es kann physisch wunderbar funktionieren, aber wenn die geistige Ebene nicht stimmt, geht es nicht lange. So ist es auch, wenn man in einer Band zusammen kreativ und gut arbeiten möchte. Ich habe einen langen und nicht ganz leichten Weg auf der Suche nach meinen Musiker  gemacht. Dafür bin ich jetzt belohnt worden :))

Ralph Müller-Wagner: Was verbirgt sich hinter dem Projekt DJANE I.N.N.A.? Haben die Initialen I.N.N.A. eine besondere Bedeutung?

Inna Surzhenko: Als DJane bin ich seit 3 Jahren tätig. Es ist ja auch sehr praktisch, als Musikerin. Man kennt die Musik, man hat auch ganz anderen Bezug zum Dancefloor. Ich habe mich damals nur mit den technischen Sachen vertraut gemacht. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich zu der "alten Schule" gehöre, die immer noch mit CDs und nicht mit PC Programmen arbeitet ;)
Es macht mir Spaß, die Leute auf diesem Wege zu unterhalten. Auch wegen der großen Altersunterschiede. Der total verschiedenen Geschmäcker. In einem Moment richtig zu erraten, was die Leute hören wollen, ist da eine ganz besondere Herausforderung, die ich immer mit Vergnügen eingehe. Der Name I.N.N.A ist keine Abkürzung, sondern mein Name bisschen anders verpackt .

Ralph Müller-Wagner: Singst du bei deinen Live-Events neben Englisch auch in Deutsch oder deiner Muttersprache und wie reagiert das interessierte Publikum, immerhin deine Fans?

Inna Surzhenko: Ich singe in mehreren Sprachen. Englisch, Deutsch, Russisch, Italienisch, Hebräisch. Bei mir steht die Musik im Vordergrund und alle die Texte will ich ja auch immer verstehen. Wenn der Zuhörer spürt, meine Lieder kommen vom Herzen, spielt es keine Rolle, was für eine Sprache das ist. Musik ist auch Sprache, ein Mittel von Kommunikation zwischen den Völkern.

Ralph Müller-Wagner: Darf man dich als Vollblutmusikerin bezeichnen?

Inna Surzhenko: Ja, ich denke man kann mich so bezeichnen ;)))

Ralph Müller-Wagner: Wo kann man dich demnächst hören und sehen und welche musikalischen Ausflüge plant Inna noch?

Inna Surzhenko: man kann mich in Oktober mal live und öffentlich ( was In der letzten zeit selten der  fall ist) im bayerischen hof erleben ,im Piano Bar... Ich und meine kollegin sängerin Svea bauen wieder ein sehr interessantes Programm auf .... Mehr Sage ich nicht ,kann nur versprechen das es spannend wird.
Ausserdem steht wieder Russland Tour bevor.und es fängt die arbeit an dem zweiten Album.

Ralph Müller-Wagner: In einem deiner Videos sieht man dich mit dem Keybord Rock spielen. Wie stehst du zum Rock? Wäre das nicht mal was für dich, eine Rockband ins Leben zu rufen?

Inna Surzhenko: Rock Musik finde ich super, aber für mich ist interessant, wenn es anders kombiniert ist, mit Jazz und Blues Elementen.

Ralph Müller-Wagner: Hast du nicht das Bedürfnis, ein Album zu machen? Gibt es da vielleicht Pläne?

Inna Surzhenko: Ich  habe in mehreren CD Produktionen bereits mitgewirkt und neulich ist ein eigenes Album von meiner Band "Spur Project 0rchestra, welches in russischer Sprache  erschienen ist, wir arbeiten jetzt an dem zweiten.

Ralph Müller-Wagner: Wie lebt es sich in Deutschland, in einem Land der Freiheit und der Menschenwürde? Wir Deutschen können doch auch richtig Party machen, oder?

Inna Surzhenko: Ich bin gerne in Deutschland und Party könnt ihr auch so richtig machen! Kann ich als DJane nur bestätigen.

Ralph Müller-Wagner: Wie siehst du die politische Entwicklung in der Ukraine? Wirst du irgendwann wieder in deine Heimat zurückkehren?

Inna Surzhenko: Die politische Entwicklung  in der Ukraine betrifft mich persönlich nicht. Aber ich finde es ist noch weit entfernt von der Demokratie und es dauert noch sehr lange, bis eine Gesellschaft sich im Klaren ist, was und vor allem wohin die tatsächlich will. Ich habe nicht vor zurück zu kehren, da ich nicht dorthin gehöre!

Ralph Müller-Wagner: Okay. Es war schön mit dir zu plaudern, Inna. Persönliches Glück und weiterhin Erfolg für alle deine Projekte. Danke, dass du etwas Zeit für meine Leser und für mich hattest.

Inna Surzhenko: Vielen Dank, lieber Ralph, ich konnte ja mal wieder Revue passieren lassen. Dank dir, ebenso alles Gute!!!!!

Interview Chris Arnold

Chris Arnold

Ralph Müller-Wagner: Hallo Chris. Hört man deine Songs, denkt man sofort an große Welthits aus der Blues/Rockszene. Du beherrscht dein Instrument wie ein Gitarrengott und man denkt nicht, ein deutscher Musiker ist der Urheber dieser herrlichen Harmonien mit Wiedererkennungswert. Wie hast du das geschafft?

Chris Arnold: Habe nach längerer Pause, als ich in der DDR 1984 nicht mehr öffentlich auftreten durfte, dann 1986 in die BRD ausreisen durfte, mit nur ein paar Koffern und meiner EPIPHONE Gitarre, bei null mit Familie neu anfangen müssen, was ja in der BRD nicht einfach war. Es gab für mich da auch keine Chance mit Musik wieder Geld zu verdienen, so wie es ja in der DDR für mich als Berufsmusiker leicht war, davon gut zu leben. Also, ein langer auch harter Weg begann, mit Wohnungssuche, Arbeit zu bekommen und auch alles was man brauchte, wie Wohnungseinrichtungen und PKWs anzuschaffen.
Alles haben wir, meine Frau und ich zusammen geschafft, aber für Musik keine Zeit und auch kein Geld, um das, was man alles für Livemusik brauchte anzuschaffen...
Nun, kurzum, erst 2002 habe ich wieder alles so langsam beginnen können. Auch die ersten eigenen Songs konnte ich nun auch mit meinem neuen kleinen Studio selber beginnen. Dies alles brauchte seine Zeit.

Ralph Müller-Wagner: Okay. Das erklärt einiges. Aber in deinem Spiel steckt so viel Soul, so viel Herz, so viel Gefühl, dass man denkt, die Musik sei nicht von dieser Welt. Liegt das vielleicht an deinen jahrzehntelangen Erfahrungen oder steckt dein Talent seit Kindertagen in dir? Du bist jenseits der Sechzig. Respekt?

Chris Arnold: Nun, es liegt vielleicht zum einem an der Vererbung von meinen Eltern…
Vater immer als sehr begabter Pianist und Chorleiter, sowie später Gesangslehrer und meine Mutter, die auch in Chören gesungen hatte und auch Geige, Klavier und Gitarre spielen konnte, geerbt habe. Habe ja auch schon mit 6 – 12 Jahren klassischen Geigen Unterricht bekommen. Habe aber schon damals mich sehr für die Rock und dann später auch den schwarzen Blues Musik begeistert.

Ralph Müller-Wagner: Welchem Genre des Blues fühlst du dich wahrlich hingezogen?

Chris Arnold: Dem schwarzen Blues sowie R&B und der Rock Musik…

Ralph Müller-Wagner: Welche Musikrichtungen beeinflussten dich? Vom Gesang her und aus der Sicht des Gitarristen?

Chris Arnold: beeinflusst wurde ich von Musikern wie Santana, Dire Straits, BB King, Eric Clapton und John Lee Hooker…

Ralph Müller-Wagner: Wie umschreibst du deine Art Blues? Mehr amerikanisch statt deutsch?

Chris Arnold: Nun, die amerikanische Art der Blues Musik liegt mir im Blut…

Ralph Müller-Wagner: Wie siehst du die Blues/Rockszene in Deutschland?

Chris Arnold: Die Rock/Blueszene ist in Deutschlan immer noch mehr was für Kenner und Liebhaber…

Ralph Müller-Wagner: Welche Stationen hast du während deiner Musikerkarriere durchlaufen? In welchen Bands hast du gespielt und hattest du auch eigene?

Chris Arnold: Das erste Mal habe ich mit meiner ersten Band „Rinaldos“ in Erfurt mit 16 Jahren auf Bühnen gestanden, z.B. in Berlin 1964 zum Deutschlandtreffen. Dann gründete ich 1964 mit meinem Freud Edgar Janta die Band „Moonlights“, in Erfurt. Danach 1966 habe ich in einer Armeeband in Berlin mitgespielt. 1968 gründete ich die Band „Die Drei“ in Erfurt. Als der Bluesgitarrist Waldi Weiz dazu kam, wurde der Name in „Modern-Blues Band“ umbenannt. Es folgten noch 2 weitere Bands, die nicht so waren wie ich es wollte, so dass ich eine Neuauflage der Band „Modern-Blues Band II“ mit anderen Musikerer begann. Bis ich die neue Band „UNIVERSUM“ in Erfurt 1972 mitgründete. Meine letzte Band habe ich 1979 in Erfurt unter den Namen “Rockkestra“ bis zu meinem Verbot der DDR Behörden 1984 im April mit gespielt…

Ralph Müller-Wagner: Momentan hast du ein Projekt One-Man-Band. Bei der Klasse deiner Arrangements hättest du doch leicht eine Band zusammen?

Chris Arnold: Das ist hier in der hohen Rhön wo ich seit 1997 ein Haus gekauft habe, sehr schwierig, denn die Musiker die ich brauche, wohnen alle sehr verstreut in Deutschland.

Ralph Müller-Wagner: Dein Instrumentalstück WATERWORLD ist ein Himmel voller herrlicher Harmonien. Was hat dich inspiriert? Man schließt die Augen und hört förmlich den Fluss des Wassers in allen Variationen. Ein musikalisches Kunstwerk…

Chris Arnold: Freue mich, dass Du das so wie ich es mir selber vorgestellt habe gelungen ist.

Ralph Müller-Wagner: Wie lange brauchst du, um so ein Werk zu kreieren, bis hin zur Produktion im Studio?

Chris Arnold: Das ist verschieden, der Song, ca. 2 Tage… aber manche Songs dauern Wochen…

Ralph Müller-Wagner: Wo kann man deine Alben kaufen? Dein aktuelles Projekt und wo kann man deine Kunst demnächst bewundern? Arbeitest du bereits an einem neuen Albeum?

Chris Arnold: Nun, meine Songs sind nicht zu kaufen, da sie nicht über GEMA laufen…
Hatte schon 5 Alben, aber nur für Freunde und Liebhaber meiner Songs, dann in kleinen Stückzahlen produziert… nicht alle Gigs sind öffentlich und wenn kann man sie auf meiner FB-Seite oder meiner MySpace Seite sehen sowie meiner HP…

Ralph Müller-Wagner: Wo treibt es Chris Arnold noch hin? Was hast du für Pläne?

Chris Arnold: Direkt Pläne habe ich nicht, da ich nun schon seit Juli 2012 das Rentenalter von 65 Jahren erreicht habe, aber wer weiß schon was die Zukunft bringt???

Ralph Müller-Wagner: Vielen Dank für das Interview, Chris. Weiterhin viel Erfolg und bleib so schön authentisch bluesig…

Chris Arnold: Danke für das Interesse und für das Interview.

Interview Ela Roxx & EBC Roxx

ela roxx

Ralph Müller-Wagner: Hi Ela, schön, dass wir miteinander etwas über deine musikalischen Projekte plaudern. Man kennt dich in der Szene als Rocksängerin, die in den letzten Jahren Erfahrungen in diversen Bands sammelte. Kannst du meinen interessierten Lesern kurz schildern, welche Art von Rockmusik du da mit welchen Bands transportiert hast?

Ela Roxx: Hi Ralph, sehr gerne ! Nun, es fing alles mit diversen Rock Coverbands an. Meine erste eigene Band gründete ich vor einigen Jahren, das war Com'n rail.
Com’ n Rail transportiert den Classic Rock. Ich hatte damals 2004/05 eine große Support Tour mit Chris Norman durch ganz Deutschland, über 40 Shows. Eine schöne Zeit, die ich nie missen möchte. Natürlich hatten wir dann eine eigene Clubtour und diverse Shows auf Open-Airs. Dann gibt es da auch EBC. Bestehend aus J.R. Blackmore, Tony Carey und mir. Hier wurden Songs geschrieben für die Fan's des Motorsport. Deshalb nennen wir das ganze auch „Rock’ n Racing ;-) Mit Jürgen Blackmore habe ich meinen Song „Out of time „ neu recordet und dann später auf seinem Projekt „Voices“ meinen Beitrag geleistet! Ein Werk, das sich absolut sehen lassen kann! Ich mag es sehr...
Es gibt nun auch noch ein neues Projekt, über dieses rede ich aber noch nicht , da es in Planung ist...

Ralph Müller-Wagner: Aus welcher musikalischen Welt kommt Ela Roxx eigentlich? Gab es schon in deiner Kindheit den inneren Drang, sich zu produzieren? Spielst du ein Instrument und hattest du Gesangsunterricht?

Ela Roxx: Seit ich denken kann, bin ich dem Rock angetan. Ich habe schon als kleines Kind diesen Musikstil allen anderen vorgezogen. Den Drang nun nicht unbedingt mich zu produzieren - aber ich wollte immer Sängerin sein, wo wir dann schon beim Thema Gesangsstunden wären!
Ich hatte 7 Jahre klassischen Unterricht (man kann das auf J.R.'s Album hören, es sind 3 Oktaven). Nebenbei kamen dann auch noch diverse Workshops wie Powervoice etc dazu. Ich spiele ein bisschen Gitarre...(zu schlecht für die Bühne , aber um Ideen umzusetzen reicht es ;-) )

Ralph Müller-Wagner: Was hat Ela Roxx außer Musik noch für Interessen und Hobbys? Gibt es da Favoriten?

Ela Roxx: Ja, einige! Ich bin sehr dem Motorsport angetan. Dann habe ich 2 kleine Hunde, die mich auf Trab halten …. Sport ist ein großes Thema! Ich trainiere gerne.

Ralph Müller-Wagner: Wie stehst du zur Klassik? Bach, Beethoven, Mozart, Vivaldi und diesen Leuten? Ihr Einfluss für die Rockmusik ist bedeutend, wenn ich da an DEEP PURPLE oder Emerson, Lake & Palmer denke.

Ela Roxx: Sie sind die Genies unter den Musikern. Ohne diese genialen Menschen glaube ich wäre die Musik - Evolution stagniert! Und durch den klassischen Gesang hatte ich sowieso schon immer die Verbindung zur Klassik. Natürlich, und das ist das wunderbare, können wir gerade im Rockbereich die Klassik optimal nutzen.

Ralph Müller-Wagner: Hast du musikalische Vorbilder. Welche Sängerin oder Band beeinflusste dich? Von den männlichen Kollegen mal abgesehen, lacht.

Ela Roxx: Klar, ich glaube jeder hat Vorbilder... Ich stehe total auf Ronnie James Dio, für mich ein Jahrhundertkünstler. Schade, dass er nicht mehr unter uns weilt... Ich mochte schon immer Iron Maiden, Twistet Sister, UFO aber auch Janis Joplin. Wenn ich nun alle aufzählen müsste, reicht glaube ich der Platz hier nicht ;-)

Ralph Müller-Wagner: Wie denkst du über die aktuelle Popmusik, teilweise auch Rockmusik, wo sich die Songs eigentlich alle ähneln und nur in der Qualität ihrer Texte unterscheiden. Viele Gitarristen verzichten auf das Leadsolo, tödlich für einen Rocksong, wie ich meine.

Ela Roxx: Nun, ich finde: jeder muss selbst wissen was er macht. Es gibt ja überall gute Sachen, aber im Thema Leadsolo gebe ich dir recht ! Es kommt schon total gut, wenn ein gutes Solo eingebaut ist!

Ralph Müller-Wagner: Wie ist dein Verhältnis zum Deutschrock? Würdest du auch Songs mit deutschen Texten singen?

Ela Roxx: Im Moment nicht. Nicht, weil ich das nicht gut finde, es gibt guten Deutschrock. Aber ich kann es mir zur Zeit einfach nicht vorstellen. Und meine Fan's kennen mich Englisch singend. (Vielleicht kommt das ja irgendwann noch.)

Ralph Müller-Wagner: Hast du dein Solo-Debutalbum »Passion« selbst produziert, alles Songs geschrieben?

Ela Roxx: Ich hatte bei diesem Album einen gutes Produzenten Team an meiner Seite, meine Ideen wurden eingebaut und das ein oder andere habe ich zum Teil auch geschrieben. Ich bin offen für alle Sachen die man mir anbietet. Soll heißen, auch wenn ich viele Songs, die meiner Feder entstammen in der Schublade liegen habe, ist es kein absolutes muss, nur meine Songs zu recorden. Gefällt mir etwas, dass ich angeboten bekomme, habe ich nichts dagegen mich dafür zu entscheiden!

Ralph Müller-Wagner: Was ist interessanter? Solokünstlerin oder Sängerin in einer Band?

Ela Roxx: Nun, so gesehen war ich schon immer Solokünstlerin, da ich meine Bands erschaffen und ins Leben gerufen habe! Ich will einfach ich selbst sein, das kann man besser als Soloact. Aber ich bin allem gegenüber offen.

Ralph Müller-Wagner: Könntest du dir vorstellen, die Frontfrau einer Woman-Rockband zu sein oder ist es eher schwierig, so viele Musikerinnen unter einen Hut zu bringen?

Ela Roxx: Klar, warum nicht? Ich glaube es gibt, wenn ich nur Deutschland nehme, genug fähige Mädels die rocken können, dass der Putz bröckelt ;-)

Ralph Müller-Wagner: Okay, lacht. Was macht den Reiz aus, Frontfrau einer echten Rockband zu sein, in der eben nur Männer spielen?

Ela Roxx: Darüber habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht, vielleicht liegt das daran, dass ich das nicht Geschlechtsabhängig mache oder machen mag. Wichtig ist letztlich doch nur, dass alle gut zusammen passen, die Hütte rocken können und man Spaß zusammen hat!

Ralph Müller-Wagner: Denke ich auch. Wohin treibt die Musik Ela Roxx in der Zukunft? Kannst du das heute schon sagen?

Ela Roxx: Nun, der Rockmusik bleibe ich treu - also ich verbiege mich nicht. Es müssen immer Bass, Gitarren, Drums und Keys sein ;-) Um es auf den Punkt zu bringen: In die richtige Richtung (hoffe ich).

Ralph Müller-Wagner: Okay. Out of Time ist eine richtig gute CD geworden. Da geht’s richtig zur Sache. J.R. Blackmore-Sound, Drückende Beats, schwere Gitarren und deine markante Stimme, welche unter die Haut geht. Mit welcher Intuition seid ihr ins Studio gegangen?

Ela Roxx: Danke. Mit einer guten !! Es sind ja dann auch Ideen und Gedankengut vorhanden die man unbedingt verewigen möchte! Und ich denke genau, das hört man ja auch auf der CD.

Ralph Müller-Wagner: Interessant ist, dass bei EBC. Roxx ein prominenter Musiker mitspielt. J.R. Blackmore, Sohn vom King of Guitar Ritchie Blackmore, einst bei DEEP PURPLE. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit J.R. Blackmore? Man trifft doch diese Persönlichkeiten nicht einfach so auf der Straße?

Ela Roxx: Nun, mein Song Out of Time wurde damals an der Ostsee zum Sommerhit gewählt und als ich diese tolle Nachricht bekam, war ich bei einem Radiosender in Hamburg und hatte ein Interview, die Redakteurin spielte dann einen Song von J.R. an und ich war begeistert von seinem Gitarrenspiel! Dann kam mir die Idee, dass ich J.R. einfach mal drauf anhaue die Gitarren zu Out of Time in seinem Style beizusteuern... Gesagt getan, ich schickte ihm das Mp3 mit der Anfrage und irgendwie kam prompt zurück : Sofort! Rock’ n roll!!! So kam die Zusammenarbeit.

Ralph Müller-Wagner: Herzlichen Dank für das Interview, Ela und weiterhin viel Erfolg. Rock on :)

Interview FEEDBACK

Ralph Müller-Wagner: Meine lieben Freunde, NO LIES ist ein schönes, dynamisches Album geworden. Herzlichen Glückwunsch. Ich kann es mir, wie auch eure anderen Alben, x-mal hintereinander anhören, ohne mich zu langweilen. Was ist das Geheimnis eures Erfolges? Plaudert man so was aus, denn dann ist es ja kein Geheimnis mehr (lacht)?

Christian Ries: Es freut mich sehr, dass Dir das Album gefällt. Ein Geheimnis gibt es nicht (lacht). Positiv auf unsere Musik wirkt sich sicherlich aus, dass wir schon viele Jahre gemeinsam auf der Bühne stehen, dieselbe Art von Rockmusik lieben und wirklich nur Songs spielen, die uns gefallen, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen.

Ralph Müller-Wagner: Schon vom ersten Akkord an wird einem das musikalische Fundament bewusst, auf dem FEEDBACK steht: Rock ’n’ Roll und Bluesrock. Man kriegt gleich richtig gute Laune bei Rock ’n’ Roll is King, grölt mit oder sollte das Tanzbein strecken, mit dem passenden Mädel im Arm. Wie seht ihr das?

Christian Ries: Genau das ist unsere Absicht. Mit Songs wie Rock ´n´ Roll is King, Sing my Song und Come Around soll ganz einfach unsere Freude an der Rockmusik zum Ausdruck gebracht werden, die wir mit vielen anderen Menschen, besonders unseren Fans und Freunden teilen.

Ralph Müller-Wagner: Okay. Vom ersten gesungenen Ton an hört man da auch eine sehr talentierte neue Stimme bei FEEDBACK. Wie kam es zur Findung?

Christian Ries: Ende 2010 stieg unser Leadsänger Oli Olschewski alias Jack Lower bei FEEDBACK aus, um sich der klassischen Musik zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass wir 2011 ins Studio gehen würden, um ein neues Album aufzunehmen, zumal die meisten neuen Songs schon fertig komponiert waren. In diesem kritischen Moment, ohne Sänger, war es ein echter Glücksfall, dass Lorenz, unser Bassist, Roland »Rogl« Gläser kannte, den Frontmann einer erfolgreichen Coverband, und ihn gleich zu unserer nächsten Bandprobe einlud. Sehr schnell war jedem von uns klar: er ist es! Klasse Stimme und netter Typ, das überzeugte uns auf Anhieb. Umso glücklicher waren wir, als er sofort zusagte, bei uns mitzumachen.

Ralph Müller-Wagner: Roland, welche Fügung führte dich zu FEDDBACK? Aus deiner Sicht. Du bist die neue Stimme der Band und ich finde, identisch zur musikalischen Aussage und vor allem authentisch. Von leise bis rockig, du hast alles drauf.

Roland »Rogl« Gläser: Die Fügung hat einen Namen (lacht), Lorenz „Lolli“ Doppel. Er kannte mich als Frontman einer bekannten fränkischen Coverformation. Ich kannte Lolli ebenfalls flüchtig und wusste, dass er Bass in einer Münchner Band spielt und dass da auch ein Abt mitspielen soll (lacht). Mehr wusste ich bis dato nicht. Zu der Zeit, als er mich anwarb, wohnten wir im gleichen Ort. So kam es, dass wir Sylvester 2010 zusammen in derselben Kneipe feierten. Wir kamen ins Gespräch und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte bei seiner Band einzusteigen, da der bisherige Sänger von FEEDBACK gerade aufgestiegen und die Band auf der Suche nach einem Neuen war.
So kam es, dass wir uns kurz darauf zusammensetzten und Lolli mir die Rohsongs, die aufs neue Album kommen sollten, vorspielte. Ich war sofort vom Material überzeugt. Also bekam ich die Texte und die Rohsongs mit, um mir die Lieder draufschaffen zu können. Teilweise war auf den Rohaufnahmen mein Vorgänger zu hören. Ich wollte Ihn aber gesanglich nicht einfach kopieren, sondern etwas Neues produzieren. Ich versuchte, nicht einfach zu covern, sondern wollte meinen Style mit einfließen lassen. Also versuchte ich die Songs neu zu interpretieren.
Dann hielten wir die erste Bandprobe zusammen ab. Wir spielten die vorbereiteten Songs und ich hatte sofort ein gutes Gefühl - wir harmonierten :). Ein paar Tage später erhielt ich eine Mail, dass ich dabei wäre… YES.
Das war natürlich alles mega aufregend für mich.

Ralph Müller-Wagner: Gibt es bei Roland »Rogl« Gläser auch eine musikalische Vorgeschichte? In welchen Bands hast du gesungen oder gespielt?

Roland »Rogl« Gläser: Ja die gibt es: Angefangen hat alles mit der Liebe zum Schlagzeug. Mein größter Wunsch als Kind war immer ein Schlagzeug. Meine Eltern taten das als Hirngespinst ab und teuer war so ein Schlagzeug damals ja auch. Also baute ich mir aus Eimern und Folien mein eigenes Schlagzeug (sogar eine Fußmaschine baute ich mir aus Holz (lacht). Dann endlich, mit 14, konnte ich mir ein gebrauchtes Schlagzeug kaufen. Zusammen mit zwei Cousins gründeten wir eine Band (Drums, Keys, Guitar). Wir erspielten uns schnell einen sehr guten Namen als Stimmungs- und Tanzband auf unzähligen Hochzeiten, Kerwas und Faschingsbällen.
Zwischenzeitlich hatte ich auch ein Jahr Schlagzeugunterricht.
Parallel dazu war ich auch Marschtrommler und Ausbilder der Schlagwerker bei einem Musik- und Fanfarenzug. Der Gesang war in dieser Zeit für mich immer noch zweitrangig, ich sang zwar in vielen Liedern die zweite Stimme, bei einigen Songs auch die erste Stimme, aber an erster Stelle stand für mich immer noch das Schlagzeug. Die Band wurde größer, wir gaben uns einen anderen Namen und wir verlagerten uns mehr auf Coverrock. Ein Freund von mir (auch Drummer) spielte ab und zu in der Band mit und ich konnte immer wieder mal live als Frontman agieren. Am Anfang für mich sehr ungewohnt, da ich jetzt ja kein Schlagzeug vor mir hatte, sonder „nur“ einen Mikrofonständer, aber ich leckte Blut (lacht). So kam es, dass ich irgendwann nur noch „vorne“ stand, ich wurde Frontman und Sänger.
Die Bands waren: Erlbach Trio, Tabasco, Big Chili, Eddie meets chicken.

Ralph Müller-Wagner: Wie wurdest du bei FEEDBACK aufgenommen? Und wie fühlt man sich gegenüber dem Sänger, welcher die Band so viele Jahre begleitet hat, ich meine Jack Lower?

Roland »Rogl« Gläser: Ich wurde sehr sehr gut von der Band aufgenommen. Die Jungs gaben mir gleich das Gefühl, voll integriert und ein Teil des Ganzen zu sein. Auch bei Entscheidungen innerhalb der Band wurde ich gleich voll mit einbezogen. Ich war sofort von den Jungs begeistert und anscheinend die Jungs auch von mir (lacht). Ich habe schon bei einigen Bands gespielt oder aber Einblick gehabt, aber der Umgang miteinander und die Harmonie bei Feedback fand und finde ich schon beeindruckend.
Zu meinem Vorgänger:
Ich selber kenne Jack Lower nicht persönlich, ich hatte mir natürlich Videos angesehen von Gigs mit ihm und FEEDBACK, um mir ein Bild davon zu machen, was mich erwarten würde.
Und natürlich ist es immer sehr schwer in die Fußstapfen eines Sängers zu treten, der schon große Fußabdrücke hinterlassen hat (lacht). Umso mehr war dann mein erster Auftritt mit FEEDBACK im November letzten Jahres für mich schon mächtig aufregend, ich hatte keine Ahnung wie mich die Fans aufnehmen würden. Ich hatte wirklich Lampenfieber wie lange nicht mehr (lacht). Umso geiler war es dann, als ich merkte, die Leute rocken mit und der Funke springt über. Nach dem Gig bekam ich viel Zuspruch und positives Feedback von den Fans, dafür bin ich Euch (Fans) immer noch sehr dankbar. Ich denke, positiv für mich war, dass wir gleich ein neues Album herausgebracht haben. Neue Songs, neue Stimme, anderer Style…
Wir schauen nach vorne und nicht zurück.

Ralph Müller-Wagner: Lorenz, beim zweiten Song Memories of Rock geht’s gleich weiter zur Sache. Gut gelungen die Ouvertüre, das Zusammenspiel von Keyboardtasten, Gitarre und Background. Dann folgt gleich ein Riff, welches unter die Haut geht, begleitet von deinen innovativen Basslinien. Ohne Bass wäre der Rock’n Roll oder Hardrock doch nicht dass, was ihn auszeichnet, oder?

Lorenz Doppel: Gerade auch in der Rockmusik sind Groove und Rhythmus das Fundament jedes Songs, und das ist ohne Bass schwer vorstellbar. Speziell im Rock ist der Drive, der durch das exakte Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug entsteht meines Erachtens wichtiger, als sich als Bassist durch ständige Soli und Läufe auszuzeichnen. Manchmal ist hier weniger mehr. Das Bass-Spiel muss zum Gesamtbild passen, sich einfügen und natürlich Akzente setzen, ohne aufdringlich zu sein. Das ist für mich der perfekte Rockbass, Wie im richtigen Leben: Man merkt erst, was man an ihm hat, wenn er nicht mehr dabei ist (lacht).

Ralph Müller-Wagner: Wolltest du von Anfang an Bass spielen, was fasziniert dich an diesem Instrument?

Lorenz Doppel: Na ja, Cheesy (Christian Ries) und ich wollten eine Band gründen und er hatte sich schon ne Gitarre zu Weihnachten gewünscht, da blieb mir nur noch der Bass übrig (lacht). Spaß beiseite, es war schon so ähnlich, als wir gemeinsam den Entschluss einer Bandgründung fassten, stand für uns beide die Verteilung der Instrumente von vornherein ohne große Diskussionen fest, und mir wurde klar, mein Part ist der Bass… Was mich an diesem Instrument fasziniert, habe ich schon oben beschrieben, auch wenn Christian behauptet, es wäre der schicke längere Hals beim Bass gewesen, der mich damals zu diesem Instrument bewogen hätte (lacht). Nein, es ist die Gratwanderung zwischen präsent zu sein ohne aber ständig im Vordergrund zu stehen. Das reizt mich.

Ralph Müller-Wagner: Perfect Girl, der dritte Song erfreut sich des interessierten Ohres der ersten Ballade des Albums. Rocker schreiben nicht umsonst die schönsten Balladen aller musikalischen Richtungen. Was inspirierte den Komponisten und Texter zu diesem Song? Gibt oder gab es da ein Mädchen seiner Träume?

Christian Ries: Lacht. Stimmt, der Titel ist doch ziemlich eindeutig und die Lyrics sind tatsächlich autobiographisch. Die musikalische Grundidee dieses Songs entstand schon vor vielen Jahren und begleitete mich seitdem in verschiedenen Variationen auf der Akustikgitarre. Für die neue CD versuchte ich daraus einen kompakten Song zu arrangieren und eine passende Melodie zu finden. Für mich ist es ein sehr persönliches Lied, das meiner Freundin gewidmet ist, und all denjenigen Mut machen soll, die auf der Suche nach der Liebe ihres Lebens sind!

Ralph Müller-Wagner: Das hast du sehr schön gesagt, Cheesy und ich muss gleich an meine Prinzessin Vera denken, lacht. Ab dem vierten Song kehrt die Band zu ihren musikalischen Wurzeln zurück. War das so gewollt? Diskutiert ihr eigentlich über den Ablauf der Titel, welche Reihenfolge und so?

Christian Ries: Stimmt, Devil´s Paradise ist als klassische, geradlinige Rocknummer gestrickt, der Mittelteil mit den Dudelsäcken soll übrigens an die frühen Jahre von AC/DC erinnern. Grundsätzlich entstehen die Songs zunächst ja völlig unabhängig voneinander. Memories of Rock basiert auf einer Idee von Peter und wurde zusammen mit mir und Rogl bei Bandproben weiterentwickelt und geschliffen, bis alle zufrieden waren. Auch wenn ich der Band quasi fertige Lieder als mp3-Demos vorstelle, entscheiden alle gemeinsam, ob der Song so gefällt und zu uns passt. Die Abfolge der Lieder auf der CD überlegen wir uns dann erst im Studio, wenn mal die ersten Mixe vorliegen. Bei No Lies waren wir uns da sehr schnell einig. Komplizierter mit der Reihenfolge ist das vor unseren live Konzerten, wo wir uns oft zähe Diskussionen liefern über die "ideale" Abfolge der Songs, um einen passenden Stimmungsbogen bei den Zuschauern zu erzeugen.

Ralph Müller-Wagner: In Sing my Song hört man einen weiblichen Part. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Virginia Egea gekommen und wer ist die bemerkenswerte Sängerin?

Christian Ries: (Lacht). Diese Kompliment werde ich gerne an Virginia weiterleiten. Sie ist meine Freundin und bisher eigentlich nicht als Sängerin in Erscheinung getreten. Als ich beim Komponieren von Sing my Song mit meiner eigenen Stimme (wie immer) sehr unzufrieden war, bat ich Virginia darum, die Melodie einzusingen. Die Demoversion mit Virginias Stimme kam dann bei Band und Produzent im Studio so gut an, dass Rogl das Lied dann als Duett mit Virginia eingesungen hat.

Ralph Müller-Wagner: Christian, du bist für Lead, Rhythm & Acoustic Guitar verantwortlich, wobei, wenn ich bemerken darf, für mich die Leadgitarre Seele der Band ist. Großes Bravo an dich, denn du lebst diesen Status, in deiner ganzen Bescheidenheit, was mir imponiert. Du hast so ziemlich alle Songs geschrieben und getextet, als Vollblutmusiker. Was inspiriert dich musikalisch? Fallen dir Melodien auch während der Arbeit im Labor ein, weil du ja auch als PD Dr. rer. nat. in der Krebsforschung arbeitest? Respekt übrigens...

Christian Ries: (Lacht). Danke für das Lob und die lustige Vorstellung, mich mal von Molekülen und Zellen zu Melodien inspirieren zu lassen… Songideen entstehen bei mir immer spontan, etwa wenn ich am Abend nach der Arbeit meine Gitarre zur Hand nehme. Dann höre ich mich plötzlich Licks oder Akkordfolgen spielen, die mir unbekannt sind und mich in dem Moment irgendwie beeindrucken. Wichtig ist, diese Ansätze sofort mit dem mp3-Recorder festzuhalten, denn schon einen Augenblick später spielt man die Betonung anders und das Besondere an der Idee ist verloren. So entsteht über die Jahre eine große Sammlung an Fragmenten und Entwürfen, wovon ich die eine oder andere irgendwann aufgreife und auf einem kleinen digitalen Boss-Mehrspurrecorder mit Drumcomputer zu einem kompletten Song weiterentwickle.
Was Einflüsse angeht, so denke ich, dass jeder Musiker aus einer Art Ursuppe schöpft, die von verschiedenen Quellen gespeist wird. Einen wichtigen Einfluss dabei nehmen sicherlich die Songs und Sounds, die einen in der Jugend begleitet und geprägt haben. Bei mir waren das Blues-orientierte Rockbands wie etwa Bad Company, Thin Lizzy, Status Quo, AC/DC und ZZ Top. Jimi Hendrix war mir dabei als Gitarrist nie ein Vorbild, eher das schlichte und doch ausdrucksstarke Spiel von Billy Gibbons (ZZ Top) und der warme Les Paul-Sound von Carlos Santana bei Samba Pati, der mich damals wohl sehr geprägt hat. Aktuell fasziniert mich besonders der Bluesrocker Joe Bonamassa, ein großer Perfektionist mit unglaublichem Feeling.

Ralph Müller-Wagner: Okay, deckt sich mit der Inspiration des Leadgitarristen meiner Band Andreas Hinz aus der Jugendzeit (1976-78). Unser erster Titel war auch Samba Pati, weil Andi den Song so mochte. Was unterscheidet NO LIES vom letzten Album ROCK MY SOUL? Welche Einflüsse nimmt man auf, wenn die Band zusammensitzt und über was Neues sinniert? Wie kommt man da unter einen Nenner, in der Summe der vielen Einzelheiten?

Christian Ries: Beide Alben haben viele gemeinsame Gene, aber dennoch eine unterschiedliche Ausprägung, wie bei Geschwistern. Während ROCK MY SOUL vielleicht mehr Rock ´n´ Roll zum Mitsingen bietet, wurde NO LIES nach meiner Einschätzung thematisch ernster und musikalisch härter, so gesehen vielleicht auch erwachsener. Immerhin liegen zwischen beiden Alben 10 Jahre. Man setzt sich in der Zwischenzeit aber nicht zusammen und sinniert über neue Wege. Vielmehr ist es eine Entwicklung, die jeder in der Band über Auswahl und Gestaltung neuer Songs aktiv mit steuert.

Ralph Müller-Wagner: No Lies (Jesus), über diesen Song sollten wir auch mal sprechen. Anklage und eher etwas ironisch? Jesus wird ja vom Sänger laut aufgefordert und um Aufmerksamkeit gebeten, in einem frischen bluesrockigen, eher amerikanischen Arrangement? NO LIES, auch der Titel des Albums, darf man das hinterfragen?

Christian Ries: Natürlich, wir freuen uns sehr, dass Du die Texte hinterfragst, worauf viele Journalisten leider oft verzichten und stattdessen in ihren Beiträgen lieber auf altbekannte Klischees mit dem Abtprimas setzen. Der Song No Lies knüpft an Notkers erstes Buch "Worauf warten wir" an. Es geht um politische und persönliche Misstände in unserer Gesellschaft und im kleinen Alltag, die durchaus zu ändern wären. Aber viele Menschen geben dafür immer Anderen die Schuld. Seien es die Politiker, die eigene Umgebung oder eben eine angeblich Gott-lose Kirche ("Jesus, tell me no lies"). Anstatt sich dem eigenen Schicksal zu ergeben und auf ein "fucking wonder" zu warten, appelliert das Lied an die Eigeninitiative der Betroffenen, ohne die es keine Verbesserung ihrer Situation geben kann.

Ralph Müller-Wagner: Eine Betrachtung, die mir imponiert. Klasse! Was sind Eure Lieblingssongs vom Album, an alle? Habt ihr Favoriten?

Christian Ries: Perfect Girl und Retribution liegen bei mir ganz weit vorne.

Peter Hoffmann: Neben Memories of Rock sind das auch meine Favoriten, Live sind Nummern wie Come Around toll, weil wir hier das Publikum direkt mit einbeziehen können und das macht natürlich richtig Spaß.

Roland »Rogl« Gläser : Ich kann mich da ganz schwer festlegen. Ursprünglich war es Memories of rock. Doch ich entdecke immer wieder neue Facetten der Songs und es gibt immer wieder mal andere Spitzenreiter in meiner Hitliste des neuen Albums.

Lorenz Doppel: Meine Favoriten sind Help me und No Lies, da sieht man doch, dass auf der CD für jeden was dabei ist…

Christof Hieber: Bei mir sind es Perfect girl, Help me und Time to say goodbye.

Ralph Müller-Wagner: In all den Songs eurer Alben, sprecht ihr sozialkritisch gesellschaftliche Themen an, die euch berühren. Kann man das so interpretieren? Und wie verarbeitet man ein solches Thema in Verbindung mit der Musik?

Christian Ries: Ja, das stimmt, es sind gesellschaftliche Themen dabei, wie etwa auch die Verbohrtheit religiöser Fundamentalisten und brutaler Diktatoren in Rock the border. Einige Texte befassen sich mit Erfahrungen und Schicksalen aus unserem persönlichen Umfeld, wie Alkoholismus in Help me, Enttäuschungen in der Partnerschaft in Retribution, oder dem Abschiednehmen von einem geliebten Menschen in Time to say goodbye. Bei mir entsteht immer zuerst die Musik, die mich dann zu einem Text inspiriert. Erst beides in Kombination entfaltet die volle Wirkung, wobei für mich persönlich stets die Musik ausschlaggebend ist. Wir wollen niemanden belehren, höchstens zum Nachdenken anregen. Aber primär wollen wir mit unserer Musik einfach unterhalten.

Ralph Müller-Wagner: …was euch immer wieder gelingt, (lacht). Wie steht ihr zur deutschen Texten in der Rockmusik, was ja die ostdeutschen Bands bis heute authentisch macht, weil sie in der ehemaligen DDR keine englischen Texte schreiben durften. Wird es in naher oder ferner Zukunft auf einem FEEDBACK Album einen solchen Song geben?

Peter Hoffmann: Ich persönlich höre Rocksongs lieber mit englischen Texten, aber das liegt vor allem an der Klangfarbe der für meinen Geschmack „harten“ deutschen Sprache. Deutsche Texte in Mundart gesungen und damit „weicher“, wie z.B. von BAP oder auch Hubert von Goisern finde ich ganz gut, aber meine Texte werde ich vermutlich weiterhin in Englisch schreiben. Wenn allerdings die Band in demokratischer Abstimmung einen deutschen Text absegnet, dann wird es auch einen solchen Song auf dem nächsten Album geben.

Lorenz Doppel: Man soll ja nie nie sagen, aber als alter Classic Rocker sehe ich uns eher mit englischen Texten verbunden, auch für die Zukunft.

Roland »Rogl« Gläser: Ich stehe deutschen Texten sehr positiv gegenüber. Aber ich denke, es ist ziemlich schwer deutsche Texte in gute Rockmusik zu verpacken. Wenn dies gelingt, kann es dich richtig mitnehmen oder berühren. Trotzdem finde ich, ist Englisch die internationale Sprache des Rock ’n‘ Roll.

Ralph Müller-Wagner: FEEDBACK haben den Anspruch, die einzigste Rockband der Welt zu sein, in welcher ein geistliches Oberhaupt, wie Abtprimas Notker Wolf, die Bühne rockt. Wie geht man damit um, ein solches prominentes Bandmitglied in den eigenen Reihen zu wissen?

Peter Hoffmann: Wir erheben diesen Anspruch nicht, eher die Medien. Notker kam zu uns, weil sich 1991 beim Circus St. Ottilien eine schöne Gelegenheit ergab, gemeinsam zu rocken. Und nachdem das allen richtig Spaß machte, ist es dabei geblieben. Das war allerdings lange bevor Notker Abtprimas wurde.
Die Prominenz des „rockenden Abts“, wie er spätestens seit 2003 mit Veröffentlichung der ROCK MY SOUL von den Medien bezeichnet wird, bringt uns zweifellos Bekanntheit und tolle Auftrittsmöglichkeiten, allerdings ist damit die Musik von FEEDBACK auch sehr in den Hintergrund gedrängt worden. Mit der Veröffentlichung von NO LIES versuchen wir unserer Musik wieder einen höheren Stellenwert zu geben, wobei uns natürlich bewusst ist, dass wir die mediale Aufmerksamkeit auch diesmal wieder Notker verdanken.

Lorenz Doppel: Ich sehe es ähnlich wie Peter. Für uns ist Notker zunächst einmal Bandmitglied und Freund. Er hat uns durch seine Prominenz viel Aufmerksamkeit gebracht. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass zu oft der Person Notker und zu wenig unserer Musik Beachtung geschenkt wird, was im Übrigen gar nicht im Interesse Notkers liegt, für die Presse aber natürlich ein viel interessanteres Thema ist.

Roland »Rogl« Gläser: Durch Notkers überaus natürliche und kumpelhafte Art, ist er für mich ein Bandmitglied wie alle anderen auch.

Ralph Müller-Wagner: Okay. Ihr kennt euch ja aus der Abiturzeit und das ist schon verdammt lange her. War er nicht auch immer ein bisschen der väterliche Beistand, in all den Jahren? Vielleicht auch die schützende Hand, die Band ist ja bis heute sehr diszipliniert und bescheiden?

Lorenz Doppel: Ich denke, weder schützende Hand noch väterlich, eher ein freundschaftlicher Ratgeber, bei dem man immer Gehör findet. Disziplin und Bescheidenheit ist vielleicht eine Folge unserer Erziehung und Geschichte als Internatsband, und den daraus resultierenden unverrückbaren Freundschaften untereinander.

Ralph Müller-Wagner: Ein Wort zu euren Fans. Ist das zarte Geschlecht da in der Mehrheit? Müssen eure Frauen aufpassen? Mal ehrlich, Jungs. Rocker stehen doch hoch im Kurs bei den Mädels…

Peter Hoffmann: Unsere Frauen sind doch unsere größten Fans!

Lorenz Doppel: Kann ich nur bestätigen, sonst würden sie es nicht mit uns aushalten (lacht).

Roland »Rogl« Gläser: Echt? Du sagst Sachen. Habe ich noch gar nicht gewusst, dass Rocker bei den Mädels hoch im Kurs stehen. Dazu müsste Mann Frau sein, um das beurteilen zu können.

Ralph Müller-Wagner: Sehr demokratisch. Wie bekommen Fans Autogramme und vor allem eure Alben zu kaufen? Wo findet man FEEDBACK überall im Internet?

Peter Hoffmann: Unsere Alben gibt es in vielen Internet-Shops wie Amazon, auch zum Download (iTunes etc.), im Handel (Media Markt etc.), in Klosterläden, und natürlich können unsere CDs, auch die älteren, über unsere Website www.feedback-rock.de bestellt werden. Hier kann man sich auch im Gästebuch verewigen oder interessante Backstageberichte über die letzten Auftritte nachlesen. Und natürlich gibt es hier auch eine Kontaktseite über die wir gebucht werden oder sonstige Anfragen gestellt werden können.

Lorenz Doppel: Autogramme gibt es auf Anfrage über unsere Homepage oder über Facebook. Auf unseren Konzerten verkaufen wir immer signierte CDs, Poster, T-Shirts usw.

Ralph Müller-Wagner: Wie sieht euer Tourplan demnächst aus? Wo kann man FEEDBACK hautnah erleben, auf der Bühne oder im Fernsehen?

Peter Hoffmann: Der nächste Auftritt ist am 21.07. in St. Ottilien. Ansonsten sind wir gerade am Erarbeiten unseres neuen Tourplans 2012/2013. Bei Notkers vollem Terminkalender ist das immer ein schwieriges Unterfangen. Sobald aber neue Termine feststehen, werden sie natürlich auf unserer Website www.feedback-rock.de und Facebook veröffentlicht.

Lorenz Doppel: Wer sicher gehen will, kein FEEDBACK Konzert zu verpassen, kann sich auf unserer Homepage kostenlos zum Newsletter anmelden.

Ralph Müller-Wagner: Es war nett mit euch zu plaudern. Der Autor dankt den Musikern von Herzen und wünscht weiterhin viel Erfolg, noch mehr Publikum und persönlich alles Gute, vor allem Gesundheit.

Notker Wolf

Ralph Müller-Wagner: Lieber Notker, es ist mir eine große Ehre, dass wir etwas miteinander plaudern. Herzlichen Dank. Meine Leser und jene des Krimimagazins Kaliber 9 wird das freuen.
Der Abtprimas der Benediktiner ist immer auf Tour, rund um den herrlichen Erdenball. Die Menschen erweisen dir stets den größten Respekt, weil du sie liebst, ihre Nöte und Ängste kennst, aber trotz dieser Liebe ihnen gegenüber Kritik übst, wenn es um Diätenerhöhung von Politikern oder Topmanagern geht. Dass wir Deutschen mehr Demut und Genügsamkeit, Flexibilität im Alltag anstreben sollten, um beispielsweise eben nicht von staatlicher Stütze zu leben. Aber Energie/Spritkosten steigen immer weiter, Euro in der Krise, das Thema Griechenland… Übt die Wirtschaft eigentlich soziale Verantwortung? Was soll der »kleine Mann« noch sparen? Gibt es überhaupt Moral im Lande und wie sollte sie jeder von uns, ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber ausleben?

Notker WolfNotker Wolf: Ich meine, wir sollten alle bescheidener leben und mehr Verantwortung für einander zeigen. Wenn das große Geld lockt, werden alle schwach, nicht nur „die da oben“. Ich habe mich immer geärgert, wenn über die Griechen geschimpft wurde. Ich empfand das schulmeisterlich. Die Griechen sollen endlich „brav“ sein. Dabei geht es hier um gewachsene Kulturen und Verhaltensweisen, Lebensgefühle, die sie nicht einfach von heute auf morgen ändern können. Dann müssten die Griechen zu Deutschen werden. Ich schätze an den Südländern, dass sie nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern auch das Leben genießen wollen. Sie nehmen sich mehr Zeit für einander. Selbstverständlich muss man ihnen klar machen, dass wir nicht einfach bereit sind zu zahlen, dass sie auch das Ihre bringen müssen. Aber sind wir Deutsche viel besser? Die Bürger von Nordrhein-Westfalen haben jetzt mehrheitlich die „Schuldenkönigin“ gewählt.

Ralph Müller-Wagner: Wie bewertest du die Macht der Banken? Als es um Rettungsschirme ging, haben sich Politik und Wirtschaft stark engagiert. Nur zehn Prozent von den Milliarden und jede Seele auf dieser Welt bräuchte nicht hungern, könnte in Würde leben. Warum ist das nicht möglich? Scheitert Nächstenliebe am Egoismus oder Kapital der Menschen?

Notker Wolf: Das stimmt zum Teil. Andererseits ist die Armut nicht mit der Geldgießkanne zu beseitigen. Auch hier spielen Kulturen eine enorme Rolle. Ich frage mich schon lange, wie wir zum Beispiel Afrikaner dazu bringen, Eigeninitiative zu entwickeln. Geld allein hilft nicht, es versickert obendrein in den Taschen der Politiker. Ich empfinde es als eine Schande, dass hohe Summen in die Militärhilfe wandern. Wir verdienen selbst an der so genannten Entwicklungshilfe und schüren indirekt Kriege.

Ralph Müller-Wagner: Ist hier nicht auch das Engagement der Kirche gefragt? Gott müssen doch die Haare zu Berge stehen, wenn er die großen Ungerechtigkeiten betrachtet. Was kann die Kirche in seinem Auftrag noch besser machen, außer predigen?

Notker Wolf: Die Kirche leistet viel Entwicklungshilfe, gerade an der Basis, und baut soziale Strukturen auf, weil sie eben mit der jeweiligen Bevölkerung eng verbunden ist. Doch auch die Kirche kann die großen Ungerechtigkeiten nicht beseitigen. Sie hat keine Machtmittel wie die Politik.

Ralph Müller-Wagner: Du bist mit dem Großen Verdienstkreuz der BRD geehrt worden, dem Bayerischen Verdienstorden, der Ludwig Erhardt Medaille, dem Wolfram Engels Preis der Stiftung Marktwirtschaft. Was bedeuten dir jene Preise? Sind sie auch Herausforderung?

Notker Wolf: Sie bedeuten für mich, weiterhin in der Öffentlichkeit für Freiheit in Verantwortung, für eine ökosoziale Marktwirtschaft einzutreten, gegen jede Form von Bevormundung und Dirigismus zu schreiben und zu reden.

Ralph Müller-Wagner: Ebenso bist du Ehrenmitglied einiger Studentenverbindungen. Siehst du das auch als ein kleines Dankeschön, weil du dich stark für Kinder und Jugendliche engagierst? Sie sind die Zukunft unseres Landes, aber in welche Zukunft steuern sie?

Notker Wolf: Es ist ein Zeichen meiner Wertschätzung für junge Menschen. Sie zeigen noch viel Idealismus, treten ein für Gerechtigkeit, Transparenz und Solidarität. Ich möchte, dass sie diesen Idealismus nicht verlieren, sondern auf den Boden der Wirklichkeit stellen und dann eben doch für diese Werte eintreten. Ich möchte ihnen ein Gespür vermitteln für ihre Freiheit, eine Freiheit, die aber nicht Willkür bedeutet, sondern für die guten Ziele da ist. Die Erwachsenen erinnere ich an ihre Verantwortung für die Zukunft dieser jungen Menschen, damit sie noch in einer lebenswerten Welt sich vorfinden.

Ralph Müller-Wagner: Notker Wolf ist auch erfolgreicher Buchautor, obwohl seine Zeit begrenzt ist. Wann findest du Besinnung zum Schreiben. Vor allem wann und wo, da du ja ständig auf Reisen bist?

Notker Wolf: Meistens gegen Mitternacht. Da kommen mir die besten Gedanken. Auch wenn ich im Flieger sitze, mache ich mir viele Aufzeichnungen. Es sind Zeiten, da mich niemand stört und die Gedanken sich lösen.

Ralph-Müller-Wagner: Deine letzten Bücher erschienen 2011 im Herder Verlag. Die sieben Säulen des Glücks, Schmetterlinge im Bauch, Das kleine Buch der wahren Freiheit und Erfüllte Zeit: Ermutigungen für das Leben, Verlag: St. Benno. Sind diese Bücher Lebensweisheiten eines in die Jahre gekommenen Menschen, Geistlichen, Rockmusikers und Autors?

Notker Wolf: Über die Jahre hinweg sammelt sich ja Geschichte an. Und ich beobachte einfach viel, die Menschen, die Mode – es ist ja lustig, wie sich alles wiederholt, beschäftige mich mit der Entwicklung unserer Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Ich begegne vielen Menschen, diskutiere und feiere mit ihnen.

Ralph Müller-Wagner: Arbeitest du bereits an einem neuen literarischen Projekt?

Notker Wolf: Ja, an dem Versuch, die Geschichte Jesu nachzuerzählen, dem heutigen Menschen Jesus gerade als Mensch nahe zu bringen und die größere Dimension Jesu aufzuzeigen. Mich fasziniert dieser Jesus, und ich möchte, dass auch andere sich von seiner Liebe anstecken lassen. Dann könnte die Welt etwas menschlicher werden.

Ralph Müller-Wagner: Gibt es irgendwann einen autobiografischen Roman von Notker Wolf?

Notker Wolf: Ich habe schon manchmal mit dem Gedanken gespielt. Aber das überlasse ich den Historikern, wenn ich einmal das Zeitliche gesegnet habe.

Ralph Müller-Wagner: Liest ein Abtprimas auch mal einen Krimi? Was hältst du von Detektiv-Romanen oder Krimis? Die Leser des Krimimagazins Kaliber 9 interessiert das bestimmt.

Notker Wolf: Ich habe früher viele Krimis gelesen, besonders im Urlaub. Ich habe in meiner Studienzeit viele Krimis angeschaut. Das fesselt und ist die beste Art abzuschalten. Jetzt fehlt mir die Zeit. Im Moment vergnüge ich mich an einem Buch über Karl Valentin. Sein Humor und seine Ironie sind faszinierend.

Ralph Müller-Wagner: Was gibst du Jungautoren mit auf den Weg? Es ist ja nicht so leicht, einen richtig guten Verlag zu finden. Unter unseren Lesern befinden sich zahlreiche Nachwuchsautoren, denen deine Meinung wichtig sein wird.

Notker Wolf: Lebt ehrlich, lebt mit den Menschen, fühlt mit ihnen, habt ein Herz für sie und schreibt das, was Euch wirklich bewegt. Lasst Euch nicht von Mainstreams treiben, sondern versucht, die Wahrheit herauszubekommen, auch wenn sie unbequem ist. Das wird von Lesern geschätzt.

Ralph Müller-Wagner: Nun weiß man auch über dich, dass du ein AC/DC und Hardrock-Fan bist und darüber hinaus seit mehr als zwanzig Jahren selbst Rockmusik machst, mit der talentierten Rockband FEEDBACK. Der »rockende Abt« ist schon längst lebende Legende. Du kennst die Jungs seit deren Abiturtagen und seit dem seid ihr auch musikalisch eng verbunden. FEEDBACK spielen sehr diszipliniert und wirken nach außen richtig angenehm vom Charakter her. Ist das ein Ventil für dich, die Bühne zu rocken? Mal abzuschalten vom dramatischen Weltgeschehen?

Notker Wolf: Musik verbindet. Abschalten heißt für mich nicht Rückzug, sondern mich mit meinen Sorgen vergessen zu können, indem ich mit Freunden zusammen bin und mit ihnen etwas gestalte. Das verlangt zwar Konzentration, aber es kommt dabei auch etwas heraus.

Ralph Müller-Wagner: Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit zwischen euch, wie z. B. während der Entstehungsphase des neuen Albums No Lies? Du musst ja auch mit ins Studio. Übst du während deiner Reisen? Bist du auch bei den Proben dabei?

Notker Wolf: Ich übe fast jeden Tag, um musikalisch fit zu bleiben. Deshalb habe ich die Querflöte immer im Handgepäck, und auf längeren Reisen die Gitarre auf den Schultern.

Ralph Müller-Wagner: Rockmusik und FEEDBACK sind Notker Wolfs Jungbrunnen, kann man das so stehen lassen? Ich sehe es ja als wunderbare Fügung, weil es einmalig und kostbar auf der Welt ist.

Notker Wolf: Ich bin vielleicht bekannter als andere, aber bei weitem nicht der einzige. Ich habe jetzt im Stift Altenburg bei Wien in einem interreligiösen Konzert mitgewirkt. Der Oberrabbiner von Wien hat gesungen, der lutherische Bischof saß am Schlagzeug, ein Mann aus dem Finanzministerium spielte Saxophon und E-Gitarre, ein weiterer Rabbiner das Keyboard. Das könnten sie nicht, wenn sie nur Kirchenlieder spielen würden. In Altenburg hatten wir zusammen mit dem Jugendchor Gospel-Songs und jiddische Lieder im Programm. Es war eine ganz tolle Erfahrung.

Ralph Müller-Wagner: Was war das damals im August 2008 in Benediktbeuern für ein Gefühl, als du mit den Kings of Hardrock DEEP PURPLE, Smoke on the Water gespielt hast? Der Traum eines jeden Musikers.

Notker Wolf mit Deep Purple

Notker Wolf: Dieser Event kam ziemlich unvermittelt. Ich hätte mir so etwas nie träumen lassen. Aber wir von Feedback waren für Deep Purple die Vorband, das Bayerische Fernsehen war da und hatte vor dem Konzert ein Interview mit Ian Gillen anberaumt. Am Schluss kam die Frage, ob der Abtprimas nicht mit ihnen ein Stück auf der Bühne spielen könne. Gillen zögerte noch etwas, aber nachdem wir nach einer Stunde das Publikum echt aufgeheizt hatten, waren die so begeistert, dass sie mich sofort zu sich riefen, ich solle meine Gitarre ihren Technikern geben. Diese würden sie auseinander nehmen und auf Vordermann bringen. Ich solle dann beim vorletzten Stück von hinten her auf die Bühne kommen, man würde mir dann die Gitarre umhängen und ich solle bei „Smoke on the water“ mitspielen. Ja, und dann stand ich da oben, mit der Gitarre um den Hals, völlig im Dunkeln, völlig unsicher, wo ich hingehen solle. Da fing schon Steve Morse mit dem bekannten Riff an, und auf einmal kam der Beamer voll auf mich und die über 5000 Zuschauer schrien, die Handys blitzten, Steve kam auf mich zu, und wir spielten mit einander. Ein Super-Gefühl. Ich kam mir vor wie ein kleiner Junge unter dem Christbaum. Steve hatte vorher zu mit gesagt: „You know, I am also a Christian, but not denominational. But my son is a very good catholic.“ „Okay,“ erwiderte ich, „please, give him my best regards. I shall pray for him.“ Aber ich konnte es immer noch nicht fassen. Es war einfach toll, als dann Ian Gillen dazu kam und wir zu Dritt miteinander die Musik antrieben.

Ralph Müller-Wagner: Sieht man Notker Wolf auch noch mit 80 auf der Bühne rocken?

Notker Wolf: Falls ich noch was höre, ja.

Ralph Müller-Wagner: Herzlichen Dank für das bedeutende Interview. Alles Gute und vor allem Gesundheit.

Rock Ignition

rock ignition

Ralph Müller-Wagner: Hallo Heather, schön, dass wir etwas über deine Projekte plaudern. Aktuell mit der Rockband Rock Ignition aus Düsseldorf. Meine Leser wird das freuen. Bei der Recherche über dich, habe ich so viel Interessantes entdeckt, dass es echt schwer war, womit wir beginnen. Du bist in einigen künstlerischen Genres daheim. Zuerst würde ich gern erfahren, wie eine spanische Balletttänzerin den Weg nach Deutschland findet, um nicht nur dort erfolgreich Karriere zu machen?

Heather Shokley: Ich war wegen meiner Tanzausbildung und Karriere, seit ich klein bin, immer viel unterwegs. Spanien, Italien, New York...Ich wollte das aber auch mit meiner Leidenschaft für Gesang kombinieren und wusste, dass es in Deutschland viele Möglichkeiten gibt, in Musicals zu arbeiten. 2004 entschied ich mich, mein Glück zu versuchen und so bin ich hier geblieben.

Ralph Müller-Wagner: Du bist Musical/Rock-Sängerin, Tänzerin, Model. In welcher Rolle fühlst du dich wie im siebten Himmel? Oder sind alle Genres Perlen, die aneinandergereiht, eine wundervolle Kette der Muse ergeben?

Heather Shokley: Das ist natürlich eine schwierige Frage. Tanzen war immer mein Leben und mit Gesang und Modeln hab ich später angefangen. Aber ich muss sagen, das Gefühl als Front-Woman allein vor einem Publikum zu stehen und deine ganze Seele zu geben, ist schwer zu toppen.

Ralph Müller-Wagner: Du warst fünf Jahre an der Maria de Avila Schule, hast danach an der Cosi-Stefanescu Schule in Italien Erfahrungen gesammelt und bist zur Krönung Gast an der Joffrey Ballet School in New York gewesen. Engagements führten dich später wieder nach Italien. Siehst du dich eher als Europäerin oder als Weltbürger?

Heather Shokley: Man könnte mich als Weltbürgerin definieren, aber ich bin in Spanien aufgewachsen und fühle mich meistens viel wohler als Europäerin.

Ralph Müller-Wagner: Ab 2004 warst du erfolgreich bei einigen deutschen Musicals vertreten. Hast mit Thomas Gottschalk, Stefan Raab, Harpe Kerkeling zusammen gearbeitet. Oder auch Boney M., Gypsy Kings und nicht zu vergessen, die Mitwirkung in der „Tina Turner Revivalshow“. Welche Eindrücke hast du empfunden? Welche Welle trieb dich stets vorwärts?

Heather Shokley: Das sind alles Leute wie Du und ich, manche mehr entspannt und freundlich, manche weniger. Das waren sehr schöne Erfahrungen, die für immer mit mir bleiben werden. Ich bin sehr ehrgeizig und folge gerne meiner Leidenschaft, das ist genug Motivation für mich, immer weiter zu machen.

Ralph Müller-Wagner: Ich könnte die Liste noch erweitern, möchte nun aber wissen, wie es zur Findung mit Rock Ignition kam. Der Sound reicht ja von Balladen bis hin zu schweren Gitarren, drückenden Beats und innovativen Basslinien. Alles dynamisch verpackt mit einer intelligenten Spielfreude, optischer Ausdrucksstärke und nicht selten deutscher Texte. Für was steht Rock Ignition musikalisch? Welches Publikum wollt ihr erreichen?

Heather Shockley: Rock Ignition steht für sehr melodische Hard Rock Musik im Stil der 80er. Der Bassist Jürgen Seinmetz und ich waren immer große Fans von Bands wie Mötley Crue, Skid Row, Bon Jovi, Aerosmith, Mr, Big und in 2006 entschieden wir uns, Songs zusammen zu schreiben und eine Band zu gründen.

Jürgen Steinmetz: Der Prozess der Musikersuche war richtig schwer. Leute zu finden mit dem technischen Können, der Leidenschaft und der Liebe für melodischen Hard Rock war und ist immer noch sehr schwierig (gerade haben wir unseren 5. Schlagzeuger vorgestellt). Mit der Gitarre hatten wir mehr Glück, seit 2007 ist der junge und talentierte Gitarrist Fabian Dammers aus Krefeld dabei.

Ralph Müller-Wagner: Aus welcher Inspiration ist der Bandname Rock Ignition entstanden?

Heather Shockley: Ignition heisst auf deutsch Zündung, ganz einfach: Rock Musik ist unsre Zündung, die uns funktionieren, atmen, leben lässt.

Ralph Müller-Wagner: Wie ich auf eurer Webseite las, habt ihr einen neuen Drummer und als Live Backing Vocals eine weitere Sängerin. Wechselt ihr oft oder ist es nicht kreativer, wenn man sich als Kollektiv mit einer konstanten Besetzung weiterentwickelt?

Heather Shockley: Wir würden gerne eine konstante Besetzung haben (das ist wirklich unser Traum), leider ist es wie gesagt sehr schwierig Musiker zu finden, die genug Leidenschaft und Geduld haben, mit uns die ganze Strecke zu gehen. Manche werden faul, manche wollen was anderes spielen, was leider nicht zur Musik passt, manche wollen nichts tun und nur Geld haben, glaub mir, wir sind schon froh, dass bis jetzt 3 von 4 immer am gleichen Strang zogen. Wir sind sehr optimistisch, dass sich das mit unserem neuen Schlagzeuger Siggi Grütz ändert.
Unsere Backgroundsängerin Lara Diez ist eine sehr schöne Ergänzung für die Band, sie ist wie ich professionelle Tänzerin und Sängerin, sie teilt unsere Leidenschaft für Hard Rock und ist natürlich auch ein sehr schöner Blickfang auf der Bühne :-)

Ralph Müller-Wagner: Das hört sich gut an, Heather. Euer Equipment ist professionell und auf dem neuesten Stand. Kostet doch einiges an Kohle. Muss das eine Band selber löhnen oder habt ihr so was wie einen „Kulturtopf“, der von Sponsoren gefüllt wird?

Jürgen Steinmetz: Ich habe durch meine Tätigkeit auf Messen für die legendäre Bassampfirma Ampeg und die Arbeit in meinen anderen Bands gute Verbindungen zur Industrie und einige Endorsements (z.B. mit Sandberg, Ampeg, Elixir, Beyerdynamic etc. ) aber es ist schon so, dass wir im Endeffekt alles Geld was wir haben in die Musik stecken.... es ist eben unser Leben!

Ralph Müller-Wagner: Was könnt Ihr über euer aktuelles oder neues Album sagen? Wer textet, arrangiert, komponiert. Wer hält die Fäden musikalisch zusammen?

Heather Shockley: Unsere neue EP ist gerade in der letzten Phase, ein Lied muss noch gemischt werden (noch mal vom großartigen Dennis Ward) und die Artwork ist auch fast fertig. Das Album ist viel mehr produziert als unser erstes, wir haben wirklich viel Zeit und harte Arbeit reingesteckt und es klingt richtig gut, wir können nicht abwarten, dass der Rest der Welt das auch hört! Die Texte hab ich wieder alle geschrieben, produziert und arrangiert wird hauptsächlich von Jürgen. Dieses Mal hatten wir für 3 Songs Marco Wriedt, den Gitarristen von AXXIS, als Co-Produzenten. Wir haben noch ein paar andere Überraschungsgäste. Als kleinen Bonus haben wir dieses Mal den Videoclip zu unserem Song „Tell Me“ dazu gepackt, …ist sehr cool geworden!

Ralph Müller-Wagner: Hat jeder von Euch einen Lieblingstitel von Euren Songs?

Heather Shokley: Von unsrer letzten EP ist mein Lieblingstitel „I Can't Resist“ aber ich finde auch die Ballade „Too Tough to Take“ sehr schön, ich singe das immer sehr gerne.

Jürgen Steinmetz: Mein Favorit von der letzten EP ist „Caught in the Past“. Vom Rest der Band weiss ich, dass Heartbeat auch sehr beliebt ist. Von den neuen Songs werden wir noch nichts verraten! Aber den oben schon erwähnten Song „Tell Me“ lieben wir alle.

Ralph Müller-Wagner: Welche Band hat euch am meisten geprägt, es gibt ja viele Einflüsse, wie ich auf eurer Webseite http://www.rockignition.com las?

Heather Shockley: Wir haben so viele Einflüsse, dass es hart ist alle zu nennen, ohne dass die Seite jetzt voll wird! Aber hier sind ein paar sehr wichtige: Mötley Crüe, Skid Row, Mr. Big, Vixxen, Stryper, Europe, Bon Jovi, Aerosmith, Queen, Toto. Diese Bands haben uns alle auf unterschiedliche Weise beeinflusst.

Ralph Müller-Wagner: Wenn ihr live spielt, ist das immer wieder ein Ventil, das sich öffnet und Emotionen freisetzt?

Heather Shockley: Ja,100%! Wir sind eine sehr energiegeladene Band, wir lieben es, uns auf der Bühne zu bewegen und versuchen den Spirit unserer Musik ins Publikum zu transportieren. Es gibt nichts schöneres, als die Emotionen und Begeisterung vom Publikum zurück zu bekommen.

Ralph Müller-Wagner: Frischer Metal mit deutschen Texten. Mutig, klangvoll. Erreicht man so das Publikum auch in Übersee oder gibt’s da eher Songs in englischer Sprache? Ihr spielt ja europaweit.

Heather Shockley: Ich denke man kann auch mit deutschen Texten das internationale Publikum erreichen, wir allerdings denken, dass zu unserer Musik englische Texte besser passen und weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist, fühle ich mich auf Englisch viel wohler beim Singen. Aber solange die Musik gut ist, kann ich es in fast alle Sprachen genießen

Ralph Müller-Wagner: Was sagt ihr zur Konkurrenz? Der Musikmarkt ist heiß umkämpft und der Trend geht eher nach Songs mit deutschen Texten.

Heather Shockley: Wir lassen uns nicht von Trends beeinflussen, wir lieben was wir machen und glauben, dass wenn man konstant genug ist und mit Leidenschaft arbeitet, die Zeit kommen wird.

Ralph Müller-Wagner: Was hat Rock Ignition für nächste Pläne? Ein neues Album? Wo kann man euch 2012 noch sehen? Auch im TV?

Heather Shockley: Wie gesagt, unsere zweite EP ist fast fertig, wir planen den Release in den nächsten 2-3 Monaten, Ihr könnt alle Updates auf unsere Seite: www.rockignition.com finden. Live könnt Ihr uns am 13.04. in der 3. Brotherhood of Metal Festival in Langerwehe erleben und für weitere Termine einfach immer unsere Webseite checken.

Ralph Müller-Wagner: Heather, wie fühlt es sich an, im kalten Deutschland zu überwintern, wo doch deine Heimat Palma de Mallorca (Spanien) ist? Oder vergisst man das, durch die offene, herzliche deutsche und kunstinteressierte Mentalität?

Heather Shockley: Obwohl die Kälte manchmal sehr schwer für mich zu ertragen ist, finde ich Deutschland wunderbar! Hier sind die Leute entspannt, ruhig und sehr organisiert. Aber Party machen können die auch und als Spanierin finde ich Party natürlich immer Klasse ;-)

Ralph Müller-Wagner: Ich danke euch für das Interview. Wünsche weiterhin viel Erfolg und Innovation. Rock on bis zum nächsten Mal.

Heather Shockley: Immer gerne, Keep on Rockin'!

Tanja Meyer Band

tanja meyer band

Ralph Müller-Wagner: Hallo Tanja, freue mich sehr, dass meine Leser etwas mehr über deine Band erfahren dürfen. Köln – Medienstadt, Stadt des Karnevals und die Tanja Meyer Band. Wie kam es zu dieser Inspiration und Findung?

Tanja Meyer: Uns gibt es schon seit 2001. Damals traten wir unter dem Namen False Connection auf und spielten eigene englische, sowie gute Coverstücke. Wir traten schon über lange Zeit in verschiedenen Music Location auf und hatten eine recht große Fan-Gemeinde aufgebaut. Ich fühlte aber für mich, dass mir irgendetwas fehlte. Ich empfand, “ nachdem wir ein deutsches Coverstück in unsere Setliste aufnahmen „ dass es mir besser gefiel, in meiner Muttersprache zu singen. Es ist leichter die Emotionen zu transportieren und viel mehr Gefühl zum Ausdruck zu bringen. Und meine Stimme bekam eine ganz andere Klangfarbe, die mir sehr gut gefällt. Dann beschlossen wir 2009 eigene deutsche Songs zu spielen und kamen auch sofort gut an. Wir erhielten sehr gutes Feedback von unseren Fans und gewannen neue dazu. Nun musste ein neuer Bandname her, der unseren Deutschrock untermalte. Was klingt ziemlich deutsch? Meyer und wer ist die Stimme? Tanja und wer macht die Musik? Die Band, deswegen Tanja Meyer Band. Kann man sich gut merken :)

Ralph Müller-Wagner: Okay. Wo ordnet ihr euch musikalisch ein? Was transportiert ihr mit eurer Musik? Welche Themen greift ihr auf? Was berührt euch?

Tanja Meyer: Musikalisch sehen wir uns eher im Stil der 70er Jahre. Rockmusik, die durch die Gitarre sehr geprägt wird. Jürgen liebt diesen Stil der schnellen Gitarrenriffs. Jürgen hat auch einen sehr großen Wiedererkennungswert und sein Sound prägt die Band. Ganz nach dem Motto: Les Paul einstöpseln und dann los – nicht nur zufällig erinnert sein kraftvolles Spiel manchmal an die glorreichen 70er Jahre mit Größen wie Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Frank Zappa oder Rory Gallagher. Peter, unser Drummer, bringt durch seine langjährige Jazz Erfahrung die gewisse Würze in die Songs. Die Themen, die wir in unseren Songs ansprechen, handeln von Liebe und Freiheit und Auseinandersetzung mit dem Leben. Wir sprechen Themen an, die jeder schon einmal erlebt oder nachvollziehen kann. Wir möchten dem Publikum zeigen, dass wir uns alle mit denselben Problemen des Lebens rumplagen, die glücklichen Momente jeder nach empfinden kann.

Ralph Müller-Wagner: Nun besteht euer Programm hauptsächlich aus deutschen Songs, was mir persönlich sehr gut gefällt. Bleibt ihr doch somit an unserer Muttersprache dran. Erreicht man so mehr Aufmerksamkeit während der Konzerte, weil die Texte besser verstanden werden? Habt ihr euch in der Band damit auseinandergesetzt?

Tanja Meyer: Wir haben sofort bemerkt, dass den Leuten die deutschen Songs besser gefallen und Vergleiche kamen, sowie: Die Songs klingen wie Nina Hagen, Ina Deter, Doro Pesch, Julia Neigel. Ich meine, dass sind doch Stimmen, mit denen werde ich gerne verglichen.

Ralph Müller-Wagner: Wer komponiert, arrangiert und textet? Könnte mir vorstellen, dass Lyrik aus der Hand einer Frau gefühlvoller zum Ausdruck kommt. Frauen denken und sehen ja anders als Männer, lacht. Sie bewerten Situationen, Beziehungen völlig anders.

Tanja Meyer: Du wirst es nicht glauben, aber die meisten Texte und Melodien stammen aus Jürgens Feder, er stimmt die Texte auf mich ab und wir besprechen dann, ob mir der Song gefällt oder nicht. Wir sind so ein eingespieltes Team, dass Jürgen die Melodie anspielt und ich den Gesang drauflege und wir uns direkt einig sind, wie der Song klingen soll. Einige Songs sind von mir und der gemeinsamen Band. Das ist aber für uns nicht wichtig, es gibt bei uns nicht mein Song und dein Song!

Ralph Müller-Wagner: Sind dir einige eurer Songs besonders ans Herz gewachsen?

Tanja Meyer: Es gibt schon einige, z.B. die drei Songs auf unserer Homepage.

Ralph Müller-Wagner: Eure Musik ist dynamisch, melodiebetont blues-rockig, aber auch besinnlich. Gibt es eine Band, die euch dahingehend beeinflusst hat?

Tanja Meyer: Das kann ich gar nicht so beantworten, wir wollen sicherlich facettenreiche Rockmusik machen und wie ich schon erwähnte, bei eigenen Songs stellen die Leute ihren eigenen Vergleich und das gefällt uns.

Ralph Müller-Wagner: Wie gefallen euch andere deutsche Bands? Wie steht ihr zur starken ostdeutschen Musikszene? Silbermond, Puhdys, Silly, Karat oder Karussell? Habt ihr Favoriten?

Tanja Meyer: Silly, Karat und natürlich Silbermond sind ganz wunderbare Bands, wer kennt sie nicht. Es gibt so viele tolle deutsche Bands und es werden immer mehr.

Ralph Müller-Wagner: Tanja, deine Stimme hat unbedingt Wiedererkennungswert. Du verstehst es während eines Songs so richtig „aufzudrehen“, also Tendenz bis zum Crescendo. Hattest du eine musikalische Ausbildung und nimmst du Gesangsunterricht?

Tanja Meyer: Ja, in den 16 Jahren die ich in Bands singe, habe ich klassischen sowie Rock & Pop Gesangsunterricht genommen. Aber nur auf Zeit!!

Ralph Müller-Wagner: Gibst du als Frontfrau der Band den Ton an? Wer ist der Motor, Organisator?

Tanja Meyer: Eigentlich arbeiten Jürgen und ich gut zusammen, er ist der Gedankenträger und ich setze die Idee um. Ansprechpartner und Organisation der Gigs mache ich gerne und ansonsten sprechen wir alles gemeinsam ab.

Ralph Müller-Wagner: Wie oft probt ihr die Woche? Ist die Band immer zusammen? Wie sieht ein Tag in der Tanja Meyer Band aus?

Tanja Meyer: Wir proben ein- bis zweimal die Woche, sind alle noch im Berufsleben und freuen uns abzurocken.

Ralph Müller-Wagner: Wie seht ihr die Entwicklung in der deutschen Musikszene, die hart umkämpft ist? Ich denke, es gibt viele gute Bands. Aber ihre Musik unterscheidet sich oftmals nur in der Qualität ihrer Texte...

Tanja Meyer: Um professionell auf dem Musikmarkt zu bestehen, musst du hart arbeiten und keinerlei andere Verpflichtungen haben. Das kommt für uns so nicht in Frage. Wir brauchen keine großen Stadien, wir treten in Clubs und Musikkneipen sowie auf kleinen Festivals auf. Wir lieben es nah am Publikum zu sein und Spaß zu haben.

Ralph Müller-Wagner: Gibt es bald ein Album? Was sind eure nächsten Pläne?

Tanja Meyer: An dem Album arbeiten wir gerade, aber leider ist unser Bassist aus beruflichen Gründen nach 10 Jahren ausgestiegen. Wir haben schon einige Anfragen und sind nun in der Findungsphase.

Ralph Müller-Wagner: Wo kann man dich in Köln überall treffen?

Tanja Meyer: Mich findet man da, wo Live-Musik gespielt wird … bin immer in Mission guter Musik unterwegs und damit meine ich nicht die Reichen und Berühmten, sondern die mit Spaß und Leidenschaft ihre Musik präsentieren.

Ralph Müller-Wagner: Danke für das Interview, Tanja. Schön, dass es noch authentische Künstler gibt. Ich wünsche euch viel Erfolg und Glück für die Zukunft. Und endlich einen Bassisten, damit ihr so richtig abrocken könnt.

Tanja Meyer: Vielen Dank, Ralph haben wir sehr gerne gemacht. Und dir auch alles Gute und viel Erfolg.

Interview Cap a City

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Ralph Müller-Wagner: Servus Felix und Steve. Ihr habt gerade euer neues Album On Fire auf den Markt gebracht. Frischer melodiebetonter Rock aus Warburg (NRW), handgemacht und ich finde, richtig gut.
Würdet ihr euch als Band des klassischen Rock bezeichnen, mit Ausflügen ins Metal-Genre in traditioneller Rock’n Roll Besetzung? Drückende Beats, fette Bässe und die Leadgitarre geht ja richtig zur Sache.
Wie definiert ihr euch also selbst?

Felix Volmert: Das trifft den Nagel auf den Kopf! Wir orientieren uns an unseren Lieblingsbands wie: Metallica, AC/DC, Megadeth, Airbourne usw. diese Richtung. Also Rockmusik der „alten“ Schule.

Steve Helg: Wichtig sind für uns in erster Linie die druckvollen Gesangslinien von Felix und die ausgefeilten Gitarrenriffs und Soli von mir. Wir haben ein wenig das Gefühl, dass das Gitarrensolo ausstirbt und dem wollen wir entgegenwirken.
Arrangiert wird das ganze dann so lange bis wir unseren hohen Ansprüchen gerecht werden. Hier sind dann Manni und Fritz sehr wichtig, weil sie kritisch und mit viel Ideen den jeweiligen Song dann zur Vollendung bringen.

Ralph Müller-Wagner: Okay. Was wollt ihr mit eurer Musik transportieren? Ihr habt einige sozialkritische Songs geschrieben, wie Ballad of Johnnyboy. Gab es einen Anlass und was bewegte euch bei dem musikalischen Thema? Wollt ihr einfach nur unterhalten oder doch tiefer in die Texte gehen?

Steve Helg: Inhalte sind wichtig. Zu einem guten Song gehört die richtige Message. Wir versuchen die Musik dem Text entsprechend zu gestalten und die Inhalte entspringen spontanen Ideen und Geistesblitzen von Felix. Meistens werfen wir ein Thema in die Runde, das zu dem neuen Song passen könnte und dann lässt sich Felix was einfallen.
Um auf Texte zu kommen, muss man ja nur Nachrichten schauen oder die Zeitung lesen. Themen gibt es genug, wir verpacken sie dann bis es passt.

Felix: Nur von Liebe und der „Heilen Welt“ zu singen passt nicht zu uns, es gibt zwar mit „On Fire“ das klassische Liebeslied, aber ich denke unsere Musik muss mehr transportieren und kann auch Kritik üben.

Ralph Müller-Wagner: Cap a City hat sich 2010 neu formiert. Seit jener Zeit seid ihr auf Erfolgskurs. Wolltet ihr einfach keine Cover-Band mehr sein und auch eigenes produzieren?

Felix Volmert: Genau, Steve ist dazu gekommen und hatte einfach nach langer Coverbandzeit keine Lust mehr Songs nachzuspielen. Als wir merkten, dass wir unheimlich viel kreatives Potential in der Band haben, war klar, dass covern für uns keine Option mehr war.

Steve Helg: Es war einfach erstaunlich wie gut wir alle miteinander harmonieren, die Songs sind förmlich aus uns herausgeflossen. In erster Linie möchte ich aber mal sagen, dass es total viel Spaß mit den Jungs macht. Im Proberaum entstehen neue Songs, die zu uns gehören, uns repräsentieren, auf die wir stolz sein können und mit denen wir uns identifizieren. Da ist eine gute Chemie einfach wichtig. Lange Diskussionen wie ein Song nun voran gebracht werden soll, gibt es einfach nicht, das habe ich so noch in keiner Band erlebt. Wir haben innerhalb eines Jahres knapp 20 Songs geschrieben, die wir alle so wie sie sind absolut gut finden.

Ralph Müller-Wagner: Welche Band hat weitestgehend euren Stil beeinflusst. Habt ihr Vorbilder, Felix? Deine Stimme erinnert mich etwas an Billy Corgan von Smashing Pumpkins. Ist das Zufall?

Steve Helg: Nun ja, die Pumpkins gehen ja so gar nicht in unsere Richtung und hatten auch keinen Einfluss auf uns. Felix Stimme ist authentisch und sie passt einfach genau in die Art von Musik, die wir machen wollen. Schubladen sind nicht so unser Ding.

Ralph Müller-Wagner: Okay. Auf dem Album On Fire performt ihr einen Song live. STORMRIDER. Auf welchem Konzert wurde der Song aufgenommen? Man hört im Hintergrund ein tosendes Publikum.

Felix Volmert: Ja, das war in Marsberg auf einem Stadtfest. Leider hat es geregnet und wir hatten keine Mikros im Publikum, daher mussten wir etwas tricksen. Es waren nicht ganz so viele da, wie wir es verdient hätten ;)

Steve Helg: Wir haben ja alles in Eigenregie aufgenommen und abgemischt, das hatte dann natürlich den Vorteil, dass wir machen konnten was wir wollten und so haben wir als Gimmick noch eine „Hidden Track“ eingefügt. Auch eine Liveaufnahme von uns, allerdings rein mit akustischen Instrumenten. Wir wollten einfach mal wissen, ob unsere Musik auch ohne Verstärkung wirkt und siehe da, wir konnten unser ganzes Programm auch ohne Verzerrung und nur akustisch präsentieren. Viele haben hinterher gesagt, dass einige Songs sogar in der akustischen Version besser klingen.

Ralph Müller-Wagner: 2011 standet ihr im Finale des "Battle of the Bands" in Korbach sowie im Halbfinale von "Local Heroes NRW". Ist man da nicht stolz? Treibt es einen nicht weiter, wenn man so nah am Rockhimmel steht?

Felix Volmert: Durchaus hat uns das bestärkt in unserem Musikschaffen. Wir sind jetzt aber nicht abgehoben und glauben Dieter Bohlen holt uns von der Straße weg ;) Es ist für Bands heutzutage nicht leicht, weil es einfach zu viele gute Bands gibt und die Leute aber nicht mehr gerne auf Livekonzerte gehen. Das heißt, es steckt sehr viel Idealismus hinter so einem Projekt.

Steve Helg: Aber dadurch haben wir viele Klicks auf unsere Videos bekommen, die wir bei Youtube eingestellt haben und viele „likes“ bei Facebook. Das Internet bietet einfach eine gute Plattform, um sich zu präsentieren. Wir haben vor für „Freak like Me“ ein Video zu produzieren, mal sehen, ob wir das so hinbekommen.

Ralph Müller-Wagner: Das will ich gerne glauben, aber der Musikmarkt ist hart umkämpft. Fällt es schwer, sich von all den guten Bands abzuheben?

Steve Helg: Nein es fällt nicht schwer sich abzuheben, aber sich durchzusetzen. Wir machen uns da keine Illusionen, man braucht einfach nicht nur sehr gute Songs, sondern in erster Linie Glück um ohne Vitamin B nach vorne zu kommen.

Ralph Müller-Wagner: Wie seht ihr eure Mitstreiter, ihr spielt ja immerhin gegeneinander?

Steve Helg: Die meisten sind so wie wir und nehmen die Sache nicht zu ernst, aber manchmal muss man den Kopf schütteln...

Ralph Müller-Wagner: Wie und wo oft probt ihr eigentlich? Wer komponiert, arrangiert oder textet?

Steve Helg: Wir proben einmal die Woche, komponiert wird meist gemeinsam im Probenraum. Eine Idee wird aufgenommen und dann verfeinert. Die Texte kommen von Felix, der da immer coole Ideen hat.

Ralph Müller-Wagner: Wie steht ihr zu deutschen Texten? Kann man damit nicht mehr Publikum erreichen? Können sich Fans und Publikum auch mal auf Songs in eurer Muttersprache freuen?

Steve Helg: Man erreicht nur in Deutschland mehr Fans. Aber das ist ja nicht der Hauptgrund, wir haben es einfach noch nicht ausprobiert und die Musik verlangte geradezu nach englischen Texten. Wir müssten mit deutschen Texten unseren Stil ändern, das würde für uns glaube ich nicht funktionieren.

Ralph Müller-Wagner: Das geht uns deutschen Autoren ähnlich in der Welt, die vom anglo-amerikanischen Markt verdrängt wird. Apropos Fans. Gibt es davon schon einen harten Kern, der zu Cap a City Konzerten mitreist?

Felix Volmert: Den gibt es, und die Facebookgemeinde wächst immer mehr, was echt genial ist.

Steve Helg: Bei jedem Konzert stehen sie in der ersten Reihe und singen teilweise die Texte mit, das ist einfach die größte Belohnung für uns auf der Bühne.

Ralph Müller-Wagner: Sehe ich auch so. Klasse! Was haben Cap a City für musikalische Ziele?

Felix Volmert: Den Rock in einer elektronisch überfluteten Welt wieder zu dem zu machen, was er war: "Die beliebteste Musik der Welt".

Ralph Müller-Wagner. Ja bitte. Das gefällt mir :) Wo kann man das neue Album ON FIRE erwerben oder ein Autogramm mit aussagekräftigem Foto?

Steve Helg: Zunächst auf unserer Webseite per Mail. In Kürze wird es aber auch in den gängigen Onlineportalen erhältlich sein. Ausserdem haben wir gerade eine Bestätigung erhalten, dass wir mit „The Forgotten“ auf einem Charity-Sampler vertreten sein werden. Nähere Infos gibt es dann auf unserer facebook Seite.

Ralph Müller-Wagner: Wann steht ihr wieder live auf der Rockbühne? Gibt es bereits Termine?

Steve Helg: Fest steht der 10.02.2012 im Jugendzentrum Marsberg und wir sind in Gesprächen mit einigen Locations sowie Festivals.

Ralph Müller-Wagner: Wo trifft man euch mal privat?

Felix Volmert: Zuhause, an der Uni in Kassel und Paderborn und im Proberaum. Manchmal auch im Netz. Und auf allen Festen in Warburg und da gibt es einige.

Ralph Müller-Wagner: Es war sehr nett mit euch zu plaudern. Dankeschön und viel Erfolg für die Zukunft. Bis zum nächsten Album...

Steve Helg & Felix Volmert: Ja, vielen Dank und Grüße an unsere Fans!

Interview mit Silke Hauck

Silke Hauck

Ralph Müller-Wagner: Hallo Silke, Blues, Pop, Soul, Jazz prägen den musikalischen Stil der Sängerin Silke Hauck. Woher stammt dieser Einfluss, wann hast du mit dem Singen begonnen und entdecktest die bunte Welt der Noten für dich?

Silke Hauck: Habe schon immer gerne gesungen, mit 12 meine erste Band gegründet und für mich entdeckt, dass Musik das schönste in meinem Leben ist. Wurde von der Plattensammlung meines Dads inspiriert und geprägt.

Ralph Müller-Wagner: Du hast dich in der Mannheimer Szene entwickelt. Was unterscheidet diese von anderen? Ist die Szene eine Plattform für frische unverbrauchte Talente oder erfährt der sich entwickelte Künstler einfach mehr Förderung und Aufmerksamkeit als anderswo?

Silke Hauck: Mannheim ist die Hauptstadt des Pops geworden. Es gibt viele Möglichkeiten, die jeder Künstler für sich selbst nutzen kann.

Ralph Müller-Wagner: Warum hast du deine erste Single Let the wind change (1992) unter dem Pseudonym Chelsea publiziert, war es vielleicht ein Experiment, ein erstes Wagnis, um zu sehen, wie deine Musik beeindruckt und gefällt?

Silke Hauck: Fand damals meinen Namen nicht künstlertauglich...

Ralph Müller-Wagner: Dein 2011-er Album Light and Love ist ausschließlich in Englisch produziert, aber bei den Bonus Tracks findet man einen deutschen Song mit dem Titel Lautes Herz. Mich bewegt diese emotionale Ballade sehr.
Sie beginnt mit Kinderstimmen, wie auf dem Pausenhof. Wir wissen alle, was damals in Winnenden geschah. Wenn man dann gebannt deiner Stimme lauscht, kommt klar zum Ausdruck, was dich im Herzen bewegt und in welcher Ohnmacht du jenen Song aufgenommen hast. Musik als Medium des Erinnerns, der Tragik, aber auch der Hoffnung. Erreicht man deiner Meinung nach damit die menschliche Seele?

Silke Hauck: Na hoffentlich...

Ralph Müller-Wagner: In Light and Love erzählst du spannende kleine Geschichten, welche dich authentisch machen, durch deine einfühlsame, besinnliche und sinnliche Interpretation. Metaphern verschiedenster Art prägen diese musikalischen Kunstwerke mit Tiefe. Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet und geschliffen, bis das fertige Produkt das Licht dieser Welt erblickte? Was zieht sich wie ein roter Faden durch alle Songs und lässt sie zur Einheit schmelzen?

Silke Hauck: Das Album light and love ist ein Best of Album. Auf dem Album sind Songs von den letzten 3 CDs. Das Album sollte zur Jahreszeit passen. Deswegen findet man auf der Cd fast nur Balladen. Also ein sehr ruhiges Album zum chillen und kuscheln.

Ralph Müller-Wagner: Du singst deutsch wie englisch, in welcher Sprache erreicht man die Menschen am Besten? Oder klingen Soul, Blues oder Jazz englisch einfach besser?

Silke Hauck: In jeder Sprache kann man Menschen erreichen, die Emotion muss stimmen. Es kommt meistens auf die Songidee an und wie man als Sänger klingen will. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Natürlich kann man sich in seiner Muttersprache besser ausdrücken.

Ralph Müller-Wagner: Hinter vielen deiner charismatischen Fotos entdeckt der interessierte männliche Betrachter deine beeindruckende Weiblichkeit und eine tiefe versteckte, sinnliche Ausstrahlung.  Macht es dir Spaß, Illusionen zu wecken oder gehören diese charismatischen Fotos der Hauck einfach zur Lebensphilosophie?

Silke Hauck: Als Künstler braucht man immer Fotos um in die Öffentlichkeit zu gehen. Ist auch eine Art der Kreativität und gehört mit zur Arbeit.

Ralph Müller-Wagner: Hast du mehr weibliche oder männliche Fans? Bestimmt kriegst du manchmal auch Liebesbotschaften. Nervt dich das eher oder findest du sie nett? Und ist es nicht schön, wenn man Komplimente von Frauen erhält?

Silke Hauck: Komplimente sind immer schön und natürliche habe ich auch weibliche Fans. Bin nicht genervt von Fans ;)

Ralph Müller-Wagner: Liest man deine Biografie, erscheint es, dass Silke Hauck eine Künstlerin ist, welche eher den Weg der kleinen Schritte zum Erfolg für sich gewählt hat. Was sollten junge Gesangstalente unbedingt beachten, auf dem schmalen Grat nach oben, wo man mitunter leicht mal das Gleichgewicht verliert?

Silke Hauck: Wissen ist Macht, Bescheidenheit ist eine Tugend und gute Freunde zu haben ist das wichtigste.

Ralph Müller-Wagner: Noch ein Wort zu deiner Band. Die Jungs darf man einfach nicht vergessen. Sie runden das Klangerlebnis Silke Hauck mit ihrer hausgemachten ehrlichen Musik ab. Was bedeuten sie dir?

Silke Hauck: Sehr viel, sie geben mir Sicherheit. = Meine Wahlfamilie.

Ralph Müller-Wagner: Wo kann man dich privat treffen? Beim Joggen? An der Bar? Im Kino, Theater?

Silke Hauck: Beim Joggen, im Club auch im Kino.

Ralph Müller-Wagner: In welchen musikalischen Genres wird sich die Sängerin Silke Hauck noch weiter entwickeln? Film?  Theater? Musical? Was hast du noch für Ziele und Pläne?

Silke Hauck: Ich bleib am besten bei meiner Musik. Will weiterhin mit ihr wachsen.

Ralph Müller-Wagner: Es war mir eine Ehre, mit dir dieses Interview zu führen, Silke.
Herzlichen Dank. Ich wünsche dir für alle  Projekte weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.

Silke Hauck: Das wünsch ich dir auch.

Karussell

Website: http://www.karussell-rockband.de

Facebook: http://www.facebook.com/pages/Karussell-Rockband/154323947950986

MySpace: http://www.myspace.com/gruppekarussell

Band:

Karussell
  • Keyboard: Wolf-Rüdiger Raschke
  • Gesang, Keyboard, Richter-Harmonika: Joe Raschke
  • Gesang, Gitarre: Reinhard Huth
  • E-Bass, Gesang: Jan Kirsten
  • Schlagzeug: Benno Jähnert
  • Gitarre: Hans Graf

Sie gehörten neben den Puhdys, Karat, City oder auch Silly zu den populärsten Rockbands der DDR. Hits wie „Ehrlich will ich bleiben“, „Autostop“ zählen seit langem als Klassiker. Solide, hausgemachte, ehrliche Rockmusik, hinterlegt mit anspruchsvollen deutschen Texten und Wiedererkennungswert. Trennung und Neubeginn (2007), Schmerz (Gründungsmitglied Peter Cäsar Gläser verstarb 2008) und neues Glück schweißten die sechs legendären Musiker zusammen. Ihr frisches Album „Loslassen“, in den Staaten produziert, legt definitiv Zeugnis darüber ab. „KARUSSELL“ hat sich weiterentwickelt, klingt nun dynamischer, rockiger.

Exclusiv-Interview mit Joe Raschke

Joe Raschke

Ralph Müller-Wagner: Hallo Joe, Karussell dreht sich wieder am Rockhimmel. 1976 gründete dein Vater Wolf Rüdiger Raschke (Bandleader) in der ehemaligen DDR die Band, welche Jahrzehnte mit ihren ehrlichen handgemachten Kompositionen die Musikszene entscheidend prägte. Was unterscheidet euch heute musikalisch von damals?

Joe Raschke: Die aktuelle Musik von Karussell ist nicht mehr ganz so langatmig wie früher. Also keine Werke über 7 min Länge. Allerdings ist sie genau so melodisch und eingängig wie früher. Der Sound ist wesentlich druckvoller und brillianter als damals.

Ralph Müller-Wagner: Ihr macht weiter Rockmusik mit in die Tiefe gehenden deutschen Texten. Welche Themen berühren euch. Was wollt ihr mit eurer Musik zum interessierten Publikum transportieren?

Joe Raschke: Unser Wunsch ist es, die Texte so zu gestalten, dass sich jeder darin wiederfinden kann oder sich sagt: »Das habe ich genau so schon mal erlebt und es war uns wichtig, dass es echt ist (also meistens aus dem echten Leben der Karussellmitglieder)« Es ist auch der Anspruch gewesen, die Nähe zu schaffen und damit das verbundene Gefühl zu transportieren (z.B. Schmerz, Freude, Verbindung, Sehnsucht oder Fantasie).

Ralph Müller-Wagner: Das neue Album »Loslassen« wurde in den New Yorker Studios gemastert, in denen auch Coldplay und Michael Jackson ein- und ausgingen. Seid ihr darauf stolz und wie kam es dazu? Das muss man erst einmal schaffen, Kompliment.

Joe Raschke: Also: Das Mastering-Studio »STERLING« ist kein Studio in dem Sinne, dass man da ein und ausgeht, so wie Jackson oder Coldplay. Dort wird nur die CD zum Bearbeiten hingeschickt und man bekommt ein Sound und Druckwunder wieder zurück. Wir wollten das Beste für unser Produkt und damit auch der verbundene Wunsch alles fürs Wohl des Produktes getan zu haben. Sie haben es geschafft, die CD extrem laut zu machen, ohne die Banddynamik zu zerstören. Das gibt es hier in Europa leider nirgendwo. Wir haben alle einen Teil unseres Privatvermögens da reingesteckt, weil wir wollten, dass es sich hinter internationalem Standart nicht verstecken muss und... sind logischer Weise stolz darauf, weil es nicht wie ne Ostband klingt ;-)

Ralph Müller-Wagner: Welcher Titel vom neuen Album gefällt dir am besten? Haben da alle Kollegen ihren besonderen Hit?

Joe Raschke: Mein Lieblingssong ist »Obensein?« auch wenn es mein eigener ist, aber er hat für mich den besten Sound und das beste Gefühl....»Keine Zeit« von Oschek ist auch genial. Gerade musikalisch sehr interessant. Ich freu mich, dass es auch bei vielen Altfans sehr gut ankommt. Wir haben zwar immer mal nen Spinner dabei, der gerade dann den Kontakt zu mir sucht und mich fragt, was das soll und es wäre nicht der Karussellurzeit würdig. Da setze ich dann immer mein Ekelgrinsen auf und sage: Hol den Plattenspieler aus dem Keller alter Mann und lebe schön in der Vergangenheit weiter.

Ralph Müller-Wagner: Du bist der jüngste in der Band, eine ganz andere Generation, wie die gestandenen »alten« deiner Kollegen. Immerhin spielt dein Vater ja auch mit. Ist der Altersunterschied eher eine Bereicherung für alle und wie äußert sich das z.B., wenn ihr ein Album einspielt, denn es fließen sicher auch deine musikalischen Vorstellungen mit ein?

Joe Raschke: Ich hatte am Anfang auch immer Bedenken, ob es passt, ob wir uns verstehen, wie reagieren die Fans? Also innerhalb der Band gibt es sehr viel Spass und auch das Vertrauen ist grenzenlos. Eigentlich ist der Altersunterschied zwischen uns Kollegen nicht wirklich spürbar. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie sich durch mich auch ein bissl verjüngen. Der einzige, der etwas Schwierigkeiten (am Anfang) hatte war Oschek, da er musikalisch bis heute ein Kind der 60er-70er Jahre ist. Hätten wir die ganze Platte nach seinen Vorstellungen gemacht, hätten wir auch die Mastering-Nummer in NewYork weglassen können. Man merkt aber, dass seine Songs auch die erreicht, die ebenfalls in dieser Zeit leben. Der Großteil der Platte ist tatsächlich auf meinen Mist gewachsen. Denn ich habe da zum ersten Mal den großen Altersunterschied gemerkt. Die Geduld, der Fleiß und das Durchhaltevermögen haben hier schon ganz schön zu wünschen übrig gelassen. Ich musste also vieles komplett selbst machen, sonst wäre das Album wohl nie fertig geworden. Mich freut es besonders, dass durch mich wieder viele jüngere Menschen zum Konzert kommen, die Karussell vorher gar nicht kannten und jetzt total begeistert sind. Für sie bin ich Karussell, während für die Oldschooler immer Oschek Karussell sein wird. Dadurch werden es mehr und mehr und alle lieben trotzdem die Symbiose zwischen Alt und Jung. Die meisten, die zu uns kommen, haben auch von Hause aus einen höheren Intellekt und damit ist das Niveau unserer Fans (schon durch die Texte) außergewöhnlich hoch. Man merkt, sie verstehen es und leben es teilweise auch. Das macht uns stolz.

Ralph Müller-Wagner: Welche gemeinsamen Ziele verfolgt ihr,  kommen noch weitere Alben? Gibt es Solo-Projekte?

Joe Raschke: Der ernsthafte Wunsch meines Vaters ist es noch 10 Jahre live zu spielen und 1 bis 2 neue Alben zu machen. Alles was wir bis hierher erreicht haben, haben wir uns selbst zu verdanken. Wir haben zwar einen Verlag, aber Werbung und Promo macht nicht wirklich einer für uns. Deshalb ist das ne Testphase und wenn das erste nix wird, werden wir vielleicht nochmal die Plattenfirma wechseln und ein 2. Album machen. Soloprojekte hat keiner von uns. Ich mache neben Karussell bissl Filmmusik und ziemlich derbe elektronische Musik, aber nicht weiter erwähnenswert.

Ralph Müller-Wagner: Welche Botschaft habt ihr für eure alten und neuen  Fans und wie kommen diese zu einem Autogramm oder Fanartikeln?

Joe Raschke: Also ich glaube, dass unsere Botschaft (Mensch, Herz, Nähe) sich eher in unserer Musik wieder findet und sich nicht in Autogrammen und Fanartikeln wiederspielgeln lassen. Das sind nur Notwendigkeiten ohne näheren Hintergrund, bunte Bilder gehören einfach dazu ;-)

Ralph Müller-Wagner: Gibt es das neue Album überall zu kaufen? Hat es Saturn auch?

Joe Raschke: Ja...Saturn und Mediamärkte führen sie, allerdings nicht im Raum Süddeutschland. Da bekommt man nicht mal ne Sillyscheibe bestellt. Denn sie lehnen kategorisch alles ab, was mit der ehemaligen DDR zu tun hat. Amazon ist da echt verlässlicher. Aber es ist auch nicht so wichtig. Wer sie will, besorgt sie sich. Das einzige wo ich hinterher bin, sind die illegalen downloads, mit den Klagen lässt sich wirklich prima Geld verdienen. Die Schäden sind echt extrem und oft unterschätzt. Die meisten denken sich, naja, bei ner alten Zonenband ist es ja nicht so schlimm, da interessiert es ja eh keinen. Ich nutze gerade jetzt die Winterpause um eine echte Hetzjagd anzuzetteln und es funktioniert prima. Wir haben schon bei über 50 Kandidaten gnadenlos reingeleuchtet.

Ralph Müller-Wagner:  Wo seid ihr demnächst im TV zu sehen und wo tourt ihr demnächst?

Joe Raschke: Dieses Jahr ist so gut wie durch und die Pläne für das nächste sind noch nicht ganz fertig, aber es lohnt immer mal unter www.karussell-rockband.de reinzuschauen.

Ralph Müller-Wagner: Was macht der Sänger Joe Raschke privat? Gibt es viele weibliche Fans? Alles musst du ja nicht verraten, Joe. Aber wo können dich Mädels im Web oder real treffen? Vielleicht beim Joggen in LE (Leipzig)?

Joe Raschke: Also momentan habe ich wenig Zeit für private Dinge. Ich bin immer sehr gerne Angeln gegangen, um etwas Ruhe zu finden und vor allem mal nicht reden zu müssen. Aber ich war dieses Jahr nur zweimal. Da ich mit Karussell Hobby und Beruf als Musiker vereint habe, fehlt mir das auch gerade gar nicht. Ich habe eher ein Problem damit abschalten zu können. Wenn es nach mir ginge, würde ich das ganze Jahr durchrocken. Ich langweile mich im Urlaub momentan zu Tode. Ich brauche die Bewegung, den Kontakt zu meinen Freunden (Fan ist ein komisches Wort und bei uns eher unzutreffend). *Räusper* Ja...es sind schon Großteils weibliche Fans, die immer mehr werden. Ich gehe aber davon aus, dass sie mehr Herz haben, um unsere Texte zu verstehen. Während ihre Männer sagen, was’n das für ne Mugge ? Das bringt allerdings auch nicht immer Spaß mit sich. Denn ihre Männer laden dann gern ihren Neid und Frust bei mir ab. Man merkt es, dass sie an sich zweifeln und ne extreme Konkurenz riechen ;-). Mir sind es die liebsten Fans überhaupt, denn in vielen Gesprächen habe ich gemerkt, dass ich in Sachen Sensibilität und Gefühl mit ihnen viel mehr gemeinsam habe als mit Rüden ;-). Man trifft mich auf Karussellkonzerten und auf Facebook (Joe Raschke)...beim Joggen in L.E. wird man mich wohl niemals treffen können.

Ralph Müller-Wagner: Danke für das bemerkenswerte Interview, Joe. Ich wünsche Karussell weiterhin viel Erfolg und charismatische Songs für die Ewigkeit. Für dich persönlich alles Gute und schöne Weihnachten und ein glückliches 2012.

PUHDYS - Deutschlands Rockgiganten

Seit meiner Jugend habe ich die Puhdys als Freund begleitet. 40 Jahre sind das nun schon. Was für eine Zeit!

Im Dezember 2007 erschien von mir ein Porträt über diese außergewöhnliche Rockband im Literatur-Feder Magazin und ein Interview mit dem Frontmann der Band, Dieter "Maschine" Birr.
Beides könnt Ihr hier auf dieser Seite nachlesen.

Offizielle Webseite der Band: www.puhdys.com

Tourinfo: http://www.puhdys.com/php-programme/tourplan/index.php

Alt wie ein Baum - bis zur Rockerrente

von Ralph Müller-Wagner

Mit welchem hochkarätigen Ereignis beginnt man bei den PUHDYS, der erfolgreichsten deutschsprachigen Rockband unseres so schönen Musik-Planeten, die sich seit 38 Jahren ganz oben im Musikgeschäft behaupten. Und wie tief muss man sich vor diesen großen, engagierten und sympathischen Ausnahmekünstlern verbeugen, die deutsche Sprache in ihren Songs lebendig werden lassen, mit einem Titel, der auch im deutschen Liedgut seinen Platz gefunden hat. Welche Ehre für einen Musiker, doch dazu später.

Es wurde schon so viel über die PUHDYS geschrieben und manch einer wird sich fragen, ob es überhaupt noch etwas gibt, was keine Erwähnung in der Presse oder im Fernsehen fand. Dem kann man nur aussagekräftig erwidern: Aber ja, sogar eine ganze Menge. Und es wird niemals aufhören, weil diese Superband seit Beginn ihrer eindrucksvollen Karriere aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt, solidarisch agiert und den Alltag, in der Summe seiner Widersprüchlichkeiten, sinnvoll gestaltet. Außerdem haben die fünf Rockmusiker in der aktuellen Besetzung mit Dieter Birr (Maschine), Peter Meyer (Eingehängt), Dieter Hertrampf (Quaster), Peter Rasym (Bimbo) und Klaus Scharfschwerdt, Legenden-Status erreicht.

Wie alles begann

Im Oktober 1969 fanden sich fünf musikbesessene junge Herren zusammen und gründeten die PUHDYS. Aus den Anfangsbuchstaben der "Ur-Besetzung" Peter Meyer (Keybords), Udo Jacob (Schlagzeug), Harry Jeske (Bass, von 1965-1997) und Dieter Hertrampf (Gitarre, Gesang) ergab sich der Bandname PUHDYS, die Buchstaben YS wurden einfach angehängt. Quaster brachte damals Gunter Wosylus (Schlagzeug, bis 1979) und Maschine mit, den Star-Gitarristen der ehemaligen Evgeni-Kantschev Gruppe.

Am 19. November 1969 hatte die Band ihren ersten Auftritt im Freiberger "Tivoli" und wurde frenetisch gefeiert. Dann ging es Schlag auf Schlag. Massive Fanpost brachte die PUHDYS 1970 in das Jugendfernsehen der ehemaligen DDR. Sie durften in der Sendung "Notenbank" auftreten, allerdings unter einer Bedingung: Es musste deutsch gesungen werden. So startete ihr erster Titel "Türen öffnen sich zur Stadt" voll durch und schlug wie eine Bombe ein. Schon im folgenden Jahr wurde "Geh dem Wind nicht aus dem Wege" Schlager des Jahres.

Das Besondere an der PUHDYS-Musik waren die harten Gitarren-Riffs, die eher an die großen Bands der damaligen Zeit erinnerten. Deep Purple, Uriah Heep oder Ten Years After. Man muss die damalige Situation in der ehemaligen DDR verstehen, mit der die Jugendlichen konfrontiert worden sind. Im nationalen Rundfunk liefen eher eintönige Schlager, obwohl es bereits Gitarrenbands gab, deren Stilistik sehr stark durch westliche Beatgruppen geprägt war. Aber die wurden im Rundfunk ganz selten gespielt. Von einer DDR-Rockszene ganz zu schweigen. Um so mehr kann man sich vielleicht das Unfassbare unter der vom Staat gemaßregelten DDR-Jugend vorstellen, als Hardrock-Klänge aus dem Radio dröhnten, mit anspruchsvollen lyrischen Texten in deutscher Sprache.
Und jetzt passierte etwas, dass man als revolutionär bezeichnen darf. Die progressive Musik der PUHDYS und die PUHDYS als Kunstobjekt betrachtet, inspirierten die Gesamtheit der nationalen Jugend, in einem Land der Einbahnstraßen und Verbote. Sie hatte auf einmal eine Identität, ihre Identität und eine eigene Rockmusik-Szene, denn andere gute Bands, wie Renft, Karat, City, Reform, Stern Meißen oder Electra standen schon in den erfolgreichen Startlöchern, die den Weg nach oben bahnen.
Getragen von einer gewaltigen Stimme, die sich schnell zur Stimme eines ganzen Volkes erhob, dürfen sich die PUHDYS den großen Verdienst auf den Leib schreiben, zu den Gründern der deutschen Rockmusik-Szene in der ehemaligen DDR zu gehören.

Die Texte

Die PUHDYS haben vom ersten Titel an immer großen Wert auf ihre Texte gelegt. Mit klarer Sprache bringen sie bis heute ihren Standpunk zu aktuellen Problemen unserer Zeit zum Ausdruck. Dabei zeichnen sich ihre musikalischen Werke vor allem durch Rhythmus, Pointierung, Dichte, Scharfsinnigkeit, Dramatik oder sprachliche Prägnanz aus, ohne den Bezug auf das "lyrische Ich" vermissen zu lassen. So ist es kein Wunder, dass sich ein Literatur bewusstes Land, wie es die ehemalige DDR tatsächlich war, also die Menschen, die dort lebten, mit den Texten und musikalischen Themen klar identifizierten und auseinander setzten:

  • Die Stellung des Menschen in der Gesellschaft
    "Lied für Generationen", "Vorn ist das Licht", Wenn ein Mensch lebt", "Segelboot"
  • Friedensphilosophie
    "Unser Lied ist euer Schrei", "Steine", "Hiroshima"
  • Charismatische Liebesballaden
    "Von der Liebe ein Lied", "Spiel zu zweit", "Liebe pur"
  • Sagen und SF-Literatur
    "Vineta", "Ikarus", "Reise zum Mittelpunkt der Erde"
  • Deutsche Teilung
    "Ich will nicht vergessen", (durfte im Radio und TV der DDR nicht gespielt werden, heimliche Hymne der DDR)

... sind nur einige konkrete Beispiele einer schier endlosen Kette von Songs, die zum Gegenstand ihrer Arbeit wurden und poetische Tiefe erreichten.
Die solide Zusammenarbeit in den Anfangsjahren mit so namhaften zeitgenössischen Lyrikern und Songtextern wie Wolfgang Tilgner, Klaus Kühne, Werner Karma, Kurt Demmler oder Burkhard Lasch sollte sich für die PUHDYS als Gewinn erweisen. Später entwickelte sich Maschine immer mehr zum talentierten Songtexter.
So ist es kein Wunder, dass ihr großer Hit "Alt wie ein Baum" nach einem Zeitungsbericht in mehrere Schulprogramme aufgenommen wurde, unter anderem im ausgelobten Musiklehrbuch Unisono, mit dem Schüler ab der fünften Klasse im gesamten Bundesgebiet arbeiten. Somit platziert sich der Titel schon zu Lebzeiten der Rockstars im deutschen Liedgut, was man erst einmal schaffen muss! Darum haben es die PUHDYS unter anderem auch verdient, in einem Literatur-Magazin ihren ganz speziellen Platz zu finden.

Alt wie ein Baum

Text: Burkhard Lasch

Alt wie ein Baum möchte ich werden
genau wie der Dichter es beschreibt,
alt wie ein Baum, mit einer Krone die weit-weit-weit-weit
die weit über Felder zeigt.

Alt wie ein Baum möchte ich werden
mit Wurzeln die nie ein Sturm bezwingt,
alt wie ein Baum, der all die Jahre so weit-weit-weit-weit
kühlende Schatten bringt

Alle meine Träume ... fang’ ich damit ein
Alle meine Träume ... yeh yeh yeh
zwischen Himmel und Erde zu sein
zwischen Himmel und Erde zu sein.

 

Eine ihrer schönsten Balladen:

Von der Liebe ein Lied

Komposition: Peter Gotthardt
Text: Wolfgang Tilgner, Dieter Birr

Wieg Dich wie ein Segel leicht
Flieg als Vogel unerreicht
Rinn als Sand durch meine Hand

Wieg Dich wie ein Segel leicht
Flieg als Vogel unerreicht
Bin doch nah und nah verwand

Reit als Welle meinen Leib
Gleit als Wind im Winde bleib
Schlag wie Winter auf mich her

Reit als Welle meinen Leib
Gleit als Wind im Winde bleib
Trag Dich doch ich bin das Meer

Reit als Welle meinen Leib
Gleit als Wind im Winde bleib
Trag Dich doch ich bin das Meer

 

Die Erfolge

Die Erfolge der PUHDYS reihen sich wie Perlen an einer Kette aneinander. In ihrer Diskografie bringen sie es auf 36 LPs und 26 Singles. Zwischen der ersten LP "Die Puhdys", 1974 und der letzten "Ostrock Klassik" (u.a. mit Karat, Silly, Ute Freudenberg) 2007 liegen 33 gelebte Jahre der Hingabe zur Musik. 1973 spielten sie den Song "Wenn ein Mensch lebt", geschrieben von Peter Gotthardt und Ulrich Plenzdorf, Heinrich-Mann-Preis, (Literatur-Preis, der seit 1953 von der Akademie der Künste Berlin jährlich verliehen wurde) als Filmmusik zu dem Film "Die Legende von Paul und Paula" ein, die heute als Kultfilm betrachtet werden kann. Im gleichen Jahr hatten sie ihren ersten großen Auftritt in Berlin, bei den 10. Weltfestspielen der Jugend und Studenten.

1975 und 1980 nahmen sie zwei englischsprachige Alben auf. Sie waren eine der wenigen Bands, die es schafften, im westlichen Ausland aufzutreten. Im November 1976 spielten sie in der Hamburger Fabrik und beim Fest der Jugend in Dortmund. 1977 waren sie als erste DDR-Band zu Gast im Musikladen von Radio Bremen. Sogar die Waldbühne in West-Berlin feierte die PUHDYS mit 12 000 Fans. Eine Promotion -Tour führte sie in die USA. 1982 erhielten sie schließlich als erste Rockband den Nationalpreis der DDR.
Die Reihe der Erfolge ließe sich weiter fortsetzen. Erwähnt sei noch, dass die PUHDYS der erfolgreichste Exportartikel der DDR-Rockmusik war, mit weltweit fast 20 Millionen verkauften Tonträgern, die Erfolge auch nach der Wende nicht abrissen und bis heute anhalten. In diesem Jahr gab es die PUHDYS klassisch, denn sie spielten mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg Ost-Rock-Hits im klassischen Gewand. Dabei unterstützten sie befreundete Bands wie Karat, Silly & Anna Loos, Veronika Fischer, Ute Freudenberg, Dirk Michaelis und Werther Lohse von der Gruppe Lift.

Ohne ihre unzähligen Fans wären diese Meilensteine der Rockmusik natürlich undenkbar gewesen. Sie haben immer zu ihnen gehalten, ob in guten oder schweren Zeiten und die Fans sind mit den PUHDYS auch alt geworden, wie besagter Baum, den der Dichter einst so wunderbar beschrieb. Wie Pilze schossen die Fan-Clubs aus dem Boden, die ihre Idole aktiv unterstützen und kein Konzert auslassen, auch wenn es noch so fern von zu Haus entfernt ist.

Ausblick

Die PUHDYS blicken nun auf vier erfolgreiche Jahrzehnte eigene Musikgeschichte zurück. Ein halbes Menschenleben, eine unglaublich bemerkenswerte Leistung, die Respekt abverlangt.
Man darf der Superband nur alles Gute und Gesundheit wünschen, damit sie ihre gesteckten Ziele erreicht. Die Ideen für musikalische Projekte gehen den beliebten Künstlern bestimmt nicht aus, denn sie haben sich der Musik verschrieben. Bis zur Rockerrente und vielleicht darüber hinaus...

 

Interview mit Dieter (Maschine) Birr von den Puhdys

Ralph Müller-Wagner: Maschine, Ihr habt über 40 Jahre Musikgeschichte geschrieben, wenn man die Zeit vor der Bandgründung mit betrachtet. Wird man da nicht müde, was treibt Euch dennoch immer weiter, woher schöpft Ihr diese Kraft?

Maschine: 40 Jahre Jubiläum feiern wir im Jahr 2009. Natürlich haben wir alle schon vor der Bandgründung Musik gemacht und wenn du einmal die Leidenschaft hast im Leben, dann greift die immer. Das hat überhaupt nichts mit dem Alter zu tun. Man brennt für seine Musik und wenn man dann noch häufig erfolgreich ist, ist das natürlich doppelt schön, bestätigt unsere Arbeit. Andere Leute, die in unserem Alter sind, arbeiten ja auch noch, wobei wir in diesem Alter wohl mit die Einzigsten sind, die feste Arbeit haben. Aber es ist eben die Leidenschaft und die Lust, die uns immer noch transportieren und alles, was dazu gehört. Deswegen machen wir immer noch neue Platten und wir wollen auch immer wieder neue Sachen machen.

Ralph Müller-Wagner: Wie sehen sich die Puhdys und ihre unglaubliche Erfolgsgeschichte selbst, würden sie heute alles genau so machen wie damals?

Maschine: Mit den Erfahrungen von heute, würde man sicherlich vielleicht paar Sachen anders machen, aber wir sind da hineingewachsen und insofern ist es klar, dass wir es genau so machen würden. Ich würde mich heute nicht mehr wie ein Kind verhalten, weil ich heute mehr weiß als ein Kind. Ist ja klar. Aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass wir rückblickend gesehen, sehr viel Glück hatten. Dass sich die richtigen Leute fanden, um gemeinsam Musik zu machen. Dass uns die Fans von Anfang an mochten, das irgendetwas war, was wir selber nicht wussten. Wir sind ja nicht auf die Bühne gegangen und haben gesagt, wir werden jetzt eine ganz tolle Band. Wir sind als Amateure auf die Bühne gegangen, haben uns gefreut, dass wir Musik machen konnten und wir so geklungen haben wie unsere Vorbilder DEEP PURPLE oder URIAH HEEP. Das war ja eigentlich die Motivation gewesen, Musik zu machen und überhaupt Musiker zu werden. Natürlich ist Geld verdienen auch ein angenehmer Nebeneffekt, aber entscheidend war die Motivation. Dass man andere Musiker damals toll fand, wie Beatles, Stones und noch früher Chuck Berry oder Little Richard. Man wollte dann genau so sein und das war ausschlaggebend, dass man Musiker wird.

Ralph Müller-Wagner: Ihr seid schon in unzähligen Interviews danach gefragt worden, aber die Leser des Literatur- Feder Magazins wird es bestimmt interessieren, wie lange ihr noch spielen wollt? Bis zur Rockerrente ist es ja nicht mehr weit. Wie sieht ein Leben nach den Puhdys aus?

Maschine: Das kann ich so nicht sagen, denn ich will mich damit auch noch nicht beschäftigen. Zur Zeit sind die PUHDYS noch unser Leben und solange die Lust und die Leidenschaft da sind auf die Bühne zu gehen, solange wird es die PUHDYS geben. Schade wäre es, aus gesundheitlichen Gründen aufhören zu müssen. Deshalb hoffe ich, dass so ein natürlicher Prozess einsetzt, wo man sagt, so es ist jetzt gut und es ist nicht mehr angebracht, auf die Bühne zu gehen, wo man dann eben tatsächlich keine Lust mehr. Wenn man Kind ist, hat man ja plötzlich auch keine Lust mehr, im Buddelkasten zu spielen, weil man jugendlich wird. Und ich hoffe, dass es im Alter bei mir so sein wird. (lacht)

Ralph Müller-Wagner: Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Euch aus?

Maschine: Wir haben verschiedene Arten von Arbeitstagen. Da ist der Konzertalltag. Man fährt ungefähr vier Stunden vor Konzertbeginn vor Ort, macht Soundcheck oder probt, man schnuppert die Atmosphäre, aklimatisiert sich, schaut, wie die Leute hereingelassen werden. Das gehört alles mit dazu. Wenn man eine Platte macht, setzt man sich erst mal zu Hause hin oder unterwegs im Auto und denkt über Musik nach, vor allem über Texte, denn sie sind für mich zumindest schwieriger zu machen als Musik. Du kannst in der Musik jede Note an die andere reihen, irgendwas kommt dabei immer heraus. Dass kann man aber nicht mit Worten machen, wenn ein interessanter anspruchsvoller Text entstehen soll. Darüber macht man sich Gedanken. Manchmal dauert dieser Prozess Monate. Danach geht man ins Studio, macht so eine Art Demo, da hört man vieles, was man zu Hause nicht so hört, wenn man mit der Gitarre spielt und dazu singt. Zum Beispiel die falsche Tonart, ob die Stimme des Sängers zu hoch oder zu tief ist. Irgendwann entwickelt sich dann der Song und man hat ein Arrangement im Kopf, entscheidet, ob Streicher oder andere musikalische Komponenten einfließen sollen. Dabei spielt das Individuelle eine große Rolle. Den gleichen Song würde eine andere Band oder ein anderer Sänger vielleicht komplett anders machen. Er könnte verschieden instrumentiert, langsamer oder schneller gespielt werden, was auch den Gesang betrifft. All diese kleinen Komponenten machen die Persönlichkeit einer Band oder eines Künstlers aus. Wenn alles fertig ist, kommt die Mischung. Das Zusammenspiel der Instrumente, ob man z.B. Effekte einbaut zu den Stimmen. Wenn der Mix fertig ist, geht es ins Mastering-Studio, wo die Endbearbeitung gemacht wird. Das alles homogen klingt und man merkt, es ist eine CD und die Songs passen zueinander, die Reihenfolge der Songs muss natürlich auch abgestimmt werden. Ist die Platte fertig, beginnt die Promotion, damit sie bekannt wird. Interviews oder Autogrammstunden geben. So sehen unsere Arbeitstage aus, nie langweilig, nie gleich und das ist genau, was wir lieben.

Ralph Müller-Wagner: Es gibt viele talentierte Lyriker, die auch einmal Songtexte schreiben wollen. Ihr habt vor allem am Anfang Eurer Karriere mit professionellen Lyrikern zusammen gearbeitet. Seid Ihr mit dieser Arbeit glücklich gewesen und warum habt Ihr Euch damals dazu entschlossen?

Maschine: Wir waren am Anfang eine Band, die englische Sachen nachgespielt haben und konnten uns gar nicht so richtig vorstellen, dass man deutsch singen kann. Der Zufall wollte es, dass damals über 120 Fans aus Gardelegen an das Fernsehen geschrieben haben, um die Puhdys im Fernsehen zu hören. So kam das Fernsehen auf uns zu und fragte, was wir so machen und wir sagten, wir spielen Deep Purple und Uriah Heep. Das Fernsehen meinte dann, wenn ihr auftreten wollt, müsst ihr was Eigenes vorweisen. So haben wir unseren ersten Song gemacht und der war auch gleich ein Erfolg, "Türen öffnen sich zur Stadt". Und da wir nie an selber texten gedacht haben, hat damals Wolfgang Tilgner die ersten Texte gemacht, der mit unserem Kollegen Peter Meyer bekannt war und diesen fragte. Später kamen noch Burkhardt Lasch und Ulrich Plenzdorf hinzu, der auch das Drehbuch für den Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula" schrieb und die Songs für den Film "Wenn ein Mensch lebt" und "Geh zu ihr". Irgendwann haben wir dann gesagt, wir sollten doch selber Texte machen, um seine eigene Persönlichkeit mit einzubringen. Noch dazu als wir hörten, die Beatles schreiben ihre Texte auch selber, zum größten Teil, dachte ich, wir sollten es auch einmal versuchen.

Ralph Müller-Wagner: Maschine, auch Stars haben Träume. Einer Eurer größten Träume ist es, mit den Stones gemeinsam in Peking aufzutreten. Was ist aus diesem Traum geworden?

Maschine: Unser Keyboarder Peter Meyer sagte am Anfang unserer Karriere einmal, man muss auch Träume haben, die nicht immer Wirklichkeit werden. Für uns waren die Stones die größte Rockband der Welt und wir besuchen ihre Konzerte immer wieder, wenn es die Zeit erlaubt. Letztes Jahr war ich in Stuttgart, weil ich in Berlin nicht konnte, als sie dort waren. Und das bedeutet ja nichts anderes, als dass man sie verehrt. Und der Traum wäre, selbst diese Größenordnung zu erreichen, was natürlich nicht geht, denn die Stones sind international weltbekannt. Wir dagegen nur in Deutschland und ein paar Leute kennen uns auch im ehemaligen sozialistischen Ausland (Anmerkung des Redakteurs: viel zu bescheiden). Für uns bedeutet das, dass wir unsere Anerkennung für die Stones zum Ausdruck gebracht haben.

Ralph Müller-Wagner: Welche musikalischen Themen bewegen Euch ganz besonders? Was können die Fans noch erwarten?

Maschine: Musikalisch ist ja alles möglich, man weiß nicht, wo es hingeht. Wichtig für jeden von uns ist, dass immer die Handschrift erkennbar ist. Und unsere Fans mögen genau das, was wir machen. Wichtig ist auch, dass man ein breites Spektrum hat und so vielfältig ist, wie die Beatles oder die Stones es waren. Oder wenn man an Queen denkt, die sich nie festlegen lassen, auf eine bestimmte musikalische Richtung. Aber man weiß immer, es sind die Beatles, die Stones oder Queen. Am Anfang wollten wir auch nur eine Hardrockband sein, aber durch "Paul und Paula" haben wir dann auch andere musikalische Mittel eingesetzt. Es ist wohl am Interessantesten, wenn man nie sagt, dass machen wir auf keinen Fall. Beispielsweise haben wir auf unserem zweiten Album mit Akkordeon gespielt, was ja damals in der Rockmusik so ziemlich das Allerletzte war, aber es hat funktioniert. Wir haben sogar einen Dudelsack eingesetzt bei "Geh dem Wind nicht aus dem Wege" und arbeiteten damals schon mit Sinfonieorchester.

Ralph Müller-Wagner: An welches Ereignis in Eurer Karriere erinnert Ihr Euch gerne zurück, was hat Euch am meisten bewegt?

Maschine: Es gibt viele Ereignisse. Ganz besonders jene, als wir uns zum ersten Mal im Radio gehört haben, als wir unsere erste Platte machen durften. Wir begannen ja als blutige Amateure und dann hörst du dich im Radio, was uns alle sehr bewegt hat. Dann kam unser erster Auftritt im Westen, die erste Platte im Westen und unser erster Auftritt damals auf der Waldbühne in Berlin Wir haben ja drei Mal hintereinander da gespielt. Nennenswert ist auch die erste Auslandstour ins ehemalige sozialistische Ausland, dem Auftritte im westlichen Ausland und in Amerika und England folgten. In Portugal waren einmal 120 000 Menschen und bei der Abschiedstour 1989 in Berlin auf dem August–Bebel–Platz sogar 80.000. So sammeln sich einige Ereignisse an, die uns schon berührt haben.

Ralph Müller-Wagner: Heute wird es für Rockbands immer schwieriger, sich ganz oben an der Spitze zu behaupten. Was gebt Ihr jungen dynamischen Bands mit auf den Weg, damit sie die Härten des Musikgeschäftes überstehen?

Maschine: Das ist immer schwierig zu sagen. Erfolg kann man nicht planen, aber man sollte immer an den eigenen Erfolg glauben und ein bisschen größenwahnsinnig sein. Erzwingen kann man Erfolg nicht. Die Ausstrahlung einer Band und Ideen sind sehr wichtig. Man sollte sich auch nicht von Leuten, die keine Ahnung haben, reinreden lassen, sondern nur von Leuten mit Ahnung. Also nichts auferlegen lassen, wo du nicht dahinter stehst. Das ist ganz wichtig. Es gibt 10 Millionen Frauen auf der Welt, aber nur eine, die du liebst. So muss man sich das ungefähr mit der Musik vorstellen. Vor allem ist die Leidenschaft für die Musik, die man machen will, wichtig und ihre Glaubwürdigkeit. Es gibt unterschiedliche Lager in der Musik, die sich untereinander nicht akzeptieren. Der Rocker wird kaum Schlagersänger billigen, umgedreht weiß ich jetzt nicht. Aber solche Sachen wie Udo Jürgens oder Howard Carpendale, wo sich Rocker vielleicht die Nase rümpfen, muss man erst einmal machen, denn es ist glaubwürdig. Obwohl ich jetzt nicht so ein Fan davon bin. Und genau so ist es umgedreht, keiner kann so sein wie Led Zeppelin, so singen wie Robert Plant und das ist einmalig in der Welt...

Ralph Müller-Wagner: ...oder wie Maschine...

Maschine: ...oder wie Maschine, genau und die tun das, weil sie daran glauben und das Gefühl haben, damit könnte ich Erfolg haben. Du musst also dahinter stehen, diese Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht. Außerdem funktioniert jede Band anders und man kann pauschal keinen Rat geben.

Ralph Müller-Wagner: Ohne Fans keine verkauften Scheiben und leere Konzertbühnen. Habt Ihr vielleicht eine Botschaft für Eure Fans?

Maschine: Wir sind jeden Tag dankbar, dass wir diesen Beruf und so viele Menschen haben, nach so vielen Jahren, die unsere Musik mögen und sich damit identifizieren können, was wir zu sagen haben. Dafür sind wir sehr dankbar. So wie uns die Fans ernst nehmen, nehmen wir sie auch ernst. Wir sind manchmal sehr gerührt, wenn wir auf die Bühne gehen und die Fans abfeiern. Und wir denken, wir haben doch noch gar nichts gemacht, nur dass wir da sind. Unglaubliche Momente, die ein normaler Mensch vielleicht gar nicht nachvollziehen kann, der nicht auf der Bühne steht. Was man da fühlt, verstehst du? Das ist so sensationell und der Abschied von den Fans fällt dir dann immer so schwer auf der Bühne.

Ralph Müller-Wagner: Maschine, was machen die alten Bandmitglieder Gunter Wosylus und Harry Jeske heute?

Maschine: Harry ist vor kurzem 70 geworden und lebt glücklich auf den Phillipinen. Ihn habe ich erst vor paar Wochen getroffen. Gunter Wosylus habe ich seit 1999, als wir in der Waldbühne gespielt haben, nicht mehr gesehen. Es weiß auch kein Mensch, wo er wohnt. Wir würden ihn ja gerne zum 40. Jubiläumskonzert einladen in Berlin.

Ralph Müller-Wagner: Einige Kinder der Puhdys spielen heute in erfolgreichen Bands, wie Bell, Book + Candle oder Stamping Feet. Hattet Ihr immer Zeit für die Probleme Eurer Sprösslinge und habt Ihr immer an sie geglaubt?

Maschine: Ja klar, es ist ja nicht so, dass wir ständig unterwegs waren. Mein Sohn war von Anfang an immer mit bei den Konzerten dabei. Ich habe schnell gemerkt, dass er Talent besitzt. Er saß oft während des Konzerts hinter dem Schlagzeuger Gunter Wosylus und hat zugeguckt. Ich produzierte auch seine ersten Demos bei Bell, Book + Candle und habe immer an ihn und die Band geglaubt. Ja und sie glaubten auch an sich, haben einen Song gemacht, der ein richtiger Welthit geworden ist, wo ich sehr erstaunt drüber war und mich sehr gefreut habe. Ich habe sie sogar um den Erfolg beneidet und es gerne zur Kenntnis genommen. Das war schon sensationell. Mein Sohn wird auch in diesem Jahr bei der Weihnachtstour dabei sein.

Ralph Müller-Wagner: Welchen Eurer fast 300 Songs findet Ihr musikalisch und textlich am besten gelungen, gibt es da eine Hitparade innerhalb der Band?

Maschine: Das kann ich so nicht sagen, es sieht jeder anders und es ändert sich auch laufend. Allgemein immer die neuesten Songs. Also meine liebsten Songs sind alle auf der letzten Platte und dann gibt es natürlich Songs wie "Das Buch", wo du dir sagst, das ist ja immer noch ein toller Song. Also meine Favoriten sind die letzten Songs und die letzte Weihnachts-CD.

Ralph Müller-Wagner: Die deutsche Sprache ist so herrlich schön und lebt voller Tradition, wenn man an Heine oder Hölderlin denkt. Wie seht Ihr die Zukunft der deutschen Rockmusik-Szene? Wird sich diese behaupten oder der englischsprachige Mainstream?

Maschine: Es ist immer ein auf und ab. Manchmal ist deutsch ganz doll angesagt und es gibt auch viele Bands, die deutsch singen, wie Rammstein, Silbermond, Tokio Hotel oder wie die alle heißen. Es kommt immer auf den Geschmack des Publikums an, das kann man vorher nicht wissen und keiner weiß auch, was im nächsten Jahr gefragt ist oder was es für Überraschungen gibt. Es könnte aber auch sein, das sich einmal eine ganz andere Sprache durchsetzt. Ich würde mich da nicht festlegen. Auf jeden Fall ist es so, wenn man bedenkt, was früher an deutscher Musik war und heute, dass der Unterschied sehr groß geworden ist. Ich könnte mir jetzt aber auch nicht vorstellen, dass eine Band wie Metallica deutsch singt oder ich die Musik in deutsch hören würde. Ich bin da sehr tolerant und höre mir beides an.

Ralph Müller-Wagner: Die Welt steckt voller Flachheiten. Armut, soziale Kälte und Not bestimmen immer mehr den Alltag unserer Gesellschaft. Die Puhdys haben sich immer für soziale Gerechtigkeit eingesetzt, auch in ihren Songtexten. Wann wird der Mensch endlich begreifen, dass er nicht allein auf dieser wunderbaren Erde lebt und dass man nur gemeinsam etwas bewegen kann. Wie sehr bewegt Euch dieses Thema?

Maschine: Das ist natürlich eine Frage, die sehr komplex ist und es ist immer alles einfach gesagt. Ein Harz IV Empfänger steht natürlich vor seinen eigenen Problemen und es müsste dafür gesorgt werden, dass es allen gut geht. Ich glaube, dass die Menschen untereinander viel toleranter sein müssten und menschlicher. Ich denke, wenn der Mensch Hunger hat, denkt er weniger an die Umwelt. Das ist nun mal leider so. Es müsste so sein, dass die Menschen auf der ganzen Welt satt werden und in Würde leben können. Erst dann kannst du erreichen, dass die Umwelt geschützt wird. Das bedeutet, wir brauchen ganz kluge Köpfe, die uns darauf hinweisen, dass wir nicht so schnell Auto fahren, zu viel Öl verbrauchen, also große Überzeugungsarbeit von Menschen, die uns glaubwürdig versichern, das es gut wäre für die Welt. Es ist aber schwer bei so vielen Milliarden Menschen, dass alle an einem Strang zu ziehen. Zu diesem Thema gibt es ja auch zwei Songs von uns. "Alles hat seine Zeit" und "Zukunft", im letzten Song singe ich ja auch unter anderem, "bewahre mich vor Neid und Hass, dass ich meine Menschlichkeit nicht verliere". Leider gibt es viele Menschen, denen es am Hintern vorbeigeht, wie es den anderen ergeht.

Ralph Müller-Wagner: Hattest du musikalische Vorbilder?

Maschine: Ich hatte früher musikalische Vorbilder und Vorbild ist für mich alles, was gut ist und mir gefällt. Aber das ich dem nacheifern würde, könnte ich mir nicht vorstellen.

Ralph Müller-Wagner: Welcher Sänger imponiert dir am meisten?

Maschine: Robert Plant zum Beispiel, Mick Jagger und Bono von U2 ist auch ein guter Sänger.

Ralph Müller-Wagner: Was ist dein Leibgericht?

Maschine: Bouletten.

Ralph Müller-Wagner: Trainierst du deine Stimme?

Maschine: Nein, mache ich nicht.

Ralph Müller-Wagner: Welche internationale Rockband gefällt dir besonders gut?

Maschine: Stones, Led Zeppelin

Ralph Müller-Wagner: Hast du Zeit zum Lesen und ein Lieblingsbuch?

Maschine: Ja, ich lese in dem Sinne keine Romane sondern eher Sachliteratur oder über Psychologie. Jetzt lese ich gerade ein Buch von diesem Typen, der andere Leute übers Ohr gehauen hat, darunter auch Dieter Bohlen: "Wie ich den Reichen ihr Geld abnahm. Die Karriere eines Hochstaplers" – Jürgen Harkens

Ralph Müller-Wagner: Gibt es einen Lieblingsschriftsteller?

Maschine: Nein, kann ich jetzt nicht sagen.

Ralph Müller-Wagner: Gibt es einen Film, der dich besonders berührt hat?

Maschine: Ist schon lange her. Der Film hieß "Die Kraniche ziehen".

Ralph Müller-Wagner: Welchen Künstler verehrst du besonders?

Maschine: Mario Adorf zum Beispiel. Mit dem haben wir ja selber einen Film gedreht. Er ist ein toller Künstler.

Ralph Müller-Wagner: Maschine, es war eine große Ehre für das Literatur-Feder Magazin, seinen Lesern und für mich persönlich, mit dir, im Namen der Puhdys, etwas plaudern zu dürfen. Wir wünschen Dir und der Band weiterhin viel Erfolg und alles Gute im Leben.